Proteste gegen französische Supermarktkette
Peking schickt die Konsumenten vor

Chinas Patrioten rufen zum Boykott auf: Weil protibetische Demonstranten in Paris den olympischen Fackellauf besonders intensiv gestört haben, kommt es seit einigen Tagen überall in China zu Protesten vor Supermärkten der französischen Carrefour-Kette. Auch deutsche Firmen sorgen sich bereits um ihr China-Image.

PEKING. Vor Chinas Supermärkten wehen häufig bunte Flaggen. Im Riesenreich der Konsumenten müssen sich Hersteller schließlich gut bemerkbar machen, sollen ihre Produkte in den Einkaufswagen landen. Doch derzeit sind es ganz besondere Fahnen, die vor dem Carrefour-Markt in Qingdao geschwenkt werden. Es geht nicht um Absatzwerbung. „Boykottiert Carrefour!“ steht da. Dazu plärrt ein Lied über das geliebte Mutterland aus einem Megafon.

Überall in China kommt es seit Tagen vor den Supermärkten der französischen Carrefour-Kette zu Protesten. Doch bislang sind andere Lieferländer nicht betroffen. Ob in Peking, Kunming oder in Schanghai, immer wird zwar gegen die „falsche Berichterstattung“ in den westlichen Medien über die Tibet-Krise protestiert.

Aber die Kampagne trifft bislang nur französische Marken. Denn in Paris war es pro-tibetischen Demonstranten gelungen, den olympischen Fackellauf besonders empfindlich zu stören. Seither sind an den anderen Stationen die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verschärft worden. Im indischen Delhi hatten die Organisatoren die ursprünglich neun Kilometer lange Strecke am Donnerstag drastisch zusammengekürzt.

In China werden die Störungen des Fackellaufs als Provokation verstanden: „Lassen wir am 1. Mai alle Carrefours in China links liegen“, wettert das Parteiorgan „Renmin Ribao“ auf seiner Webseite. Andere fordern per Textnachricht gleich ganze Boykottwochen, nämlich vom 8. bis 24. Mai. „Der Grund ist, dass Großaktionäre von Carrefour Geld an den Dalai Lama gespendet haben“, heißt es.

Inzwischen sind viele ausländische Firmen alarmiert: „Wir sind natürlich sehr besorgt über mögliche Boykottaufrufe“, sagte Jörg Wuttke, Präsident der EU-Handelskammer in Peking, dem Handelsblatt. „Aber die europäische Wirtschaft in China setzt auf Dialog und lehnt einen Boykott der Sommerspiele ab.“

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