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Proteste gegen das Sparpaket: Straßenschlachten in Griechenland

Das Sparpaket ist bewilligt. Die griechische Regierung erklärte, welche schlimme Folgen eine Pleite hätte. Doch der Protest eskaliert, vermummte Demonstranten liefern sich Straßenkämpfe mit der Polizei.

Die Demonstranten greifen die Sicherheitskräfte mit Molotowcocktails an. Quelle: dapd
Die Demonstranten greifen die Sicherheitskräfte mit Molotowcocktails an. Quelle: dapd

Athen/BerlinWährend die Politiker im Athener Parlament über das neue Sparprogramm streiten, lodern im Zentrum der griechischen Hauptstadt überall Brände auf. Vermummte Anarchisten attackierten mit Brandbomben zahlreicher Gebäude. Geschäfte, Restaurants, Bankfilialen und Kinos gingen in Flammen auf.

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Am späten Sonntagabend wurden im Stadtzentrum mindestens 17 brennende Gebäude gemeldet. Vermummte Demonstranten versuchten, ein Hotel in der Amalias-Straße zu stürmen. Die Gäste, unter ihnen auch ausländische Touristen, erlebten in dem belagerten Gebäude lange Stunden der Angst.

Polizei und Feuerwehr schienen weitgehend machtlos. Im Stadtzentrum stoppten Chaoten ein Löschfahrzeug der Feuerwehr und prügelten die Besatzung in die Flucht. An den Ausschreitungen seien etwa 1000 bis 1500 militante, mit Brandflaschen und Schlagwerkzeugen bewaffnete Demonstranten beteiligt, sagte ein Polizeisprecher, der anonym bleiben wollte.

Augenzeugen berichteten von Plünderungen vieler Geschäfte. Vermummte Demonstranten attackierten mit schweren Vorschlaghämmern Schaufenster, die Panzerglasscheiben von Bankfilialen und Geldautomaten. An den Raubzügen beteiligten sich neben den Anarchisten nach Augenzeugenberichten auch hunderte illegale Migranten, die in Athen leben.

Bildergalerie Athens Innenstadt ist verwüstet

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Auf dem Athener Syntagmaplatz lieferten sich Chaoten Straßenschlachten mit der Polizei. Tränengasschwaden zogen durch das Zentrum der griechischen Hauptstadt. Der Feuerschein der brennenden Gebäude färbte den bewölkten Himmel blutrot. Nach Angaben des Rettungsdienstes wurden mindestens 80 Menschen verletzt, darunter 30 Polizisten. Im Laufe des Abends weiteten sich die Unruhen auf weitere Landesteile aus.

Schwere Ausschreitungen wurden aus dem nordgriechischen Thessaloniki und der westgriechischen Hafenstadt Patras gemeldet. Im mittelgriechischen Agrinio stürmten Anarchisten das Büro eine sozialistischen Abgeordneten und verwüsteten die Räume. Auch auf den Inseln Korfu und Kreta wurden die Büros von Parlamentsabgeordneten gestürmt und zerstört.

Der Regierung des parteilosen Ministerpräsidenten Lucas Papademos entgleitet die Kontrolle mehr und mehr. Der griechische Staat scheint sich im Zustand der Auflösung zu befinden. Der Minister für Bürgerschutz, der Sozialist Christos Papoutsis, geriet am Sonntagabend unter zunehmenden Druck. Rücktrittsforderungen wurden laut. Sein Ministerium und die Polizei wurden von den Unruhen offenbar völlig überrascht.

Die Ausschreitungen hatten am Rande von friedlichen Massenprotesten begonnen. Die Gewerkschaften sprachen von insgesamt 200.000 Demonstranten. Ein Polizeisprecher teilte mit, etwa 55.000 Demonstranten seien auf die Straße gegangen.

Der Griechenland-Fahrplan

  • 15. Februar

    Die Euro-Finanzminister wollen erneut über die Freigabe des 130-Milliarden-Hilfsprogramms entscheiden. Ein neues Hilfspaket muss nach einem Beschluss der Finanzminister von den Euro-Ländern auch auf nationaler Ebene abgesegnet werden. In Deutschland ist dafür der Bundestag zuständig - der allerdings am Freitag dieser Woche letztmals vor einer zweiwöchigen Sitzungspause zusammentritt. Deswegen müsste wahrscheinlich eine Sondersitzung abgehalten werden.

  • 17. Februar

    Athen soll den privaten Gläubigern ein offizielles Angebot für den Anleiheumtausch vorlegen, der den Schuldenberg Griechenlands um 100 Milliarden Euro reduzieren soll. Nach ursprünglicher Planung sollte das Angebot schon am Montag (13. Februar) vorgelegt werden.

  • 24. Februar

    Im Haushaltsausschuss des Bundestages soll das neue Griechenland-Hilfsprogramm gebilligt werden.

  • 27. Februar

    Der Bundestag entscheidet voraussichtlich über das neue Hilfspaket für Griechenland.

  • 1. und 2. März

    Der nächste EU-Gipfel ist angesetzt. Zu diesem Zeitpunkt soll Griechenland mit seinen privaten Gläubigern den Anleihenumtausch im Rahmen des Schuldenschnitts abgeschlossen haben. Das Thema Griechenland dürfte den Gipfel beherrschen.

  • 12./13. März

    Treffen der EU-Finanzminister und Euro-Gruppe in Brüssel

  • 20. März

    Das entscheidende Datum, an dem sich die bisherigen Bemühungen ausrichten: Am 20. März muss Griechenland Altschulden in Höhe von 14,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Hat das Land bis zu diesem Datum nicht die ersten Zahlungen aus dem neuen Hilfspaket erhalten, steht es vor der Pleite. Die Folge wäre wohl ein Austritt aus der Eurozone.

Griechenland droht ins Chaos abzustürzen. Die Bilder aus dem Athener Stadtzentrum zeigen bürgerkriegsähnliche Szenen. Unterdessen debattierten die Abgeordneten im Parlament über das neue Sparprogramm, das Griechenland neue Hilfskredite sichern und das Land vor den unmittelbar bevorstehenden Staatsbankrott retten soll. Die entscheidende Abstimmung sollte am frühen Montagmorgen stattfinden.

Etwa 30 Abgeordnete der Regierungsparteien hatten angekündigt, gegen das Programm votieren zu wollen. Beobachter erwarteten dennoch eine Mehrheit für das Sparpaket. Aber ob die Kreditgeber Griechenlands – die EU und der Internationale Währungsfonds -  angesichts der Bilder des Chaos bereit sein werden, weitere Hilfsgelder zu bewilligen, erschien am Sonntagabend zunehmend ungewiss.

  • 13.02.2012, 13:01 UhrAnonymer Benutzer: DasVolk

    Die Politik ist überrascht??? Für wie blöd halten diese Poltiker eigentlich das Volk, das noch mehr bezahlen soll für die Fehler der Banken.
    Das Volk hat recht, aber die 200.000 Demonstranten haben leider nicht viel bewirkt, weil das Häuflein elender Politker sich für weitere Sparmassnahmen beim kleinen Mann entschieden hat.
    Der darf jetzt die Rechnung der Banken- auch einige deutsche Banken- bezahlen .
    Es gibt wieder Kredit!! hurra schreien die Politiker (und Banken) und dafür bekommt das Volk weniger Geld und darf mal gleich noch mehr Steuern zahlen. Welchen Sinn macht es weiter Kredit zu gewähren, wenn auch dieser Kredit nicht zurückgezahlt werden kann, außer die Rettung der Banken die es aber nicht verdient haben.
    Nur die Pleite von Griechenland ist die einzige sinnvolle Rettung für das Griechische Volk und die Rückkehr zur Drachme.
    Wenn man kein Geld mehr hat und eine friedliche Demo nichts bringt ,muss das Volk auch zu radikalen Mitteln greifen und bei der Bank sich mal mit Gewalt Geld abholen und die Geschäfte plündern; oder soll man lieber verhungern?
    Es trifft zwar hier meistens auch die falschen, aber ohne Bürgerkrieg wird dieses System von Banken, Lobbyisten und Politikern nicht zu durchbrechen sein. Hier ist jetzt der Anfang, aber das Feuer wird sich ausbreiten!!

  • 13.02.2012, 10:19 Uhrtobi59

    @Goldmund,
    haben Sie sich eigendlich mal die Zinssätze der griechischen Staatsanleihen von vor 10 Jahren angeschaut?
    Die meisten privaten Investoren sind Banken, Versicherungen, Fons und diese Anleger investieren langfristig etwa 10, 20, 25 oder 30 Jahre, jetzt zu erzählen diese Investoren hätten an den hohen Zinsen verdient zeugt von Unwissenheit. Seit der Euro Einführung waren die Zinsätze überall sehr niedrig deshalb konnten sich diese Länder auch so hoch verschulden weil kein Risokoaufschlag für einen Staatsbankrott eingepreist war, heute sieht die Sache natürlich ganz anders aus, wer jetzt die Hohen Zinsen kassiert sollte in Zukunft auch für den Verlust gerade stehen.Im übrigen wo sollen denn die Versicherungen, Pensionfonds denn Ihr Geld anlegen um für die Kunden das Geld zu sichern, etwa auf einen Girokonto?

  • 13.02.2012, 00:26 UhrAnonymer Benutzer: PetriHEILinTimezNewRomanPkt12

    Neues aus dem senatH mit TH geschrieben! Ich habe da so eine Theorie die besagt die Insulaner haben längst auf flugBoote oder Hovercrafts umgestellt. Wer will schon fürs Katerfrühstück freitags Zeit auf dem Weg zum Angeln verlieren.

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