Propaganda des Islamischen Staates
Wie sich der IS die Flüchtlingskrise zunutze macht

Die Massenflucht aus Syrien ist für den IS ein Problem: Er fürchtet, qualifizierte Arbeitskräfte und damit Steuereinnahmen zu verlieren. Doch die Extremisten-Miliz macht aus der Not eine propagandistische Tugend.
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Tel AvivGeht nicht nach Europa: Dort warten nur Erniedrigung und Demütigung auf Euch. So und ähnlich lauten die Botschaften, die PR-Strategen des Islamischen Staates (IS) derzeit verbreiten. Innerhalb weniger Stunden veröffentlichten sie zuletzt zehn Video-Clips, auf denen sie vor einer Emigration in den Westen warnen.

Die IS-Werber bezeichnen die Flüchtlinge als „Verräter“. In einem Clip berufen sie sich auf den Koran, wo es heißt: „Und wenn ihr (Ihm) den Rücken kehrt, so wird Er ein anderes Volk an eure Stelle setzen; und sie werden nicht so sein wie ihr.“ (Sure 47:38).

Wer sich in den Westen absetzt, wird als Sünder hingestellt. Er gefährde seine Kinder, weil er in Kauf nehme, dass sie den Islam gegen das Christentum, gegen den Atheismus oder gegen den Liberalismus austauschen würden. Er riskiere ihr Leben nicht nur während der Flucht, sondern auch danach: In Europa würde Islamophobie auf sie warten.

In einem der Clips kritisieren die IS-Propagandisten den Westen, weil er über das Schicksal von Aylan Kurdi weine, aber alle anderen Opfer des Assad-Regimes vernachlässige. Oft gezeigt werden auch fremdenfeindliche Aktionen, mit denen Flüchtlinge in Europa mitunter konfrontiert sind.

Als Kontrast wird gezeigt, wie willkommen Muslime im Islamischen Staat seien und wie großzügig sie aufgenommen würden. Das Bild einer islamischen Utopie werde verbreitet, schreibt das Newsportal „Business Insider“: Der IS schlage Kapital aus den Risiken, denen die Flüchtlinge ausgesetzt sind.

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PR-Clips nicht nur eine Medizin gegen die Flucht

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