Proteste in Nordirland: Die fünfte Krawallnacht in Belfast

Proteste in Nordirland
Die fünfte Krawallnacht in Belfast

Im nordirischen Fahnenstreit hat es in der Hauptstadt Belfast die fünfte Nacht in Folge Ausschreitungen zwischen pro-britischen Protestanten und katholische Republikaner gegeben. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein.
  • 0

London/BelfastDie nordirische Metropole Belfast kommt nicht zur Ruhe. Die fünfte Nacht in Folge ist es dort im Streit um die britische Flagge zu Krawallen gekommen. Die Polizei sei am Montagabend mit Ziegeln, Brandsätzen, Farbbomben und Feuerwerkskörpern attackiert worden, berichteten britische Medien. Autos seien beschädigt worden.

Erneut war den Krawallen eine weitestgehend friedliche Demonstration vorausgegangen. Rund tausend Menschen protestierten am Montagabend zunächst friedlich vor dem Rathaus, während der Stadtrat erstmals wieder seit seinem umstrittenen Flaggen-Beschluss tagte. Zu den neuerlichen Ausschreitungen kam es, als rund 250 pro-britische Protestanten auf dem Rückweg vom Rathaus auf katholischen Republikaner stießen. Die Polizei versuchte, beide Gruppen auseinanderzuhalten. Auf die Beamten auf der Newtownards Road hagelte es Steine und Brandsätze.

Die Proteste richten sich gegen eine Entscheidung der Stadtverwaltung von Belfast von Anfang Dezember, die britische Flagge nur noch an wenigen Tagen im Jahr auf öffentlichen Gebäuden wehen zu lassen. Seither demonstrieren die Loyalisten, die eine Loslösung Nordirlands von Großbritannien befürchten.

Die Beamten hätten Montagabend fünf Gummigeschosse abgefeuert und einen Wasserwerfer eingesetzt. Die pro-britischen Demonstranten hätten eine Barrikade errichtet und angezündet. Es habe vier Festnahmen gegeben. Gegen 22.00 Uhr Ortszeit sei wieder Ruhe eingekehrt, berichtete die Nachrichtenagentur PA.

Insgesamt wurden mehr als 60 Polizisten in den vergangenen fünf Wochen verletzt, etwa 100 Menschen wurden festgenommen. Gegen einen Großteil der Festgenommenen sind bereits Strafverfahren eröffnet worden.

Über das vergangene Wochenende war vor allem der Osten von Belfast kaum zur Ruhe gekommen. Am Samstag sollen Schüsse auf Polizisten abgegeben worden sein; ein 38-Jähriger wurde wegen versuchten Mordes angeklagt. Polizeichef Matt Baggott rief am Montag dazu auf, die Protestmärsche zu stoppen, da Trittbrettfahrer aufspringen und die Gewalt auslösen würden. Die Polizei werde so lange gegen die Gewalt vorgehen, wie es nötig sei. Es könne jedoch nicht sein, dass sie noch länger von ihrer alltäglichen Arbeit abgehalten werde.

Am Sonntag hatten Politiker und Kirchenvertreter gemeinsam versucht, eine Lösung zu finden, um die Gewalt zu stoppen. Robin Newton von der protestantischen Democratic Unionist Party erklärte, die Lage sei extrem schwierig, weil die Organisatoren der Proteste nicht gesprächs- oder kompromissbereit seien: „Wir müssen einen Weg aus dieser Lage herausfinden, aber wie wir das schaffen sollen, weiß ich nicht.“ Der Chef des Polizei-Verbandes, Terry Spence, erklärte, paramilitärische Gruppen machten sich den Flaggenstreit zunutze, um ihre Waffen auf die Polizei zu richten.

 
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Proteste in Nordirland: Die fünfte Krawallnacht in Belfast"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%