Proteste in Myanmar
Warum ein Blutbad China ungelegen käme

Die politische und wirtschaftliche Elite in China beobachtet die Eskalation des Machtkampfs im nahen Myanmar mit Argusaugen. Denn Peking hat ein starkes ökonomisches Interesse an Myanmar, die Volksrepublik ist der letzte große Verbündete der Junta. Doch eine blutige Niederschlagung der Demonstrationen wäre für China eine Katastrophe.

PEKING. Ohne den großen Bruder laufe beim kleinen Nachbarn nichts, sagt Sean Turnell, Wirtschaftswissenschaftler und Asienexperte der Macquarie University in Sydney. „China ist der größte Investor in Myanmar.“

Ob bei Straßenbau, Eisenbahnstrecken, Staudämmen oder Stromnetzen – überall im Land sind chinesische Firmen an Großprojekten beteiligt, oft werden die Projekte auch von China finanziert. Denn die Militärdiktatur ist für Peking strategisch bedeutsam, weil China Myanmar als wichtige Nachschubader betrachtet. Bislang bezieht die Volksrepublik aus dem Nachbarland vor allem Teakhölzer, Gold und Edelsteine. Doch Myanmar soll für China auch eine wichtige Rohstoffquelle werden.

Als vor der Küste große Erdgasvorkommen entdeckt wurden, waren die Chinesen sofort da – Chinas Staatskonzern CNOOC hat sich inzwischen schon einen Anteil an dem Gasfeld gesichert. Geplant ist darüber hinaus eine 1 250 Kilometer lange Pipeline. Sie soll vom Golf von Bengalen bis in die südchinesische Provinz Yunnan führen. Damit öffne sich ein neues Tor nach Afrika und in den Nahen Osten, sagt Turnell. „Das ist ein ganz wichtiges Projekt.“

Der Asienexperte betont aber auch, dass die wirtschaftlichen Beziehungen keine Einbahnstraße seien: „Myanmar ist auch sehr wichtig für Chinas Absatz.“ Zwar sind die chinesischen Exporte nach Myanmar viel geringer als die Importe, die sich auf zwei Mrd. Dollar im Jahr belaufen.

Aber vor allem Chinas arme Westprovinzen profitieren von den Ausfuhren. Sie liefern Lebensmittel, Bekleidung und Haushaltsgeräte über die nahe Grenze – alles billig, made in China. Myanmar ist für China schon deshalb wichtig, weil Peking den Westen der Volksrepublik fördern muss. Denn das Gefälle zwischen dem reichen „Speckgürtel“ an der Ostküste und dem armen Westen birgt für China die Gefahr sozialer Unruhen.

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