Proteste in der Türkei
Keine Ruhe in Istanbul

Erneut haben Zehntausende in Istanbul gegen die türkische Regierung demonstriert. Aus friedlichen Protesten wurde in der Nacht teilweise wieder eine Schlacht mit der Polizei. Es ist die sechste Protestnacht in Folge.
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IstanbulIn Istanbul ist es auch in der Nacht zum Mittwoch wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Regierungsgegnern und der türkischen Polizei gekommen. Als eine Gruppe von Demonstranten nach einer friedlichen Kundgebung auf dem zentralen Taksim-Platz in den Stadtteil Besiktas gezogen sei, habe die Polizei sie mit Hilfe von Wasserwerfern und Tränengas gestoppt, meldete der Nachrichtensender NTV. In Besiktas befindet sich auch das Istanbuler Büro von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. „Regierung, Rücktritt“, forderten die Demonstranten.

Auf dem Taksim-Platz hatten zuvor Zehntausende friedlich gegen die Regierung protestiert. Nach Angaben von Augenzeugen herrschte Feierstimmung. Viele Menschen hätten selbstgemalte Plakate, auf denen sie Erdogan und seine islamisch-konservative Partei kritisierten oder veralberten, gezeigt. Die Polizei habe sich zurückgehalten.

Zusammenstöße wurden in der Nacht auch aus anderen Städten gemeldet. Aktivisten und türkische Medien berichteten, in der östlichen Stadt Tunceli habe die Polizei sich schwere Straßenkämpfe mit Demonstranten geliefert. Die Polizei habe Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt.

Der Sender CNN Türk berichtete, in Izmir habe die Polizei 16 Menschen wegen im Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteter Nachrichten in ihren Wohnungen festgenommen. Die Onlineausgabe der Zeitung „Zaman Today“ berichtete zudem, dass in Ankara ein Iraner festgenommen worden sei, der verdächtigt werde, zu Protesten aufgestachelt zu haben.

Am Dienstag, dem fünftem Tag der landesweiten Protestwelle, hatte sich die türkische Regierung erstmals um Deeskalation bemüht. Vizeregierungschef Bülent Arinc entschuldigte sich nach einem Treffen mit Staatspräsident Abdullah Gül für die Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten im Istanbuler Gezi-Park. An diesem Einsatz hatten sich die Proteste entzündet, bei denen bisher mindestens zwei Menschen getötet mehr als 2300 weitere verletzt wurden.

Inzwischen richten sich die Demonstranten vor allem gegen den als immer autoritärer empfundenen Kurs Erdogans, der Extremisten für die Demonstrationen verantwortlich gemacht hatte. Vize-Regierungschef Arinc warnte, die Protestierer sollten sich nicht mit illegalen Gruppen einlassen. Am heutigen Mittwoch will Arinc mit Vertretern der Demonstranten zusammenkommen, wie der Sender CNN Türk berichtete.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sieht in der Protestwelle in der Türkei eine Bewährungsprobe für Erdogan. „Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem die türkische Regierung beweisen kann und muss, dass sie es mit der Modernisierung der Türkei ernst meint“, sagte Westerwelle am Dienstag in Berlin.

Die Proteste zeigten, dass es dort „in zunehmendem Maße eine lebendige Zivilgesellschaft gibt“, die ihre Stimme erhebe und ihre Rechte einfordere. Eine erfolgreiche und moderne Türkei sollte sich „auch durch das gelebte Bekenntnis zu Pluralismus und Bürgerrechten beweisen“ und nicht nur durch wirtschaftliche Dynamik glänzen.

Der Vizepräsident der USA, Joe Biden, hatte sich am Dienstag besorgt über die Massenproteste in der Türkei geäußert. An der Jahreskonferenz des Amerikanisch-Türkischen Rats in Washington, sagte er, die USA unterstützten Versammlungsfreiheit, Pressefreiheit und Gewaltfreiheit von Regierung und Demonstranten.

Die Türkei müsse nicht zwischen Demokratie und wirtschaftlichem Fortschritt entscheiden. Die Lösung des derzeitigen Konflikts sei allein Sache des türkischen Volkes, betonte Biden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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  • But we´re not done yet, what about his dog ?

    I mean, can a dog be a Nazi ?

    Now some people call Nazis dogs, but thats not the same thing so we´ll have to look at the facts one by one.

    First of all, Snoopy is brown... with the exception of a few white spots that are not going to help him any more than Charlie Browns black tie helped him.

    He´been seen raising his right paw, but not while standing on his hind legs so we´ll give him the benefit of doubt on this one.

    But what really gives him away is the fact that he´s a racist. That´s right, a down to the bone marrow racist.

    He hates cats and will go after them any chance he gets. So that makes him outright aggressive and violent on top of his right wing political attitude.

    Maybe even capable of murder...if he ever caught one of those cats which is not too likely because of his belly that nearly drags the floor.

    That makes Snoopy a real threat to the community. A brazen Nazi who goes after his unsuspecting victims in broad daylight with murder on his mind...

    Wow, lucky we got him in time...

    Put him in the dog pound for life, locked away for the good of mankind.

    Did we forget anything ?

    Yes, the most important thing.

    Charly Brown and Snoopy actually formed a terrorist cell with mastermind Charly doing the planning and Snoopy intending to do the ugly part.

    We can prove that.

    Charly would always walk the same route were he knew there would be cats on the way and it is by pure coincidence and Snoopy´s lack of physical condition that all escaped unhurt.

    So here we have it, the HB censor uncovered a murderous Nazi terrorist cell and just in time.

    So sleep tight, all is safe now.

    And don´t worry about that noise, it´s just the grass growing.

  • As Charlie Brown put it, nothing takes the taste out of peanut butter quite like unrequited love.

    With the general state of paranoia and mortal lack of humor that seems to have come over the HB like a dark an eerie night, even poor Charlie Brown would find himself a victim of censorship these days.

    First, the HB censor would question the political correctness of his last name.

    Brown...

    What does that tell us, brown...

    Well there used to be a guy that liked brown shirts, had a girlfriend with the name of brown, and a guy running his war effort also named brown. He was a monster, but don´t forget a human monster. He did did not come from Mars, he was one of us.

    Now be honest, maybe you and I have felt a little like him sometime...

    For example when we are in the bathroom, taking a crap, the brown masses below us...

    There we go again, brown...

    Did your mother ever tell you not to play with brown things ?

    Getting back to Charlie, how can someone with a name like that keep it ?

    He could have changed it any time to black or red or green or even yellow.

    That can´t be a coincidence can it ?

    A right wing political attitude is the only possible explanation for this.

    And...looking thru the cartoons we find him wearing a brown...boy scouts uniform and raising his right arm to greet his friends on top of that.

    The black tie he is wearing in the picture isn´t going to help him out of this one...

    That makes Charlie Brown a Nazi clear as daylight.

    So the first step in keeping the general public safe would be to burn the cartoons in a big bonfire. Germans like that, bonfires I mean...

    And after that we´ll declare the boy scouts to be a right wing youth organization, making them illegal as hell. To top it off, anyone caught wearing a baseball cap can be put in jail for thirty days without a charge.

    Now that we have made the world a safer place, we can start to feel good about ourselves.

  • DIE ETABLIERTEN PARTEIEN WAREN UND SIND UNTERSTÜTZER ERDOGANS


    Es ist nur recht und billig wenn die etablierten Parteien den Volkszirn der Türken abbekommen. Unsere Berufs-Islam-Hofierer der Partei CDU-SPD-FDP-Grüne-Linke haben Erdogan als auch seine politische islamisch-konservative Ideologie Jahrelang aktiv unterstützt- erst in den letzen Jahren nach zahllosen Vergehen gegen die Demokratie, Frauenrechte und ständiger Hetztiraden gegen indigene Minderheiten wurde die Unterstützung zumindest für die Person Erdogans verhaltener.

    Trotzdem fuhren sie damit fort und werden auch damit weitermachen uns mit der “Islam gehört zu Deutschland” zuzumüllen und uns erklären, was die Türkei für ein wichtiger “Partner” sei. Davon werden sie sich auch von den Zehntausenden Türkei-Flüchtlingen nicht abhalten lassen, die wir hier vor der Türkei beschützen müssen.


    P





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