Protest gegen Lohnkürzungen
Generalstreik bringt Griechenland zum Stillstand

In Griechenland wird wieder gegen Lohnkürzungen und hohe Steuern gestreikt. 24 Stunden lang fällt der Betrieb in Schulen, Krankenhäusern und Häfen aus. Das öffentliche Leben im Krisenstaat steht still.
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AthenMassive Streiks gegen höhere Steuern und gekürzte Löhne haben am Mittwoch Griechenland gelähmt. Die Fähren blieben in den Häfen. Staatliche Schulen waren geschlossen. In Krankenhäusern gab es nur einen Notdienst. Zehntausende Menschen protestierten in Athen gegen das massive Sparprogramm der Regierung. „Der heutige Streik ist ein neuer Versuch, das Rettungsprogramm loszuwerden und all diejenigen, die das Volk ausnutzen und nur Leid bringen", sagte der Generalsekretär der Gewerkschaft ADEDY, Ilias Iliopoulos, in Athen. „Eine soziale Explosion steht kurz bevor."

Seine Gewerkschaft vertritt die Beschäftigten im öffentlichen Dienst und hat gemeinsam mit der GSEE zum landesweiten, 24 Stunden dauernden Ausstand aufgerufen. In den beiden größten Gewerkschaften sind rund 2,5 Millionen Beschäftigte organisiert. Sie protestieren gegen das drastische Sparprogramm, mit dem die Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras eine Pleite des hoch verschuldeten Landes abwehren will. „Unser Kampf wird weitergehen, so lange an dieser Politik festgehalten wird", kündigte die Gewerkschaft GSEE an.

Seit 2009 wurde Griechenland immer wieder von Generalstreiks lahmgelegt. „Wir sind am Boden", sagte Nikos Papageorgiou, ein 56-jähriger Beamter. „Das Land wurde zerstört, die Jugend wurde zerstört. Ich bin wütend auf die Europäer und auch auf unsere Politiker. Sie gehören alle ins Gefängnis."

„Griechenland unternimmt große Anstrengungen, um zum Wirtschaftswachstum zurückzukehren, um wieder bessere Tage zu erleben", sagte dagegen Regierungssprecher Simos Kedikoglou im griechischen Hörfunk. Doch während alles versucht werde, um Investoren anzulocken, liefen die Bilder von den Protesten diesen Bemühungen entgegen.

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„Wir werden keine Sklaven des 21. Jahrhunderts“

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  • Falsche Streikparolen

    Auch die marxistischen Streikparolen erweisen sich als unrichtig. Denn da das Kapital keine Sache, sondern ein Knappheitszustand ist, wirkt alles, was den Zustand der Kapitalknappheit zu verstärken geeignet ist - wie etwa jeder Krieg, weil er Sachgüter zerstört, aber auch wie jeder Streik, der die Erzeugung von Sachgütern unterbindet -, der Überwindung des Kapitalismus entgegen. Der Spruch:

    „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will“

    lockt die Arbeitenden auf eine falsche Fährte. Der Streik schadet dem Kapitalismus nicht nur nicht, sondern richtet seine Spitze gegen die Arbeitenden selbst, weil er dazu beiträgt, die Sachgüter knapp und daher Zins tragend zu halten. Durch Streik kann bestenfalls der Reallohn einer bestimmten Gruppe von Arbeitenden erhöht werden, und zwar stets auf Kosten der übrigen Arbeitenden, niemals aber auf Kosten des Zinses. Streikerfolge dieser Art sind immer nur Scheinerfolge, weil sie dem Zins nichts anzuhaben vermögen. Würde der Zins ernsthaft angetastet werden, dann antwortet unweigerlich ein Investitionsstreik des Geldes, der weit wirkungsvoller ist als der Streik der Arbeitenden!

    Im Interesse der Arbeitenden liegt es also, dass nicht gestreikt, sondern möglichst ununterbrochen gearbeitet wird. Nur dadurch ist es möglich, jene Fülle von Sachgütern zu schaffen, die notwendig ist, um den Zins herabzudrücken und zuletzt ganz zu beseitigen. Nach Gesells Worten soll der Zins in einem Meer von Kapital untergehen. Stillstehende Räder bilden lediglich ein Hindernis auf dem Wege zu diesem Ziel. Darum muss es anstelle der Marxschen Streikparole richtig heißen:

    „Alle Räder müssen laufen, soll das Kapital ersaufen.“

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/02/irrtumer-des-marxismus.html

  • @Sam
    Das sind doch SIE, die sich hier der Gemeinplätze bedienen. IHR Gemeinplatz heißt: „Die Bösen da oben wollen die Guten da unten gegeneinander aufhetzen!“
    Es hilft leider nicht – Sie sollten sich bitte unbedingt einmal mit der Realität auseinander setzen. Die Realität ist, dass es denjenigen Griechen, die etwas zu verlieren haben, absolut gleichgültig ist, von wem das Geld, das sie für den Erhalt ihres Lebensstandards benötigen, kommt. „Wir sind doch in Europa“ sagen sie. Das reicht ihnen als Argument.
    Sie gehen davon aus, dass Europa für sie zuständig ist. Da muss irgendwo in Brüssel eine nette Gelddruckmaschine stehen, die ununterbrochen für sie angeworfen werden muss… Es sagt ihnen ja auch kaum mal jemand, dass ihr Geld aus UNSEREN Börsen kommt.
    Jene Griechen fühlen sich im Recht und demonstrieren deshalb, während andere Griechen, die nichts mehr zu verlieren haben, längst zu der Einsicht gelangt sind, dass sie selbst etwas an ihrem System ändern müssen.
    Die schlimme europäische Lage hat ihre Ursache bedauerlicherweise eben NICHT in einer intelligenten Intrige – wie Sie es vermuten -, sondern leider ist sie lediglich die Folge einer langen ununterbrochenen Kette von Mittelmäßigkeiten.

  • @Lefort
    Das ist Unsinn. Die Armen demonstrieren ja gerade NICHT. Dafür fehlt ihnen auch die Kraft, der Optimismus – und vor allem die Lobby.
    Wer hier in GR demonstriert, sind ausschließlich diejenigen, die bisher stark vom System profitierten:

    Da sind einmal die Bauern, die Subventionen ohne Ende für alles Mögliche erhielten. Sogar für verhagelte Ernte gab es reichlich Euros – was natürlich sofort dazu führte, dass sich viele Bauern gar nicht erst die Mühe einer Ernte machten, sondern gleich einen Hagelschaden meldeten. Bauern, die Besitzer einer Schaf- oder Ziegenherde sind, bekamen allein aufgrund der Existenz dieser Herde etwa 20.000,-€ jährlich.

    Dann gibt es eine große Zahl gut dotierter Verwaltungsbeamter und Beamte im höheren Dienst, wie z.B. Richter. Auch sie streiken immer wieder – weil sie um ihre feinen Gehälter und um ihre noch feineren Arbeitsbedingungen fürchten.

    Und dann sind da vor allem noch sämtliche Beamten der DEKO. Das ist der Bereich, der nichts mit der Verwaltung zu tun hat: Stromversorger, Gas, Verkehrsbetriebe, Hafenabeiter, sogar die Schneider der weißen Garderöckchen sind verbeamtet. Sie alle haben extrem viel zu verlieren, denn ihre Gehälter waren außerordentlich hoch.

    DAS sind die Menschen, die üblicherweise demonstrieren.
    Es funktioniert so: die eine Hälfte der Griechen demonstriert, während die andere Hälfte weiter malocht, um die andere Hälfte finanzieren zu können.

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