Proteste dauern an
Erneut Gewalt in Griechenland

In Griechenland ist es erneut zu Auseinandersetzung zwischen jugendlichen Randalierern und der Polizei gekommen. Die anhaltenden Proteste haben unterdessen zu einem dramatischen Rückgang des Tourismus geführt. In Athen sind die Hotels fast leer.

HB ATHEN. Griechenland kommt nicht zur Ruhe: Auch am Donnerstag gab es erneut gewaltsame Proteste. In Athen versammelten sich zunächst mehr als 7 000 Demonstranten. Rund 200 Jugendliche brachen später aus der friedlichen Menge aus und warfen Steine und Brandsätze auf Polizisten.

Die Randalierer errichteten brennende Barrikaden und demolierten Geschäfte. Die Polizei setzte Tränengas ein. Passanten und Weihnachtseinkäufer in der Innenstadt ergriffen verängstigt die Flucht. Das Stadtzentrum war später übersät mit umherliegenden Pflastersteinen und Marmorbrocken. In Saloniki demonstrierten rund 300 Menschen friedlich.

Zudem legte ein Streik Teile des öffentlichen Lebens lahm. Fluglotsen legten nach einem Aufruf des Gewerkschaftsverbands für drei Stunden die Arbeit nieder, Dutzende Flüge mussten annulliert werden oder waren verspätet. Staatliche Krankenhäuser konnten wegen eines 24-stündigen Ausstands nur mit Notbesetzung arbeiten.

In der Athener Innenstadt hatten etliche Ladeninhaber aus Angst vor neuen Ausschreitungen ihre Geschäfte geschlossen. Die Demonstration verlief aber zunächst friedlich. Erst in der Nähe des Parlamentsgebäudes lösten sich einige Demonstranten aus der Menge und griffen die Sicherheitskräfte an. Autos wurden umgestürzt, Mülleimer angezündet, es flogen Steine. Einige Demonstranten versuchten auch, den erst vor wenigen Tagen ersetzten Weihnachtsbaum in Brand zu setzen, der bei den Unruhen zerstört worden war.

Auslöser der teils gewaltsamen Aktionen war der Tod des 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos bei einem Polizeieinsatz am 6. Dezember. Angefacht wurden die Proteste außerdem durch die Unzufriedenheit mit der Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis. „Die Regierung hat keine Lösung für dieses Problem“, sagte Petros Constantinou, einer der Organisatoren der Proteste und Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei. „Wir werden weiter demonstrieren, bis unsere Forderungen gehört werden.“

Die Regierung rief zur Ruhe auf, nachdem am Mittwochabend ein weiterer Jugendlicher durch Schüsse verletzt worden war. Der Teenager wurde in der Nähe seiner Schule von einer Kugel in die Hand getroffen, sonst war über den Zwischenfall zunächst nichts bekannt. Der Junge sei glücklicherweise nur leicht verletzt worden, erklärte Innenminister Prokopis Pavlopoulos und kündigte Ermittlungen an.

Die andauernden Unruhen haben unterdessen zu einem dramatischen Rückgang des Tourismus nach Griechenland geführt. Vor allem in Athen waren Mitte Dezember die Hotels fast leer. Aus diesem Grund kündigte der griechische Ministerpräsident Kostas Karamanlis Maßnahmen zur Unterstützung dieses für Griechenland wichtigen Wirtschaftsbereiches an. Unter anderem sollen Hotels mit günstigen Krediten und mit Steuererleichterungen unterstützt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%