Proteste gegen Umweltverschmutzung
Chinesische Behörden versprechen Schließung von Chemiefabriken

Bei Protesten gegen Umweltverschmutzung in China hat es angeblich ein Todesopfer gegeben. Die Polizei schlug Demonstrationen gewaltsam nieder, die Behörden versprachen allerdings die Schließung mehrerer Chemiefabriken.
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PekingNach gewaltsamen Protesten gegen Umweltverschmutzung haben Behördenvertreter im Norden Chinas die vorübergehende Schließung mehrerer Chemiefabriken versprochen. Am Wochenende hatten rund 2000 Polizisten Schlagstöcke und Tränengas gegen die Demonstranten eingesetzt, wobei nach Angaben des Informationszentrums für Menschenrechte in der südlichen Mongolei (IMSM) von Montag mindestens ein Mensch getötet und rund 50 weitere festgenommen wurden.

Die Demonstranten im Naiman-Banner, einem Verwaltungsbezirk in der autonomen Region Innere Mongolei, warfen den Raffineriebetreibern vor, Schadstoffe in die umliegende Steppe abzuleiten und so die Lebensgrundlage örtlicher Viehzüchter zu gefährden. „Gebt uns unser sauberes Wasser und unseren blauen Himmel zurück“, forderten die Demonstranten auf Plakaten laut Fotos im Internet. Diese zeigten zudem ein umgestürztes Polizeifahrzeug und Ordnungskräfte in Kampfmontur.

Wie das IMSM weiter mitteilte, setzte die Polizei auch Gummigeschosse ein, wodurch an die hundert Menschen verletzt wurden. Ein Regierungsvertreter des Naiman-Banner sagte hingegen, er habe von einem Todesopfer „nichts gehört“. Der Protest sei jetzt beendet. Die Behörden teilten im Internet mit, dass die Fabriken vorerst ihren Betrieb einstellen würden – allerdings wurden derartige offizielle Ankündigungen in anderen Fällen nicht immer umgesetzt.

In China hat die Zahl großer und teils gewaltsamer Demonstrationen gegen Umweltverschmutzung in den vergangenen Jahren zugenommen. Das rasante Wirtschaftswachstum des Landes findet vielerorts auf Kosten der Natur statt, was gerade die stark gewachsene Mittelschicht zusehends nicht mehr hinzunehmen bereit ist. Durch die stärkere Verbreitung sozialer Netzwerke in China steigt der Organisationsgrad und die Häufigkeit derartiger Demonstrationen weiter an.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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