Proteste in Indien und Indonesien
Malaysische Zeitung nach Abdruck von Karikatur verboten

Nach dem Abdruck einer Mohammed-Karikatur aus Dänemark ist die malaysische Zeitung „Sarawak Tribune“ verboten worden. Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi untersagte der Tageszeitung am Donnerstag mit sofortiger Wirkung das weitere Erscheinen.

HB KUALA LUMPUR. Die Zeitung hatte sich für den Abdruck der Karikatur am vergangenen Samstag zwar entschuldigt, zog sich aber anhaltende Kritik der Regierung in dem überwiegend islamischen Land zu. Bei einer Kabinettssitzung hätten sich alle Minister dafür ausgesprochen, der „Sarawak Tribune“ die Lizenz zu entziehen, berichtete die Zeitung „Star“ am Donnerstag. „Wir sind in einer peinlichen Lage, weil Malaysia den Vorsitz der Organisation der Islamischen Konferenz innehat“, wird der Minister im Büro von Regierungschef Abdullah Badawi, Radzi Sheikh Ahmad, zitiert.

Die „Sarawak Tribune“ erscheint auf der Insel Borneo, wo die Muslime in der Minderheit sind. Der Zeitung zufolge gingen nach der Veröffentlichung der Karikaturen Drohungen ein. Seitdem bewachten Polizisten das Gebäude der 1945 gegründeten Zeitung. Der für den Abdruck verantwortliche Redakteur hat den Verlag bereits verlassen und wurde am Donnerstag zwei Stunden lang von der Polizei verhört.

In Malaysia müssen sich die Zeitungen ihre Lizenz jährlich erneuern lassen. Diese steht unter der Auflage, nichts zu veröffentlichen, was das religiöse Empfinden stören könnte.

Für diesen Freitag werden Demonstrationen gegen die Mohammed-Karikaturen in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur erwartet.

Auch am Donnerstag wurden wieder Protestdemonstrationen aus mehreren islamischen Ländern gemeldet. In Srinagar, der Hauptstadt des indischen Teils von Kaschmir, ging die Polizei mit dem Schlagstock gegen 200 Menschen vor, die anlässlich eines schiitischen Feiertags mit Rufen wie „Nieder mit Dänemark“ durch die Straßen zogen. 25 Personen wurden festgenommen. Der geistige Führer der Muslime im indischen Teil von Kaschmir, Mirwaiz Umar Farooq, rief zu entschlossenen, aber friedlichen Protesten gegen die Karikaturen auf.

Indonesien sagte am Donnerstag ein Badminton-Turnier mit Dänemark ab. Die Sicherheit der dänischen Mannschaft könne nicht gewährleistet werden, erklärte der indonesische Badminton-Verband als Begründung. Die dänische Regierung hat alle in Indonesien lebenden Dänen zum Verlassen des Landes aufgerufen, nachdem es dort mehrfach zu Angriffen auf dänische Einrichtungen gekommen war. Am Donnerstag versammelt sich erneut muslimische Studenten zu einer Kundgebung vor der dänischen Botschaft.

Der iranische Vizepräsident Isfandiar Rahim Maschai wies Vorwürfe der USA zurück, sein Land habe die Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen bewusst geschürt. „Das ist eine hundertprozentige Lüge“, sagte Maschai am Donnerstag bei einem Besuch in Indonesien zu Äußerungen von US-Außenministerin Condoleezza Rice. Diese hatte am Mittwoch erklärt, sie habe keinen Zweifel daran, dass sowohl der Iran als auch Syrien sich große Mühe gegeben hätten, die Emotionen anzuheizen und für ihre Zwecke zu nutzen.

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