Proteste in New York
„Das ist hier nicht mehr aufzuhalten“

Im New Yorker Finanzviertel deutete alles auf einen Showdown zwischen Polizisten und Demonstranten hin. Doch die Stadt machte in letzter Sekunde einen Rückzieher. Jetzt fühlen sich die Protestler noch mächtiger.
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New YorkSo sehen Siege aus. Es ist kurz vor halb sieben Uhr morgens, die Sonne ist noch nicht richtig aufgegangen, als im New Yorker Finanzviertel Jubel ausbricht. Hunderte Demonstranten stehen dicht aneinandergequetscht auf dem kleinen Zuccotti Park. Bis gerade waren sie noch eingestellt auf Ärger mit der Polizei, nun reißen sie die Arme nach oben und brüllen: „Wir sind die 99 Prozent!“ Die Polizisten versuchen zugleich Wege für die vereinzelten Anzugträger im Gewimmel freizuhalten, die auf dem Weg zu ihren hier verteufelten Banken sind. Ein sinnloser Versuch.

Doch auch die Beamten dürften erleichtert sein: Die befürchtete Konfrontation zwischen den Demonstranten von „Occupy Wall Street“ und der Polizei, es wäre nicht die erste in den vergangenen Wochen, fällt vorerst aus. Pünktlich um sieben Uhr, so der Plan, hätten die Beamten den Park räumen sollen, damit die Putzkolonnen einrücken können. Doch statt Hochruckreinigern gab es Hochstimmung bei den Demonstranten: Die Stadt hat die Aktion kurzfristig abgesagt.

„Spät in der Nacht erhielten wir eine Mitteilung des Eigentümers des Zuccotti Parks – Brookfield Properties – dass sie die geplante Reinigung des Parks verschieben“, teilte Vizebürgermeister Caswell F. Holloway mit. „Brookfield glaubt, dass sie mit den Demonstranten eine Vereinbarung treffen können, die sicherstellt, dass der Park sauber, sicher und offen für die Öffentlichkeit ist.“

Eine Niederlage auf ganzer Linie für Bürgermeister Michael Bloomberg, dem die Dauercamper im Süden Manhattans schon länger auf die Nerven gehen. Genau wie seiner Lebensgefährtin, die im Board von Brookfield sitzt. Die Räumung am heutigen Freitag begründeten sie mit zu viel Dreck und Müll auf dem Platz und Beschwerden der angrenzenden Geschäfte.

Doch viele Protestler glaubten dem nicht: Es sollte der Anfang vom Ende der fast vierwöchigen Belagerung werden, so ihr Verdacht. Die Demonstranten hätten zwar nach der Reinigung zurückkehren dürfen – aber ohne Schlafsäcke, Zeltplanen und Kochgeschirr. „Occupy Wall Street“ in der jetzigen Form wäre im Zuccotti Park nicht mehr möglich gewesen.

Entsprechend übermütig sind die Protestler nach dem Rückzug auf dem Platz, dem informellen Hauptquartier der Bewegung, die inzwischen hunderte Städte in den USA und weltweit erreicht hat. Spontan lösen sich um kurz nach sieben Uhr ein paar Hundert aus dem Gewimmel und marschieren mit ihren Transparenten durchs Finanzviertel. Sie singen, rufen, tanzen, während Polizisten am Wegesrand angespannt unter ihren Helmen hervorgucken.  

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  • @ HB: was genau sind die Forderungen / Ziele dieser Demonstranten? Doch sicher nicht, die Parkordnung zu ändern. Schade, schlecht recherchiert.

  • @andre

    Scheient mir Heuchelki zu sein.

    Solange die Dividende stimmte und der Aktienkurs ist
    ist ihnen die Rechtschaffenheit doch sicher egal gewesen.

  • Anonymous ich danke euch!!!!!
    Ihr habt die Kraft die Politiker und die Finanzindustrie in die Knie zu zwingen.
    Lasst die Kurse rutschen und erobert die Herzen der Menschen!!!

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