Proteste gegen Schmähfilm
Westerwelle warnt deutsche Unternehmen

Der Bundesaußenminister sieht deutsche Firmen durch die Protestwelle in islamischen Ländern gefährdet. Eine neue Eskalation sei nicht ausgeschlossen. Auf den US-Filmemacher wurde in Pakistan ein Kopfgeld ausgesetzt.

PeshawarAngesichts der Unruhen in islamischen Ländern hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle deutsche Unternehmen zur Vorsicht gemahnt. „Wir raten unseren Landsleuten in den betroffenen Ländern in dieser Zeit zu besonderer Wachsamkeit“, sagte er der „Wirtschaftswoche“. Er sei überzeugt, dass die große Mehrheit der Muslime Gewalt ablehne. Doch sei nicht auszuschließen, dass radikale Kräfte weiterhin auf Eskalation setzten. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel sprach sich zugleich gegen eine Ausstrahlung des Mohammed-Films in Deutschland aus. „So einen Film darf man nicht zeigen. Wir sollten nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen“, sagte der FDP-Politiker der „Bild“-Zeitung.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich lehnte derweil schärfere Gesetze im Zusammenhang mit dem Film ab. „Ich bin dagegen, dass wir bei jeder konkreten Situation mit Strafrechtsverschärfungen und mit Gesetzesänderungen antworten“, sagte der CSU-Politiker am Sonntag im Deutschlandfunk. Friedrich zufolge ist das Video, in dem der Prophet Mohammed als blutrünstig sowie als Schürzenjäger und Homosexueller dargestellt wird, durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Auch am Wochenende zogen wieder Tausende Menschen in mehreren Ländern auf die Straßen. In Bangladesch kam es am Samstag zu Zusammenstößen zwischen Islamisten und der Polizei. In der größten nordnigerianischen Stadt Kano verbrannten Muslime eine US-Fahne, der Protest blieb aber friedlich - wie auch in Dortmund und Karlsruhe. In Athen forderten am Sonntag Hunderte Muslime eine Bestrafung derjenigen, die Mohammed verspottet hätten. Einige Teilnehmer der ersten Demonstration dieser Art in Griechenland bewarfen Polizisten mit Flaschen. Die Einsatzkräfte wehrten sich mit Tränengas.

Ein pakistanischer Minister setzte derweil ein Kopfgeld zur Ermordung des Mohammed-Schmähfilm-Produzenten aus. „Ich verkünde heute, dass ich mit 100.000 Dollar denjenigen belohnen werde, der diesen Gotteslästerer, diesen Sünder, der unsinnig über den heiligen Propheten gesprochen hat, ermordet“, sagte Eisenbahn-Minister Ghulam Ahmad Bilour am Samstag auf einer Pressekonferenz zum Applaus Anwesender. Er rief die radikal-islamischen Taliban und Al-Kaida dazu auf, sich ihm „in dieser gesegneten Mission“ anzuschließen. Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf distanzierte sich umgehend.

Hinter dem im Internet verbreiteten, 13-minütigen amateurhaften Film soll ein 55-Jähriger aus Kalifornien stecken. Seit Auftauchen des Videos kam es in zahlreichen Ländern zu teils gewaltsamen Protesten, mehrere Menschen wurden dabei getötet. Der Mordaufruf zeigte, dass die Wut über den Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, noch längst nicht nachlässt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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