Proteste in Ägypten

Millionen gegen Mursi

„Mehrere Millionen“ Gegner des ägyptischen Präsidenten Mursi fordern am Jahrestag seines Amtsantritts seinen Abgang. Im ganzen Land wird demonstriert, es kam zu gewaltsamen Zwischenfällen.
Update: 30.06.2013 - 21:36 Uhr 9 Kommentare

Ägypter bereiten sich auf Großdemonstrationen vor

Istanbul/KairoHunderttausende Ägypter sind am Sonntagabend auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der Hauptstadt Kairo zusammengekommen, um Präsident Mohammed Mursi zum Rücktritt zu bewegen. Auch in anderen Städten strömten tausende Menschen am ersten Jahrestag von Mursis Amtsübernahme auf die Straßen. Die Armee ging von „mehreren Millionen“ Demonstranten aus. Mursi betonte unterdessen, an seinem Amt festhalten zu wollen. Zugleich bot er erneut an, die ägyptische Verfassung zu überarbeiten.

„Die Menschen wollen den Sturz des Regimes“, riefen die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz, der bereits das Zentrum des Aufstands von 2011 war, und schwenkten dabei Nationalflaggen. Nach Büroschluss und mit nachlassenden Temperaturen schlossen sich immer mehr Menschen den Kundgebungen auf den ansonsten verlassenen Straßen der Hauptstadt an. Bereits im Vorfeld waren schwere Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anhängern des Islamisten Mursi befürchtet worden.

Staatschef Mohammed Mursi hat seinen Willen zur Gesprächsbereitschaft betont. Der Dialog sei der „einzige Weg, über den wir eine Einigung erzielen können“, sagte Mursis Sprecher Ehab Fahmi am Sonntag vor Journalisten. „Die Präsidentschaft ist offen für einen wirklichen und ernsthaften nationalen Dialog.“

Am Abend wurden aus mehreren Städten gewaltsame Zwischenfälle gemeldet. Unbestätigt blieb zunächst ein Bericht über einen Toten nach einem Angriff auf Demonstranten in der Stadt Bani Sueif.

Mehrere Demonstrationszüge zogen am frühen Abend zum Präsidentenpalast in Kairo. Oppositionsaktivisten kündigten an, dortbleiben zu wollen, bis Mursi zurücktrete. Wenige Kilometer von den Protestierenden entfernt versammelten sich im Kairoer Vorort Nasr-City Zehntausende Anhänger der islamistischen Parteien, um ihre Solidarität mit Mursi zu bekunden. Einige von ihnen trugen Stöcke und Helme bei sich.

Nach Angaben lokaler Medien wurden mehrere Büros der Muslimbruderschaft mit Brandsätzen angegriffen, unter anderem im Kairoer Stadtteil Mokattam sowie in den Provinzen im Nil-Delta Scharkija und Dakahlija. In Bani Sueif soll ein Demonstrant von Unbekannten angegriffen und getötet worden sein. Die Zeitung „Al-Ahram“ berichtete online, dass offenbar auf die Mursi-Gegner gefeuert wurde. In Alexandria klagten mehrere Demonstranten über Vergiftungserscheinungen, nachdem sie von Unbekannten am Straßenrand umsonst Flaschen mit Wasser und Limonade erhalten hatten. Medien berichteten zudem, bei Gewalt zwischen Islamisten und Regierungsgegnern in der Stadt Al-Mansura seien 17 Menschen verletzt worden.

In einem südlichen Kairoer Stadtteil explodierte ein selbst gebauter Sprengsatz. Das Innenministerium erklärte, es seien zuletzt zahlreiche Gewehre beschlagnahmt worden.


Furcht vor Gewalt und Zerstörung
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9 Kommentare zu "Proteste in Ägypten: Millionen gegen Mursi"

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  • Auch die AFD ist eben überhaupt keine Alternative für Deutschland, im Gegenteil.

    Mit der AFD wählen wir genau denselben Beamtenklüngel, wie er in jeder anderen Partei bereits seit Jahren existiert. ALLE politischen Parteien sind doch in der BRD von der BEAMTENMAFIA unterwandert: CDU/CSU/FDP/SPD/GRUENE/LINKE/PIRATEN/AFD alle werden bis in ihre Führungsspitze von Beamten gesteuert und kontrolliert.

    Die Beamtenmafia hat es geschafft, dass in der BRD - und nunmehr auch in der EU - eine Beamtendiktatur errichtet wurde, die nur noch Eigeninteressen am Willen der Wähler vorbei vertritt.

    Durch Wahlen werden wir diese Beamtendiktatur nicht mehr los. Das System hat eben einen gravierenden Geburtsfehler.

    Würde die Zahl der Beamten im Bundestag auf ihren Anteil an der Bevölkerung reduziert, könnten wir mehr als drei Viertel dieser Politschwätzer und Schmarotzer, die zu echter Arbeit in der Wirtschaft unfähig und zu faul sind, nachhause schicken.

    Wahlen sind also keine Alternative mehr zur politischen Willensbekundung.

    Es bleibt nur noch der aktive PROTEST gegen das gesamte SYSTEM in Berlin am Pariser-Platz beim Brandenburger Tor wie jetzt am Tahrir-Platz in Kairo und damals in Leipzig in der DDR.

  • Bla, bla... am Ende gibt's ein bisschen Tränengas, ein paar Tote und alles bleibt wie bisher. Ägypten ist für die USA ein wichtiger Satellitenstaat, der zudem über eine äusserst moderne und grosse Panzerarmee verfügt. Im Grunde sind das rund 1'600 Abraham Fahrlafetten mit Leopard II Kanonen von Rheinmetall. Im Grunde geht es darum die Ägypter ruhig zu stellen, damit der Herrscher-Clan in Saudi-Arabien fest im Sattel bleibt, solange die Saudis noch 12 Mio. Fass Erdöl pro Tag liefern können. Das Assad Regime in Syrien muss fallen, damit man die Invasion im Iran vorbereiten kann und es beim ein Angriff der US Streitkräfte dem Verbündeten Syrien nicht möglich ist der Koalition der Willigen in den Rücken zu fallen. Der Irak und der Iran besitzen noch die grössten unerschlossenen Erdölvorkommen und gehören zu den wenigen Länder, die den Peak Oil noch nicht erreicht haben.

  • Das Unterdrücken der Frauen hat ja die Regierung bewundernswert geschafft, mit großer Zustimmung der männlichen Bevölkerung.
    Leider hat es aber die "Revolution" nicht hingekriegt, aus jedem Ägypter-ohne Arbeit- einen Millionär zu machen. Auch das Turistenabzocken geht mangels derer nicht mehr so. Raubüberfälle werden somit auch weniger.


    Nun muss natürlich eine neue Regierung her. Wahlversprechen, Millionär ohne Arbeit, Frauen schlagen erwünscht!
    Ayggc5

  • Ja, Demokratie ist etwas schwieriges. Die Mehrheit wählt nicht immer so wie die Minderheit es sich wünscht.

    Das zu akzeptieren bedarf Toleranz - etwas das heute praktisch abgeschafft ist.
    siehe auch die Asylanten in München. Sie wollen Recht und Gesetz - aber nur solange es zu ihren Gunsten ist.

    Eine Einstellung, die schon längst Schule gemacht hat - in jedem Bereich und auf jeder Ebene!

  • Die mündigen Bürger werden bei uns gerade wieder abgeschafft.
    Scheint sich aber Schwieriger zu gestalten als gedacht.

  • Dazu sollte man sich dieses hier anschauen
    http://www.derwesten.de/politik/pakistans-jugend-will-laut-einer-britischen-studie-lieber-diktatur-als-demokratie-id7795339.html

    oder die Stimmen tunesischer Frauen die mittlerweile
    verstummt sind
    Sinngemäss sagten sie: nach der Revolution ist wie vor der Revolution - oder gar schlimmer. Frauen werden immer noch unterdrückt. Früher, unter Diktator Ben Ali, war das Tragen von Burkas verboten. Nun sieht man sehr viele vermummte Frauen. Islamisten stecken Frauen in dieses Gefängnis.

    Auch in Ägypten macht sich diese schmerzhafte Entwicklung immer stärker bemerkbar. Islamisten sind auf dem Vormarsch. Die erste Garde der Revolutionsaktivisten ist viel zu schwach und zerstritten.Sie kann den Extremisten nicht Paroli bieten.

    Wie sieht es denn heute in Libyen aus:
    http://www.dw.de/libyens-regierung-und-die-macht-der-milizen/a-16878523

    Dem Assad wünsche ich Erfolg,diese mordend durchs
    Land marodierenden islamistischen Söldner zu vernichten.
    Der Aufbau wird jahrzehnte dauern,so groß ist die
    Zerstörung.





  • Manche lernen es nicht, oder wollen es nicht sehen. Die Demokratie erfordert mündige Bürger. Länder in denen die mündigen Bürger in der Minderheit sind sind demokratieuntauglich.
    Sehen wir sie doch an die Länder in Südamerika, Afrika und dem islamischen Raum, die demokratisch werden "sollten". Sie bekamen in der Regel schlimmere Diktaturen als sie vorher hatten!

  • Was dort derzeit passiert ist meinem Empfinden nach ein sogenanntes nach justieren des Arabischen Frühlings von Seiten des so genannten friedlichen Westens.

    Man muss einfach sehen, dass die letzten Wahlen nicht jene an die Mach gebracht haben die dem Westen genehm sind.
    Was bleibt da anderes übrig, als nach zu justieren, solange eben, bis das Ergebnis stimmt.
    Es soll ja doch endlich dieser Arabischer Staat, nach dem dieser sich vorläufig aus dem Einfluss Gebiet entfernt hat, wieder zurück in den Schoß der Glückseligen geführt werden in dem Milch und Honig fließen, wo die Leute in der Zinssklaverei die die angenehmen Seiten des Westen erfahren dürfen.
    Nämlich schuften bis zum Umfallen für wenige Reiche.
    Das alles in einer scheinbar lupenreinen demokratischen Umgebung.

  • Dieser Erfolg der westlichen Demokratie in Aegypten ist beeindruckend. Das naechste Meister-Stueck, das unser dekadenter Westen vorbereitet, ist Syrien.

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