Proteste in Bangkok
„So etwas gibt es nur in Thailand“

Tränengas, Steinewerfer und geschlossene Gebäude auf der einen, geöffnete Tempel und Läden sowie Feiern zum Geburtstag des Königs auf der anderen Seite: Ein Streifzug durch ein Bangkok zwischen Aufstand und Alltag.
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BangkokÜber die letzten Tage erreichten mich in Bangkok nicht wenige besorgte Nachrichten aus aller Welt: „Bist du wohlauf?“, „Kannst du überhaupt aus deiner Wohnung heraus?“, „Das muss ja ein furchtbares Chaos sein, in dem Bangkok versinkt!“.

Wenn ich jedoch von meinem Balkon in die Nachbarschaft nahe des Wat Arun Tempels südlich des Chao Praya-Flusses schaue, sehe ich weder Tränengasschwaden, noch höre ich Trillerpfeifen oder sehe aufgebrachte, Steine werfende Demonstranten. Vielmehr erlebe ich geöffnete Geschäfte, friedliche Tempel und ansonsten das alltägliche Gewusel meiner Thai-Nachbarn. Auch ein Besuch im Einkaufsviertel ist problemlos möglich: Die öffentliche Hochbahn, der sogenannte „Skytrain“, fährt ohne Einschränkungen, alle Restaurants und Einkaufszentren sind geöffnet und teils weihnachtlich geschmückt.

Die Stimmung unter Touristen und dem Verkaufspersonal wirkt gelassen. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, in Bangkok laufe alles seinen gewohnten Gang. Auch gehen meine Kommilitonen normal ihrer täglichen Arbeit nach. „Einschränkungen meiner Arbeit gibt es bisher praktisch keine“, sagt mir ein befreundeter Produktionsingenieur.

Wären wir auf dem Uni-Campus und würden auf die Umgebung dort schauen, sähe die Lage etwas anders aus. Meine Uni, die Thammasat University, hat vorsorglich den Campus geschlossen und Kurse größtenteils abgesagt oder in Hotels verlegt.

Die Lage im Regierungsviertel, unweit der Uni und der populären Touristengegend um die legendäre Khao San Road, verschärfte sich über das Wochenende immer weiter und spitzte sich am Montag zu. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Unruhen ging die Polizei erstmals mit Gummigeschossen und Tränengas gegen Demonstranten vor, die versuchten, die Barrikaden aus Stacheldraht und Betonsperren zu überwinden und weitere Regierungsgebäude einzunehmen.

Wann der Unibetrieb wieder normal laufen soll, steht noch nicht fest. Vorerst sind für diese Woche alle Veranstaltungen abgesagt, denn es ist nicht klar, wie sich die politische Lage weiter entwickelt. „Ich halte die momentane Gesamtsituation für enorm konfus. Erst startete die Opposition mit Protesten gegen das Amnestiegesetz und jetzt umfassen die Proteste alles auf einmal.

Es scheint so, als wolle man nun wirklich alle Verbindungen zum dem im Exil lebenden früheren Regierungschef Thaksin auflösen. Ich sehe auch kein Licht am Ende des Tunnels“, sagt mir ein thailändischer Kommilitone. „Wie es von nun an weiter geht? Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung“, sagte ein anderer. Eine meiner Dozentinnen sieht das pessimistischer: „Die Dinge können unschön werden. Das stimmt mich wirklich traurig“ schreibt sie mir auf Facebook im Hinblick auf die Fernsehaufnahmen von den Montagsunruhen.

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Unklar ist bislang, auf welcher Seite das Militär steht

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