Protest gegen türkische Regierung
Sie lassen sich das Lachen nicht verbieten

Türkische Frauen haben nichts zu lachen? Das Gegenteil ist der Fall. Tausende Frauen posteten bei Twitter Bilder, auf denen sie um die Wette strahlen – als Protest gegen die jüngsten Vorstöße des türkischen Vizepremiers.
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DüsseldorfDie neuste Idee vom stellvertretenden türkischen Ministerpräsidenten Bülent Arinc klingt wie ein schlechter Scherz: Türkische Frauen sollten seiner nach Ansicht nach nicht laut in der Öffentlichkeit lachen. Sowohl Frauen als auch Männer sollten sich mehr in Zurückhaltung üben, sagte der AKP-Politiker laut türkischen Medien in einer Rede, in der er unter anderem den angeblichen moralischen Verfall in der Türkei beklagte. Sein Credo: „Züchtigkeit ist so wichtig. Es ist nicht nur ein Wort.“

Die Reaktion türkischer Frauen kam prompt: Beim Kurznachrichtendienst Twitter protestierten sie gegen die Wertvorstellungen des Vizepremiers. Fast schon im Sekundentakt posteten Türkinnen unter dem Hashtag #direnkahkaha Kommentare und Fotos, die sie mit einem Lachen im Gesicht zeigen.

Es ist kein Zufall, dass sich der Protest ausgerechnet bei Twitter formiert. Die Türken schätzen den Kurznachrichtendienst. 39 Prozent sind bei Twitter aktiv, in Deutschland sind es nur sechs Prozent. Kurzzeitig hatte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan Twitter in diesem Frühjahr verbieten lassen und damit sogar den Widerstand seines Präsidenten Abdullah Gül hervorgerufen. Nun zeigt sich erneut aktiv die Türken Twitter nutzen.

Arinc, der bei Twitter selbst 1,53 Millionen Follower hat, hatte am Montag bei einer Rede zum Fest des Fastenbrechens nach dem Ramadan gesagt, dass Männer keine Frauenhelden sein und ihre Kinder lieben sollten. Ebenso müsste eine Frau wissen, was verboten sei und was nicht.

„Wo sind unsere Mädchen, die leicht erröten, ihren Kopf senken und die Augen abwenden, wenn wir in ihre Gesichter schauen, und somit zu einem Symbol der Keuschheit werden?“, zitierte die „Hürriyet Daily News“ den Politiker. Arinc gehört der islamisch-konservativen AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan an.

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