Proteste in Hongkong
Pfefferspray, Schlagstöcke und Prügelattacken

Chaotische Szenen in Hongkong: Gewaltsamt geht die Polizei gegen Demonstranten vor. Wer sich weigerte, die Straße zu verlassen, wird mit Schlägen gezwungen. Es gibt Verletzte auf beiden Seiten.
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Die Polizei in Hongkong hat am Mittwochmorgen erneut gewaltsam einen Protestort der Demokratiebewegung geräumt und dutzende Demonstranten festgenommen. Mit Schlagstöcken bewaffnet rückten die Beamten auf eine von den Protestierenden besetzte Hauptstraße nahe der Stadtverwaltung vor und räumten neu errichtete Barrikaden ab. Es gab Verletzte auf beiden Seiten, wie ein AFP-Reporter berichtete. Nach Angaben der Polizei wurden mindestens 45 Menschen festgenommen.

Chaotische Szenen spielten sich im Morgengrauen an der Lung Wo Straße ab: Mit Fäusten und Schlagstöcken gingen die Beamten gegen die Menge vor und setzten Pfefferspray gegen jene ein, die sich weigerten, die Straße zu räumen. „Sie haben das Pfefferspray ohne jede Vorwarnung eingesetzt", sagte der 18-jährige Student Ben Ng. „Demonstranten wurden von der Polizei geschlagen.“

Binnen einer Stunde brachte die Polizei die viel befahrene Hauptstraße wieder unter Kontrolle. In einer Erklärung hieß es, die Beamten hätten die Demonstranten zur Ruhe und Zurückhaltung aufgefordert. Sie seien gewarnt worden, dass es „kein friedlicher Akt“ sei, Polizeiabsperrungen zu missachten, „auch nicht mit erhobenen Armen“.

Die Polizei ging bei ihrem Einsatz offenbar auch gewaltsam gegen Journalisten vor. Der Online-Reporter Daniel Cheung sagte AFP, er sei von mehreren Polizisten festgehalten und geschlagen worden. „Ich habe versucht, ihnen zu sagen, dass ich ein Reporter bin, aber sie haben mir nicht zugehört§, sagte er. Demnach erlitt er Schnittwunden und Verletzungen an Nacken und Rücken. Erst als es ihm später gelang, seinen Presseausweis zu zeigen, sei er freigelassen worden.

Protestierende sagten der Nachrichtenagentur AFP, die Blockade sei als Vergeltung für die Räumung eines anderen Protestortes durch die Polizei geplant gewesen. Die Demokratiebewegung fordert die Änderung einer von Peking beschlossenen Wahlreform für Hongkong. Diese sieht vor, dass die Bürger Hongkongs im Jahr 2017 erstmals direkt einen Verwaltungschef wählen, die chinesische Staatsführung jedoch die Kandidaten vorab auswählt.

Die Proteste dauern mittlerweile seit mehreren Wochen an. Die Zusammenstöße vom Mittwoch gehörten zu den gewaltsamsten seit Ende September, als die Polizei mit Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen war. Seit dem Beginn der Proteste wurden weder aus Peking noch von der Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone Zugeständnisse gemacht.

Wegen Prügelattacken auf einen prodemokratischen Aktivisten in Hongkong sind einige Polizisten strafversetzt worden. Das teilte Sicherheitschef Lai Tung Kwok am Mittwoch mit. Die Polizei habe interne Ermittlungen eingeleitet. Zu den Übergriffen der Beamten kam es am Vorabend bei der Räumung eines von Demonstranten besetzten Tunnels vor dem Amtssitz von Regierungschef Leung Chun Ying. Der TV-Sender TVB zeigte Bilder von rund sechs Zivilpolizisten, die einen Mann auf die andere Seite eines Gebäudes brachten, ihn auf den Boden setzten und dann auf ihn eintraten.

Bei der Räumung des Tunnels kam es zudem zu schweren Ausschreitungen. Die Beamten setzten Pfefferspray gegen dort campierende Protestler ein und rissen Barrikaden nieder. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Dutzende Demonstranten anschließend von der Polizei abgeführt wurden.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Das ist ja alles nicht sooo verwunderlich. Bei uns prügelt die Schutzmacht auch die Demonstranten von der Straße, wenn die bei einer unerwünschten Veranstaltung auflaufen.

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