Proteste gegen Regierungskampagne: Italien wird zu alt

Proteste gegen Regierungskampagne
Italien hadert mit der Fruchtbarkeit

  • 20

Italien wird zu alt

Und selbst Ministerin Lorenzins Chef, Premierminister Matteo Renzi, kommentierte ironisch, er kenne niemanden, der nur aufgrund eines Plakates ein Kind in die Welt setzen würde. „Ich wusste nichts davon, habe nichts gesehen. Wenn man aber eine Gesellschaft schaffen will, die auf die Zukunft wettet und wieder mehr Kinder bekommt, muss man bei den Strukturmaßnahmen anfangen”, meinte Renzi.

Damit hat er Recht. Denn aller Spott und alle Häme verbergen nicht einen bitterernsten Hintergrund: Italien ist ein altes Land. Das nationale Statistikamt Istat hat vorgerechnet: Das Durchschnittsalter liegt bei 44,7 Jahren und 2015 gab es mit 653.000 mehr Todesfälle als Geburten (488.000). Jede Italienerin bekommt im Durchschnitt 1,3 Kinder, möchte aber zwei haben, meldet Istat weiter. Das wahre Problem seien nicht die Frauen, die keine Kinder hätten, sondern ein System, das es ihnen nicht erlaube, kommentierte ein Nutzer in den sozialen Medien.

Zur demografischen Wandel in der Bevölkerung kommt aber noch ein anderes Problem: Die Arbeitslosigkeit ist trotz der Reformen immer noch hoch, vor allem bei den Jugendlichen. Außerdem gibt es in Italien, vor allem im Vergleich mit Deutschland, so gut wie keine Unterstützung und Anreize für Mütter aus der Politik. Von bezahlten Auszeiten für Eltern ist das Land noch weit entfernt. Verschärfend kommt hinzu, dass viele junge Leute keinen festen und oder nur befristete Arbeitsverträge haben und damit auch kein Anrecht auf Sozialleistungen. Zudem sind auch die Kita-Plätze so rar, dass die meisten Frauen nach dem ersten Kind einfach aufhören zu arbeiten. 

„Ich bin Ministerin und keine Fachfrau für Kommunikation, deshalb interessiert mich die Botschaft der Kampagne an sich”, sagte Beatrice Lorenzin zu ihrer Verteidigung. Und auch Matteo Renzi nahm sie in Schutz. „Nein, zurücktreten muss sie nicht“, sagte er am Abend im Fernsehen. Aber die Kampagne sei nicht gut kommuniziert worden, ab jetzt müssten alle Minister ihre Kampagnen mit ihm abstimmen. Das alleine wird die jungen Frauen und Männer, die gegen den „Fertility Day“ protestieren, nicht besänftigen. Denn auch ihnen geht es um Inhalte und konkrete politischen Maßnahmen, nicht die Parolen.  

Kommentare zu " Proteste gegen Regierungskampagne: Italien hadert mit der Fruchtbarkeit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Pfui, Rabatt ist richtig.

  • Sie könnten natürlich auch Beteiligungen an Institutionen wie das Daily Planet
    erwerben und sozusagen als steuerfreien Rabat ihre Bedürfnisse befriedigen lassen. Ansonsten kann man nur Abstand von den deutschen fetten Fress- Maschinen halten. Das Model Ralph ist auch zu empfehlen.

  • @Ciller Gurcae23.09.2016, 13:19 Uhr

    Immerhin negieren Sie nicht den Nutzen der Schrift.... :-) , denn sonst könnten Sie Ihr krudes Geschichtsbild nicht verbreiten.

    Ich habe noch etwas vergessen: Die Römer brachten auch brauchbare metallurgische Kenntnisse nach Germanien (die metallurgischen Kenntnisse der Germanen waren- gelinde gesagt- sehr armselig für die damalige Zeit.

    @Rudolf Ott23.09.2016, 13:22 Uhr

    Richtig.

    Einer der Heerführer war Hermann der Cherusker, der als germanisches Fürstenkind nach Rom als Geisel verschleppt wurde (die fürstlichen Geiseln unterworfener Völker dienten als Faustpfand, wurden aber wie römische Adlige behandelt und erzogen), und dort die Kenntnisse erwarb, die zum Sieg über die römischen erforderlich waren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%