Protest-Welle
China: Der große Drache speit Feuer

Der Machtzuwachs Chinas stärkt das Selbstbewusstsein des 1,3-Milliarden-Volkes. In dem kommunistischen Land, das eigentlich keine Versammlungsfreiheit kennt, gehen immer mehr Menschen auf die Straße. Doch die Aggressionen richten sich zusehends auch gegen die eigenen Behörden.

HB PEKING/DÜSSELDORF. „Japanisches Schwein komm’ raus“, „Nieder mit den japanischen Imperialisten“, „Kauft keine japanischen Produkte“ – die Parolen bei den jüngsten Protesten gegen das Feindbild Japan waren heftig wie selten zuvor. Vor allem junge Chinesen beteiligten sich bei den Angriffen gegen japanische Einrichtungen am Wochenende. Sie warfen Steine und Flaschen, verbrannten japanische Flaggen und demolierten Restaurants und Geschäfte des ungeliebten Nachbarn.

Seit Jahren nimmt die antijapanische Stimmung in großen Teilen auch der jungen Bevölkerung zu, ungeachtet der Liebe für Shiseido, Sony oder Toyota. Doch die Aufruhr um ein japanisches Schulbuch, das aus chinesischer Sicht die Kriegsverbrechen und die japanische Aggression während des Zweiten Weltkrieges in China verharmlost, ist nur ein Spannungsherd im aufstrebenden Land der Mitte.

In China brodelt es an vielen Fronten: Peking hat 700 Raketen auf Taiwan gerichtet und schüchtert seine Nachbarn wegen einiger Inseln ein, bei denen es Erdöl geben soll. Die USA wollen China in Schach halten, die EU scheint dagegen bereit zu sein, das Waffenembargo von 1989 aufzuheben. Und jetzt brach zusätzlich die diplomatische Krise zwischen Peking und Tokio aus.

Eigentlich sind in China Demonstrationen generell verboten, weil sie sich gegen die Kommunistische Partei richten könnten. Die Japan-Prosteste waren der Regierung in Peking jedoch so genehm, dass Polizisten sogar kurzerhand die Straßen für die Demonstranten frei räumten. Die Spannungen sind Sinnbild einer Entwicklung, in der sich das Machtverhältnis in Asien verändert. Beide Länder bemühen sich um den Ausbau oder Erhalt ihrer wirtschaftlichen Stärke. Wegen des Taiwan-Konflikts betrachtet Japan China zugleich als potenzielle sicherheitspolitische Bedrohung. Besorgt blickt Tokio somit auf den wachsenden Nationalismus seines großen Nachbarn.

Seite 1:

China: Der große Drache speit Feuer

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%