Proteste gegen Islamvideo
Politik befürchtet Dauerkrise nach Massenprotesten

Die blutigen Proteste gegen den Anti-Islam-Film haben offenbar ihren Höhepunkt überschritten. Doch westliche Staaten bangen weiter um die Sicherheit ihrer Diplomaten. Nun zieht auch Deutschland Botschaftspersonal ab.

Washington/Istanbul/Bengasi/MontréalNach den gewalttätigen Protesten gegen einen anti-islamischen Schmähfilm wappnen sich die USA für weitere Unruhen in der arabischen Welt. Bis auf eine Notbesetzung wird in Tunesien und dem Sudan alles Personal aus den dortigen Botschaften abgezogen. Auch die deutsche Botschaft in Khartum trifft Vorkehrungen. Das Weiße Haus gehe davon aus, dass die gewaltsamen Proteste zu einer „anhaltenden Krise mit unvorhersehbaren diplomatischen und politischen Konsequenzen“ führen könnten, schrieb die „New York Times“ in ihrer Online-Ausgabe vom Samstag.

Deutschland verschärfte die Reisehinweise für den Sudan. Eine Außenamtssprecherin kündigte an, dass das Personal der deutschen Botschaft ausgedünnt und zusätzliche Sicherheitskräfte entsandt würden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte die sudanesische Regierung auf, den Schutz diplomatischer Einrichtungen zu gewährleisten. Die Botschaft, die am Freitag gestürmt worden war, ist derzeit geschlossen. Im ARD-„Bericht aus Berlin“ sagte Westerwelle am Sonntagabend, auch die Sicherheitsvorkehrungen in anderen betroffenen Ländern würden verschärft.

Westerwelle wertete die Angriffe auf die Botschaften als Taten von Extremisten. „Das sind zum Teil auch Terroristen, wenn ich an die Ermordung des amerikanischen Botschafters in Libyen denke“, ergänzte er. Sie seien jedoch nicht repräsentativ: „Die große Mehrheit der Menschen in der arabischen Welt hat sich auf den Weg gemacht in Richtung Demokratie, Rechtsstaat, auch Pluralität. Und wir sollten sie dabei unterstützen.“

Kanada hat aus Sicherheitsgründe am Sonntag seine Botschaften in Ägypten, Libyen und dem Sudan für einen Tag geschlossen. Dies geschehe zum Schutz des Botschaftspersonals, sagte ein Vertreter des kanadischen Außenministeriums am Sonntag.

Seit Tagen gibt es in der muslimischen Welt teils gewalttätige Proteste gegen einen in den USA offenbar von koptischen und evangelikalen Christen produzierten islamfeindlichen Amateurfilm. Dabei starben bislang mindestens 17 Menschen. Auch die deutsche Botschaft in der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurde angegriffen und angezündet.

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