Proteste in der Ukraine
Polizei und Regierungsgegner prallen aufeinander

Bei einer Demo Hunderttausender Regierungsgegner ist es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Polizisten gingen mit Tränengas und Knüppel gegen die Demonstranten vor – auf beiden Seiten gab es zahlreiche Verletzte.
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KiewIn der ukrainischen Hauptstadt Kiew hat die Polizei am Sonntag Tränengas, Knüppel und Blendgranaten eingesetzt, um Demonstranten vom Sturm auf das Präsidentenbüro abzuhalten. Augenzeugen berichteten von Dutzenden Menschen, die offensichtlich mit Kopfverletzungen in Krankenwagen abtransportiert wurden.

Zuvor waren rund 100.000 Menschen trotz eines Demonstrationsverbots auf den Unabhängigkeitsplatz im Zentrum geströmt, um gegen die Abkehr der ukrainischen Regierung von Europa zu demonstrieren. Mehrere tausend Menschen sonderten sich von der Demonstration ab und versuchten das Regierungsgebäude zu stürmen, in dem das Präsidentenbüro untergebracht ist. Rund hundert Beamte hätten bei den Zusammenstößen mit den Demonstranten in Kiew Verletzungen davongetragen, sagte eine Polizeisprecherin.

Das ukrainische Innenministerium hatte einen harten Kurs gegenüber den Demonstranten angekündigt. Die Polizei werde nicht zulassen, dass die Ukraine zu einem Land wie Libyen oder Tunesien werde, wo Volksaufstände Regierungen zu Fall brachten, hieß es.

Zuvor hatte die ukrainische Opposition um Boxweltmeister Vitali Klitschko vor weit mehr als 100.000 Demonstranten weitere Proteste bis zu einem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch angekündigt. Auf der Liste der Forderungen stehe auch der Rücktritt von Regierungschef Nikolai Asarow, „der den europäischen Traum der Ukraine zerstört hat“. Das sagte Arseni Jazenjuk von der Partei der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko am Sonntag auf dem Unabhängigkeitsplatz. Er verlangte vorgezogene Präsidenten- und Parlamentswahlen.

„Wir werden hierbleiben, bis unsere Forderungen erfüllt werden: Rücktritt der Regierung Nikolai Asarow, Rücktritt des Präsidenten“, sagte Klitschko. „Ich rufe jeden dazu auf, heute auf dem Platz zu bleiben“. Zugleich verurteilte der 42-Jährige die Ausschreitungen Hunderter zum Teil vermummter Jugendlicher am Rande der Demonstration. „Der Sturm des Präsidentensitzes ist eine Provokation der Regierung, um die friedliche Aktion auf dem Unabhängigkeitsplatz zu diskreditieren“, sagte Klitschko.

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Fahnenmeer in Blau und Gold

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  • Bis zuletzt hatte Putin sauber, effizient und präzise gearbeitet und jetzt so eine Dummheit die man gerade mal Bush Junior zutrauen würde.

    Es war in den letzen Wochen schon zu beobachten das der Mann ein bisschen an Bodenhaftung verlor, was wohl an seinen jüngsten erfolgen in der Syrien Politik und
    dem Snowden Coup lag.

    Aber jetzt so etwas...

    Schade, wirklich schade.

  • Die armen Narren meinen dass sie in der EU besser aufgehoben wären. Ihre Problem wird auch die EU nichtlösen. Da hilft nur noch eins: Russland muss jetzt und sofort die Hähne der Gaspipelines abdrehen. Da wird die EU aber dumm gucken. Und die Ukrainer mit ihr.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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