Protestbewegung
Araber fürchten iranischen Virus

Die Regierungen der arabischen Halbinsel befürworten in weiten Teilen das harte Durchgreifen von Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Ihr Kalkül: Ein Erfolg der iranischen Opposition könnte den Einfluss des Irans vergrößern - und den Widerstand in andere Golfstaaten tragen.

DUBAI. Die arabischen Regierungen treibt die Sorge um, dass die Unruhen in Iran auf die gesamte Region überschwappen könnten. „Alle Länder im Nahen Osten sitzen im selben Boot: Niemand hat ein Interesse daran, Opfer von Instabilität zu werden,“ sagt offen der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Scheich Abdullah Al-Nahyan. „Wir glauben, dass eine Einmischung – von welcher Partei auch immer – in die inneren Angelegenheiten des Irans inakzeptabel ist.“ Konsequenterweise war die Führung der VAE unter den ersten Gratulanten, die Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad zur Wiederwahl am 12. Juni beglückwünschten.

Die Nachbarländer fürchten den Widerstandsvirus aus Iran. Doch selbst wenn das Regime gestärkt aus dem Konflikt hervorgehen sollte, könnte das die Nachbarn in Bedrängnis bringen. Die meisten arabischen Regierungen halten sich zwar offiziell zurück, teilen aber inoffiziell die Einschätzung von Scheich Abdullah. Nach Ansicht von Experten ist die Furcht vor unkalkulierbaren Reaktionen des Irans weit verbreitet. „Die arabischen Regime haben die Sorge, dass die Führung in Teheran wild um sich schlagen könnte, wenn sie unter Druck gerät“, sagt der amerikanische Politik-Professor Asad Abu Khalil.

Dazu gibt es offenbar allen Grund: Die kuwaitische Zeitung „Al Dar“ zitierte hochrangige iranische Regierungskreise mit den Worten: „Teheran wird gegenüber denjenigen nicht schweigen, die riesige Dollar-Beträge in unser Land pumpen oder Konflikte schüren, um das System zu untergraben.“ Erst am Montag begann die iranische Luftwaffe Manöver über dem Persischen Golf und vor der Küste Omans. Die Marine des Mullah-Staats verfügt über die stärksten Einheiten im Golf und hat auch Schiffe in internationale Gewässer wie den Golf von Aden entsandt.

Die Angst, dass Exil-Iraner auch in arabischen Ländern auf die Straße gehen und das Klima verschärfen könnten, sitzt tief. In Dubai demonstrierten tagelang einige Hundert Iraner. Viele trugen grüne Armbänder als Zeichen der Sympathie für den Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi. „Wir wollen der Welt nur unsere Solidarität zeigen, wir haben kein Interesse an politischen Slogans“, sagte ein Teilnehmer. Aber selbst das ging der Regierung in Dubai zu weit, sie verbot derlei Kundgebungen. In der Handelsmetropole leben mehr als 300 000 Iraner, die größte Exilgemeinde außerhalb der USA.

Auch in Bahrain zog die Führung die Reißleine. In der ältesten Zeitung des Landes, „Akhbar Al Kaleej“, wurde der Betrieb kurzzeitig unterbrochen. Beobachter führten dies auf eine Kolumne zurück, in der das iranische Regime und seine Gefolgsleute kritisiert worden waren. Zwei Drittel des weniger als eine Million Einwohner zählenden Insel-Staats am Golf sind Schiiten. Die Sunniten, die in den meisten arabischen Ländern die Mehrheit stellen, machen nur 25 Prozent der Bevölkerung aus. Da die Sunniten jedoch in Politik und Wirtschaft den Ton angeben, kommt es immer wieder zu Spannungen. Die wurden kürzlich auch durch Äußerungen aus Iran angeheizt. Der ehemalige Parlamentspräsident Ali Nateq-Nouri hatte behauptet, Bahrain sei historisch gesehen eine iranische Provinz, was in der gesamten arabischen Welt hohe Wellen geschlagen hat. Irans Außenminister Manutschehr Mottaki machte später einen halbherzigen Rückzieher, doch der Stachel sitzt tief.

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