Protest gegen Enteignungen
Chinesische Polizei schießt auf Demonstranten

In Südchina haben Sicherheitskräfte eine friedliche Demonstration von Dorfbewohnern blutig niedergeschlagen. Bis zu 20 Menschen starben, als Polizisten in die Menge schossen. Amnesty International zieht Parallelen zum Massaker auf dem Pekinger Platz des Himmlischen Friedens 1989.

HB PEKING. Das betroffene Dorf Dongzhou nahe der Küstenstadt Shanwei in der Provinz Guangdong wurde am Freitag nach übereinstimmenden Agenturberichten von tausenden Polizisten abgeriegelt worden. Die Zahl der Opfer bei dem tödlichen Polizeieinsatz am Dienstag blieb unklar. „Soweit ich weiß sind drei Menschen ums Leben gekommen“, berichtete ein Lehrer telefonisch. „Die Polizei hat geschossen. Sieben oder acht wurden verletzt.“

„Es müssten mehr als zwei Tote gewesen sein“, sagte ein anderer Dorfbewohner. Die Behörden verweigerten weiter jede Auskunft. Die nahe gelegene Polizeistation in Hongwanshan behauptete, nichts von den Unruhen zu wissen. Doch ließen Polizeiposten am Eingang des Dorfes keine Autos und Lastwagen durch. Bewohner könnten das Dorf aber zu Fuß verlassen, berichtete ein Anwohner.

„Sie kommen in unser Dorf und nehmen Leute fest“, sagte ein anderer Anwohner per Telefon. Er ergänzte, sein Bruder sei bei den Kämpfen mit der Polizei erschossen worden. „Meine Eltern und meine Schwester knien vor dem Haus und flehen die Regierungsvertreter an, ihnen die Tötung zu erklären.“ Es herrsche das pure Chaos. „Bitte schicken Sie Hilfe“, rief er. Dabei war der Lärm im Hintergrund so stark, dass man ihn kaum verstehen konnte. Ein anderer Anwohner sagte, viele Menschen seien aus Panik aus dem Dorf geflohen. „Nachts traut sich niemand mehr auf die Straße“, erklärte er. Ein Regierungsvertreter sagte dagegen, die Polizisten in der Region hätten auf Rohrbomben-Angriffe der Demonstranten reagiert.

Die blutigen Zwischenfälle waren der vorläufige Höhepunkt der fünf Monate andauernden Proteste in Shanwei gegen Landenteignungen zu Gunsten örtlicher Windkraftwerksprojekte und mangelnde Entschädigungen für Dorfbewohner. Nach der Festnahme von drei Bauernvertretern hatten Tausende protestiert und ihre Freilassung gefordert. Mobilisierte Hundertschaften der paramilitärische Polizei hätten Tränengas eingesetzt und plötzlich das Feuer eröffnet, schilderten Augenzeugen.

Seit einiger Zeit haben die Proteste in China wieder zugenommen. Immer mehr Chinesen kämpfen für mehr Eigentumsrechte und gegen die wachsende Schere zwischen Arm und Reich. Die kommunistische Partei duldet jedoch keinen Widerspruch. Amnesty International zufolge ist die Gewalt-Eskalation in Dongzhou als dramatisch zu bewerten. „Die Polizei hat das letzte Mal 1989 Waffen gegen Demonstranten eingesetzt“, sagte ein Sprecher der Menschenrechtsgruppe. „Wir fordern die Zentralregierung auf, die Vorgänge dort zu untersuchen.“

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