Projekt soll Abhängigkeit von Importen mindern
US-Senat billigt Ölbohrungen in Alaska

US-Präsident George W. Bush kann einen wichtigen Erfolg für seine Energiepolitik verbuchen. Mit knapper Mehrheit von 51 zu 49 Stimmen hat der von Republikanern dominierte Senat heftig umstrittene Ölbohrungen in Alaska genehmigt. Die oppositionellen Demokraten hatten beantragt, das Geld für das Projekt aus dem Haushaltsentwurf 2006 zu streichen. Der Etat muss noch vom Repräsentantenhaus beschlossen werden.

OTTAWA. Bush will das Naturschutzgebiet „Arctic National Wildlife Refuge“ (ANWR) für die Ölförderung öffnen, um die Abhängigkeit der USA von Ölimporten zu verringern. Die Entscheidung im Senat fiel an einem Tag, an dem der Preis für Erdöl neue Rekordhöhen erreichte. Naturschützer laufen Sturm gegen die Pläne: So sprach der demokratische Abgeordnete Edward Markey vom „wichtigsten Umweltkampf des Jahrzehnts“. Das 1980 geschaffene ANWR ist mit 80 000 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet für Wildtiere in den USA.

In seiner ersten Amtszeit war Bush mit seinem Alaska-Plan gescheitert. Die Wahl im November brachte den Republikanern jedoch eine Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses. Die Ölförderung in Alaska werde das Wirtschaftswachstum fördern und neue Arbeitsplätze bringen, sagte Bush nach dem Votum des Senats. Alaskas Senator Ted Stevens betonte, die USA dürften sich nicht länger auf „instabile oder unfreundliche Regime“ verlassen, um ihren Energiebedarf zu decken.

Umstritten ist allerdings, wie viel Öl überhaupt unter dem so genannten „Gebiet 1002“ lagert – einer Küstenebene im Schutzgebiet, für die der Kongress 1980 eine künftige Ölsuche nicht ausschloss. Nach unterschiedlichen Quellen werden dort zwischen fünf und 16 Mrd. Barrel (1 Barrel = 159 Liter) förderbares Öl vermutet.

Die Lobbygruppe „Arctic Power“, die den Ölbohrungen positiv gegenübersteht, glaubt, dass die Küstenebene täglich bis zu 1,5 Mill. Barrel Öl liefern könnte. Skeptiker rechnen anders: In zehn Jahren sei pro Tag eine Million Barrel zu erwarten. Dies, schrieb die „New York Times“ unter Berufung auf Prognosen der Regierung, wären vier Prozent des dann erwarteten Bedarfs. Laut „Boston Globe“ kann „Gebiet 1002“ den US-Ölbedarf gerade einmal für ein halbes Jahr decken. Eine größere Unabhängigkeit von Ölimporten lasse sich besser durch Energiesparen erreichen als durch die Erschließung des Schutzgebietes, kommentierte der demokratische Senator und Bushs Herausforderer bei den letzten Wahlen, John Kerry.

Auch die Industrie zweifelt offenbar, ob sich die vermuteten Reserven in Alaska gewinnbringend ausbeuten lassen. So zog sich Ende vergangenen Jahres mit Conoco-Phillipps einer der größten Ölproduzenten aus „Arctic Power“ zurück. Zuvor waren bereits BP und Chevron ausgestiegen. Von den großen Ölkonzernen sei nur noch Exxon-Mobil Mitglied der Lobbygruppe, sagte Jerry Hood von „Arctic Power“.

Er glaubt aber, dass „diejenigen irren, die den Ausstieg von Conoco-Phillips und anderen als Verzicht auf die Beteiligung an der Förderung sehen“. Wenn das Gebiet freigegeben werde, werde es „sehr viel Wettbewerb bei den Anträgen für Lizenzen geben“. Dagegen zitierte die „New York Times“ unlängst einen nicht näher bezeichneten Berater der US-Administration: Selbst wenn die Regierung der Industrie kostenlos Förderlizenzen gäbe, würden die Firmen diese nicht annehmen, denn „kein Öl-Unternehmen kümmert sich wirklich um ANWR“.

Gegner der Ölbohrungen kündigten weiteren Widerstand gegen Bushs Pläne an. Das ANWR, das oft als „amerikanische Serengeti“ bezeichnet wird, ist Heimat einer 130 000 Tiere starken Porcupine-Karibu-Herde, die zwischen Weidegründen in Alaska und dem angrenzenden kanadischen Arktisgebiet wandert und Lebensgrundlage der Gwichin-Indianer ist. Darüber hinaus sind Eis- und Schwarzbären, Grizzlys, Schwarzbären, Wölfe, Moschusochsen, Polarfüchse und viele Millionen Wandervögel in dem Gebiet heimisch.

Angaben der Öl-Lobby, wonach von den geplanten Bohrungen nur etwa 800 Hektar des Schutzgebietes betroffen sind, widersprechen Umweltschützer. Seismische Untersuchungen würden sich auf die ganze Ebene auswirken, betonen sie. Zudem lasse die Öl-Lobby außer Acht, dass für die Erschließung des Gebietes Straßen und Pipelines gebaut werden müssten.

Bush, der aus der Ölindustrie kommt, betont, die Exploration werde umweltverträglich ablaufen. Wissenschaftler aus den USA und Kanada forderten den Präsidenten trotzdem auf, seine Entscheidung zu überdenken. Die Küstenebene sei lebenswichtig für die Integrität des ganzen ANWR.

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