Proteste in der Ukraine
Rauchwolken über Kiew

Angespannte Lage in Kiew: Nach den tödlichen Schüssen vom Mittwoch gab es in der ukrainischen Hauptstadt vereinzelte Zusammenstöße zwischen der Opposition und Sicherheitskräften. Jetzt meldet sich Gorbatschow zu Wort.
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Kiew/ MoskauVor neuen Krisengesprächen der prorussischen ukrainischen Führung mit der Opposition hat sich die Lage in Kiew etwas beruhigt. Über dem Protestlager im Stadtzentrum lag am Donnerstag schwarzer Rauch von brennenden Autoreifen. Bei minus 15 Grad Celsius harrten weiter Tausende Demonstranten auf dem zentralen Unabhängigkeitsplatz Maidan aus. Vereinzelt bewarfen sie die Polizei mit Steinen. Die Uniformierten feuerten Blendgranaten und Tränengas in die Reihen der Regierungsgegner.
Nach dem Tod mehrerer Demonstranten sucht die Opposition jetzt die Entscheidung: Sie forderte Präsident Viktor Janukowitsch ultimativ auf, bis zum Abend Neuwahlen anzukündigen. Andernfalls müsse er mit einer weiteren Eskalation rechnen.

Die wochenlang weitgehend friedlichen Proteste gegen Janukowitsch waren am Wochenende nach einer Verschärfung der Demonstrationsgesetze in Gewalt umgeschlagen. Am Mittwoch waren nach Angaben der Opposition fünf Menschen ums Leben gekommen. Die ukrainische Staatsanwaltschaft hatte eingeräumt, dass zwei Menschen mit scharfer Munition erschossen worden waren. Nach Angaben des Innenministeriums wurden zudem 70 Demonstranten festgenommen.

Die Europäische Union verurteilte die Gewalt und erklärte, man erwäge Maßnahmen gegen die ukrainische Regierung. Die USA reagierten auf die Zwischenfälle, indem sie Visa für einige ukrainische Regierungsvertreter widerriefen. Washington kritisierte aber auch die Aggression rechtsextremistischer radikaler Demonstranten.

Der Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow hat sich für den US-Präsidenten Barack Obama und den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Vermittler im ukrainischen Machtkampf ausgesprochen. „Ich bitte Sie, eine Möglichkeit zu finden und einen entschlossenen Schritt zu tun, um der Ukraine zu helfen, auf den friedlichen Weg der Entwicklung zurückzukehren. Ich hoffe sehr auf Sie“, sagte Gorbatschow am Donnerstag.

„Es darf nicht zugelassen werden, dass Ukrainer gegen Ukrainer kämpfen“, sagte der frühere Präsident der Sowjetunion einer von der Agentur Interfax zitierten Mitteilung zufolge. Ohne Hilfe von außen bestehe die Gefahr einer Katastrophe in der Ex-Sowjetrepublik.

Wichtig sei jetzt nicht die Suche nach Schuldigen für die gefährliche Eskalation der Lage in Kiew oder für gegenseitige Vorwürfe zwischen West und Ost, betonte Gorbatschow. Die Gewalt müsse vielmehr rasch beendet werden. Ein Blutvergießen in der Ukraine sei eine Gefahr für die Nachbarländer, für Europa und die Welt. Es drohe ein Zerfall des ukrainischen Staates. Der 82-Jährige schrieb, dass ihm das Schicksal der Ukraine auch wegen familiärer Bindungen sehr zu Herzen gehe.

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Rauchwolken über Kiew

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Putin kritisiert den Westen

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  • Die OSZE ist genau das Richtige! Dazu muß man das Buch ...Wege in einen gewollten Krieg...von Brigadegeneral Loquai lesen!Tenor:Durch immer neue maßlose Forderungen einen Krieg inszenieren! So wurde den Leuten in D ein angeblicher Friedensvertrag vorgegaukelt.Zitat aus den Machwerk: ..Jugoslawien wird von den Nato -Truppen besetzt...sämtliche Straftaten und Verbrechen dieser Truppe unterliegen der Immunität...

  • "Auch Oppositionsführer Vitali Klitschko wandte sich eindringlich an Janukowitsch: „Sie, Herr Präsident, haben die Möglichkeit, die Angelegenheit zu lösen. Vorgezogene Wahlen werden die Situation ohne Blutvergießen ändern - und wir werden alles dafür tun, um das zu erreichen“, rief Klitschko der frierenden Menge auf dem Maidan zu."

    Mit welchen Recht?`

    Die haben eine demokratisch gewählte Regierung. Er soll die nächste Wahl gewinnen, dann kann er machen was er will.

    Von der EU kriegt die Ukraine Versprechen und von Russland Hilfe.

    Was von der EU auch prima ist, sie würden sofort die Ukrainischen Unternehmen platt machen.

    Ich denke die Oposition weiß gar nicht, wofür sie kämpfen...

  • Zitat : Washington kritisierte aber auch die Aggression rechtsextremistischer radikaler Demonstranten.

    - und das ist die MEHRHEIT der "Opposition" !

    Die westlichen Medien ergreifen Partei für RECHTSEXTREMISTEN in der Ukraine !

    SCHANDE !

    Wenn man von der Sache nichts versteht, sollte man sich heraushalten !

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