Prostitutionsaffäre
Sexskandal um New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer

Der New Yorker Gouverneur Eliot Spitzer ist offenbar in eine Prostitutionsaffäre verwickelt. Spitzer erklärte am Montag auf einer hastig einberufenen Pressekonferenz, dass er das Vertrauen seiner Familie und der Öffentlichkeit missbraucht habe. Nun rechnen politische Beobachter mit dem Rücktritt des ehemaligen Generalstaatsanwalts.

NEW YORK. "Ich habe gegen meine eigenen Maßstäbe von Recht und Unrecht verstoßen", sagte der sichtlich angeschlagene Politiker. Er bitte dafür um Entschuldigung. Zuvor hatte die "New York Times" auf ihrer Webseite berichtet, dass Spitzer sein Fehlverhalten gegenüber seinen engsten Vertrauten zugegeben habe.

Demnach soll der frühere Generalstaatsanwalt Mitte Februar ein Treffen mit einer Prostituierten in Washington telefonisch bestätigt haben. Das Gespräch wurde offenbar von der Bundespolizei aufgezeichnet. Die Ermittler waren dem Prostituiertenring "Emperors Club VIP" für wohlhabende Kunden in Europa und Asien auf der Spur. Spitzer soll die Prostituierte später in einem Hotel in Washington getroffen haben. In den Ermittlungsakten wird er als "Kunde 9" identifiziert.

Politische Beobachter rechnen damit, dass der Gouverneur, der mit einem deutschen Ministerpräsidenten vergleichbar ist, von seinem Amt zurücktreten wird. Spitzer ließ das jedoch in seiner kurzen Erklärung offen. An der Wall Street sorgte die Nachricht für unverhohlene Freude auf dem Börsenparkett. Spitzer hat sich an der New Yorker Finanzmeile viele Feinde gemacht als er von 2002 bis 2006 als Generalstaatsanwalt unnachgiebig gegen Banker und Analysten vorgegangen war. So brachte der Demokrat unter anderem den früheren Börsenschef Dick Grasso und den ehemaligen Chef des Versicherungskonzerns AIG, Hank Greenberg zu Fall. Das brachte ihm den Titel "Sheriff der Wall Street" ein. Das US-Magazin "Time" machte ihn zum "Kreuzritter des Jahres".

Spitzer brachte viele der von ihm Beschuldigten mit Hilfe von Emails zu Fall. So ist es eine bittere Ironie des Schicksals, dass er nun selbst über aufgezeichnete Telefonanrufe und Textnachrichten gestolpert ist.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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