Protest
Nordkorea will Reaktor wieder anfahren

Nordkorea erschreckt nach der Uno-Kritik seine Nachbarn mit atomaren Drohungen. Die Demokratische Volksrepublik Korea ziehe sich aus Abrüstungsgesprächen mit seinen Nachbarländern und den USA zurück, teilte das Außenministerium des abgeriegelten Landes am Dienstag mit. Außerdem werde das Land den Betrieb eines Reaktors wieder aufnehmen, der waffenfähiges Plutonium herstellen kann.

TOKIO. Nordkora hatte vor anderthalb Wochen eine Interkontinentalrakete getestet, die im Erfolgsfall einen Sprengkopf bis in amerikanisches Gebiet tragen könnte. Der Uno-Sicherheitsrat hat daraufhin den Test kritisiert und dem Land weitere Waffentests nochmals untersagt.

Nordkorea reagiert heftig, obwohl sich der Sicherheitsrat in New York nicht zu konkreten Sanktionen gegen das Land entschließen konnte. Einer Resolution der Vereinten Nationen aus dem Jahre 2006 folgend, wäre dies als Reaktion auf einen Raketentest durchaus möglich gewesen. Die USA hatten sich im Sicherheitsrat für Sanktionen gegen Nordkorea ausgesprochen, waren jedoch am Widerstand Chinas gescheitert.

Nordkorea hatte darauf gepocht, mit der Rakete nur einen Satelliten in die Umlaufbahn gebracht zu haben. Die zivile und die militärische Anwendung für eine weitreichende Rakete unterscheiden sich Sicherheitsexperten zufolge nur minimal. Militärquellen zufolge war der Start insofern ein Erfolg, als er einen deutlichen Fortschritt in der nordkoreanischen Technik zeigte. Die Rakete erreichte jedoch offenbar nicht die gewünschte Flughöhe und konnte auch den Satelliten anscheinend nicht in einen Orbit heben.

Der Sicherheitsrat forderte Norkorea auf, wieder mit den USA, Russland, China, Japan und Südkorea über die Möglichkeit von Wirtschaftshilfe gegen Abrüstung zu sprechen. In den vergangenen zwei Jahren waren diese Verhandlungen zeitweilig gut gelaufen: Nordkorea hatte den umstrittenen Kernreaktor im Kreis Yongbyon still gelegt und hatte im Gegenzug erste Lieferungen von Öl und elektrischer Energie erhalten. Die USA nahmen Nordkorea sogar wie gewünscht von der Liste der Staaten, die Terroristen unterstützen.

Seit vergangenem Herbst zeigt sich Nordkorea jedoch erneut widerspenstig. Dazu könnten Nachrichten von schwerer Krankheit des Machthabers Kim Yong-Il beigetragen haben, aber auch ein Verlust an Aufmerksamkeit durch die Wirtschaftskrise und die Wahl des neuen US-Präsidenten. Kim will möglicherweise auch austesten, was er sich Barack Obama gegenüber erlauben kann.

Das Land verfolgt seit den 90er-Jahren die Strategie, sich als Bedrohung für den Weltfrieden zu stilisieren, um für jedes kleine Einlenken Zugeständnisse des Westens zu erpressen „Die Sechsparteiengespräche sind zu einer Plattform zur Diffamierung Nordkoreas verkommen“, teilte das nordkoreanische Außenministerium am Montag mit. „Wir werden an den Verhandlungen nicht mehr teilnehmen und fühlen uns an keine früheren Vereinbarungen aus diesen Gesprächen mehr gebunden.“ Die Vereinten Nationen hätten sich nie zuvor an einem Satellitenstart gestört, so Nordkorea.

Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitiert aus der koreanischen Version des Dokuments, dass Pjöngjang sogar den Bau zusätzlicher Kernreaktoren plane. „Nordkorea schlägt den härtest möglichen Ton an, um gegen die Erklärung der Uno zu protestieren“, sagte Yang Moo-Jin, Experte für Nordkoreastudien in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Ein Rückzug aus den Sechsparteiengesprächen sei die radikalst mögliche Reaktion auf den Beschluss der Vereinten Nationen. „Das ist keine Warnung mehr, sondern eine Handlung.“ Nordkorea wolle ausdrücken, dass es alles getan habe, um den Vorgaben der internationalen Gemeinschaft zu genügen – und jetzt zu Unrecht kritisiert werde.

Im Jahr 2006 hatte Nordkorea sowohl Raketentechnik zum Transport von Kernwaffen als auch eine Plutoniumbombe getestet. Der Erfolg beider Projekte bleibt unter westlichen Experten umstritten. Fest steht jedoch, dass Nordkorea alle nötigen Puzzleteile besitzt. Ein nuklearer Angriff auf Nachbarländer wie Südkorea oder Japan wäre denkbar. Der Sicherheitsrat hat dem Land im gleichen Jahr nicht nur sein Atomprogramm, sondern auch Tests für geeignete Trägerraketen verboten.

China als letzter zumindest formal kommunistischer Verbündeter Nordkoreas ist jedoch der Version vom friedlichen Satellitenstart gefolgt und hat sich einer strengeren Auslegung der Resolution von 2006 widersetzt. Im Sicherheitsrat sitzen außer China und den USA noch Russland, Großbritannien und Frankreich als ständige Mitglieder.

Japan zeigte sich auch mit der schwächeren Erklärung am Dienstag notgedrungen zufrieden. „Der Inhalt des Dokuments fiel außerordentlich deutlich aus“, sagte Kabinettschefsekretär Takea Kawamura in Tokio. Wichtig sei, dass der Sicherheitsrat eine Verletzung der Resolution 1718 des Sicherheitsrats festgestellt habe. „Substanz ist uns wichtiger als Form“, erklärte der hochrangige Sprecher der japanischen Regierung. Der Sicherheitsrat hatte die Erklärung jedoch ausrücklich als „nicht verbindlich“ angekündigt.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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