Prognose
Nordirland: Sinn Fein wohl erstmals stärkste Kraft

Der politische Flügel der Untergrundarmee IRA, die Sinn-Fein-Partei, dürfte bei den Regionalwahlen in Nordirland laut einer Prognose erstmals stärkste Kraft im Lager der Katholiken geworden sein. Mit einem Ergebnis wird am Freitag gerechnet.

HB BELFAST/LONDON. Für die Protestanten sagte die Prognose erwartungsgemäß ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der gemäßigten UUP des Friedensnobelpreisträgers David Trimble und der DUP des wesentlich radikaleren Pfarrers Ian Paisley voraus.

Für die Prognose des irischen Fernsehens wurden 1 500 Stimmberechtigte befragt, nachdem sie am Mittwoch gewählt hatten. Mit der offiziellen Stimmenauszählung wurde am Donnerstagmorgen begonnen. Das Ergebnis wurde erst für Freitagabend erwartet. Die Wahlbeteiligung lag nach ersten Angaben der Wahlaufsicht zwischen 50 und 60 %, deutlich niedriger als bei den letzten Regionalwahlen vor fünf Jahren (69 %).

In Londonderry kam es nach Schließung der Wahllokale zu Ausschreitungen. Die Polizei wurde mit insgesamt 50 Molotow-Cocktails beworfen. „Das hätte tödliche Folgen haben können“, sagte Inspektor Rod Flood. Mehrere Polizeiautos wurden beschädigt.

Wenn Paisleys DUP Trimbles UUP als stärkste protestantische Kraft ablösen würde, wäre dies nach Einschätzung britischer Medien ein schwerer Schlag für den nordirischen Friedensprozess. Die DUP lehnt das Friedensabkommen von 1998 ab. Die niedrige Wahlbeteiligung könnte nach Einschätzung von Wahlforschern den radikaleren Parteien bei den Protestanten und Katholiken zu Gute gekommen sein. Unter den 1,1 Mill. Wahlberechtigten sind die Protestanten knapp in der Mehrheit.

Die Regionalwahlen waren zwei Mal verschoben worden, weil die britische Regierung gehofft hatte, den Streit über die von den Protestanten geforderte Entwaffnung der IRA beilegen zu können. Eine schon greifbar nahe Einigung war im vergangenen Monat jedoch gescheitert.

Die 108 Abgeordneten des Regionalparlaments sind aufgerufen, eine konfessionsübergreifende Regionalregierung zu wählen. Hinter dieser Regierung muss sowohl eine Mehrheit der protestantischen als auch der katholischen Abgeordneten stehen. Zurzeit ist eine Regierungsbildung allerdings nicht möglich, da die nordirische Autonomie seit über einem Jahr außer Kraft gesetzt ist. Nordirland wird wieder wie früher von London aus verwaltet. Die britische Regierung sah sich zu diesem Schritt gezwungen, um einem Auseinanderbrechen der Regionalregierung zuvorzukommen. Sie wird Nordirland die Autonomie erst zurückgeben, wenn sich abzeichnen sollte, dass Gespräche über eine Regierungsbildung erfolgreich sein könnten.

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