Protest gegen Energie-Engpässe
Briten geben in Basra Warnschüsse auf Iraker ab

In der südirakischen Stadt Basra haben Tausende Iraker den zweiten Tag in Folge gegen die anhaltenden Energieengpässe protestiert. Die britischen Besatzungstruppen versuchten mit einem starken Militäraufgebot in den Straßen der Zwei-Millionen-Stadt, die Unruhen unter Kontrolle zu bringen. Sie feuerten auch Warnschüsse in die Luft.

Reuters BASRA/NEW YORK. Mindestens zwei Iraker trugen Schussverletzungen davon. Es war aber unklar, wer für diese Schüsse verantwortlich war. Hundert Tage nachdem US-Präsident George W. Bush das Ende der Kampfhandlungen im Irak verkündet hat, sorgen sich die USA und ihre Verbündeten zudem weiter um die Sicherheit ihrer Truppen und der Bevölkerung in dem Land.

„Wir haben die militärische Präsenz erhöht, um sicherzustellen, dass die Menschen verstehen, dass wir Sicherheit sehr ernst nehmen“, sagte ein britischer Militärsprecher in Basra der Nachrichtenagentur Reuters. In der zweitgrößten Stadt des Landes kam es erneut zu Stromausfällen, so dass bei Temperaturen um 50 Grad Kühlschränke und Klimaanlagen ausfielen. Vor Tankstellen bildeten sich lange Schlangen.

Aus Protest gegen die Engpässe zündeten Hunderte Iraker in Basra Autoreifen an und demolierten Autos. Hauptstraßen wurden mit brennenden Autoreifen blockiert. Menschen warfen Betonbrocken auf passierende Autos. „Sie haben uns nicht das gegeben, was sie uns versprochen haben und wir haben nun lange genug gewartet“, sagte ein 19-jähriger Student. Einwohner von Basra sagten, ihre Geduld sei am Ende angelangt. „Wir haben kein Benzin, keinen Strom und keine Gehälter“, sagte ein Taxifahrer. Bereits am Samstag hatten aufgebrachte Iraker in Basra einen kuwaitischen Tanklaster mit Steinen beworfen und angezündet.

Während die Menschen im Irak ihrem Ärger über die Versäumnisse der Besatzungstruppen Luft machten, sprach Bush in seiner Bilanz über die ersten hundert Nachkriegstage von stetigen Fortschritten. „Wir halten unser Wort an das irakische Volk, indem wir helfen, ihr Land zu einem Muster für Demokratie und Wohlstand in der Region zu machen“, sagte der US-Präsident.

Bremer: Militante Islamisten kehren zurück

„Hundert Tage sind nicht genug, um die fürchterliche Hinterlassenschaft Saddam Husseins zu beseitigen. Es liegt schwierige und gefährliche Arbeit vor uns, die Zeit und Geduld erfordert.“ Der Irak sei unter amerikanischer und britischer Besatzung sicherer geworden, sagte Bush.

Der US-Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, warnte zudem vor Anschlägen militanter Islamisten, die während des Krieges in den Iran geflüchtet seien und nun zurückkehrten. Auch seien hunderte Kämpfer der extremistischen Gruppe Ansar el Islam in den Irak zurückgekehrt und planten Terroranschläge, sagte Bremer der „New York Times“. „Mein erster Verdacht war, dass dies jemand von außen getan haben muss“, sagte Bremer.

Jedoch seien auch Angehörige des ehemaligen irakischen Geheimdienstes auf den Bau von Bomben spezialisiert. Die USA hatten versucht, Ansar el Islam während des Irak-Krieges zu zerschlagen. Die Gruppe soll über Verbindungen zur El Kaida des Moslem-Extremisten Osama bin Laden verfügen, den die USA für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich machen. Im Irak sind bei fast täglichen Angriffen seit Anfang Mai 55 amerikanische und sechs britische Soldaten getötet worden. Die USA schreiben die Angriffe in erster Linie Anhängern Saddams zu.

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