Proteste
Festnahmen bei „Occupy“-Demo in London und Madrid

Die „Occupy“-Bewegung hat an Schwung verloren, doch viele Bürger protestieren weiterhin gegen Bankenrettung und Finanzwelt. In Madrid räumte die Polizei einen Platz - landesweit gingen 72.000 Spanier auf die Straße.
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LondonNach Ausschreitungen bei einem Protestmarsch der kapitalismuskritischen „Occupy“-Bewegung in London hat die Polizei elf Menschen festgenommen. Insgesamt demonstrierten am Samstag rund 300 Menschen im Londoner Finanzdistrikt und vor der Börse und versuchten unter anderem, Zelte vor der Bank of England aufzuschlagen, wie die Polizei mitteilte. Mit dabei waren auch Mitglieder der spanischen Bewegung der „Empörten“.

Im Februar hatte die Polizei ein „Occupy“-Protestcamp vor der Londoner St. Paul's Kathedrale in der Nähe der Börse nach einem mehrere Wochen dauernden Gerichtsstreit geräumt. Anfang Mai hatten zwischen 50 und 100 Demonstranten erneut versucht, ein Zeltlager an der Börse zu errichten, fünf Menschen wurden festgenommen.

Auch in Spanien machten die Menschen ihrem Unmut Luft, auch hier gab es Festnahmen. In Madrid strömten am Samstagabend mindestens 30.000 Demonstranten auf dem Platz Puerta del Sol und kündigten an, bis Dienstag bleiben zu wollen. Die Behörden erklärten zuvor, Zeltlager über Nacht würden nicht erlaubt. Auch nach Verstreichen einer für Mitternacht gesetzten Frist verharrten die Kundgebungsteilnehmer auf dem Platz. Mehr als 2.000 Bereitschaftspolizisten standen in der Nacht bereit.

18 Anhänger der Bewegung 15. Mai wurden von der Polizei festgenommen. Eine Polizeisprecherin sagte, bei der Auflösung der Protestaktion auf dem Platz Puerta del Sol seien zwei Beamte verletzt worden. Bis zum Jahrestag der Protestbewegung am 15. Mai wollen die Demonstranten, die sich auch die Empörten nennen, Kundgebungen in mehreren Städten abhalten.

Weitere Protestmärsche gab es in Barcelona, wo 22.000 Menschen demonstrierten, sowie in Bilbao, Malaga und Sevilla. Dem spanischen Innenministerium zufolge protestierten landesweit 72.000 Menschen gegen die Sparpolitik der Regierung. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich indes weit mehr Menschen an der Protestaktion.

Die Demonstranten erinnern an den Beginn der Protestaktionen vor einem Jahr. Damals beteiligten sich Hunderttausende an den Demonstrationen, campierten auf öffentlichen Plätzen vieler Städte und inspirierten andere Aktivisten in Europa. "Wir sind hier, um den Jahrestag seit dem Beginn der Bewegung zu feiern", sagte eine Aktivistin in Madrid. "Obwohl wir einiges erreicht haben, ist die Lage jetzt viel schlimmer, also müssen wir weiter kämpfen."

Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone steckt wie Griechenland, Portugal und Irland im Teufelskreis aus stark steigenden Zinsen für das geliehene Geld und immer höheren Schulden. Bislang will die spanische Regierung die Krise ohne Hilfskredite der Euro-Partner überwinden. Die Finanzlage des Staates wird aber noch durch die Bankenkrise verschärft. Am Mittwoch hatte die Regierung in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Kontrolle über das Geldhaus Bankia übernommen, das erst vor zwei Jahren auf staatlichen Druck aus der Fusion schwächelnder Sparkassen entstanden war. Das Land leidet schwer unter den Nachwehen einer vor vier Jahren geplatzten Immobilienblase. Derzeit steckt es in einer zweiten Rezession nach 2009 und hat mit 24 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der Euro-Zone. Unter den jungen Leuten ist jeder Zweite ohne Stelle.

Zu den von der Regierung beschlossenen Sparmaßnahmen gehören auch Kürzungen im Gesundheits- und Bildungswesen, die bislang als unantastbar galten. „Wir müssen uns erheben und rufen: 'Es reicht!'“, forderte eine Mitarbeiterin des öffentlichen Dienstes. „Sie retten Banken, aber keine Menschen“, war auf einem Transparent zu lesen. Die Polizei hatte 2000 Beamte im Einsatz, um eine neuerliche Besetzung der Puerta del Sol zu verhindern.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • nicht mehr lange :-)
    .........und der Sturm wird gigantisch sein ;-)

  • Sind das nicht wieder schöne Bilder vom "Frieden und Wohlstand" der EU!

    Soviel Zufriedenheit in Europa wäre doch noch vor 10 Jahren ohne Euro undenkbar gewesen.

    Wie lange es wohl noch dauern wird, bis endlich auch in Deutschland 72.000 Menschen in Berlin lauthals ihre "Freude" über die massigfaltigen Segnungen der EU zum Ausdruck bringen werden?

    *Ironie aus

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