Proteste in Syrien
Flüchtlinge berichten von Gewaltorgien

Journalisten können nicht frei über die Proteste gegen das Regime berichten. Nur wenig Informationen dringen aus dem Land. Flüchtlinge, die es in die Türkei geschafft haben, berichten von Misshandlungen.
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Antakya/Paris/New YorkFlüchtlinge aus der syrischen Kleinstadt Dschisr al-Schogur haben schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitskräfte des Regimes von Präsident Baschar al-Assad erhoben. Es habe Hubschrauber-Angriffe, Razzien und Misshandlungen durch Soldaten gegeben, berichteten am Dienstag verwundete Zivilisten, die aus der Stadt in die benachbarte Türkei geflohen sind. Nach Angaben der Regierung wurden in Dschisr al-Schogur am Montag 120 Angehörige der Sicherheitskräfte von bewaffneten Banden getötet. Bis jetzt ist nicht klar, ob es sich um einen Racheakt der Bewohner oder um eine Auseinandersetzung zwischen Deserteuren und Assad-treuen Soldaten handelte.

Unterdessen lösten Berichte über einen angeblichen Rücktritt der syrischen Botschafterin in Paris Verwirrung aus. Der französische Sender France24 hatte am Dienstag eine vermeintliche Erklärung der Diplomatin Lamia Schakur ausgestrahlt. Darin hieß es, sie trete aus Protest gegen die Gewaltpolitik der Regierung zurück. Später meldete der arabische Sender Al-Dschasira unter Berufung auf informierte Kreise, dass Schakur nicht daran denke, zurückzutreten. Die Botschafterin habe mitgeteilt, dass der französische Sender auf einen Betrüger hereingefallen sei.

Die Flüchtlinge aus Dschisr al-Schogur sprachen von schrecklichen Ereignissen in ihrem Ort. „Das ist Krieg“, sagte einer von ihnen der Nachrichtenagentur dpa am Dienstagabend in einem Telefoninterview. Seinen Namen wollte er aus Angst vor Repressalien gegen seine Familie nicht nennen. Begonnen habe die Gewaltorgie am vergangenen Freitag, sagte der syrische Familienvater, der im staatlichen Krankenhaus der türkischen Stadt Antakya wegen einer Schussverletzung an einer Hand behandelt wurde.

Nach einem Begräbnis für einen Regimegegner habe die Armee plötzlich von Hubschraubern aus auf die Bewohner der Stadt geschossen. Am Samstag seien dann Soldaten einmarschiert. „Sie verwüsteten die Häuser, schlugen die Frauen, überall wurde geschossen.“ Am Sonntag sei es ihm gelungen zu fliehen. Er habe sich in einem Auto versteckt und über die Grenze in die türkische Provinz Hatay bringen lassen. „Über den Grenzübergang konnte ich nicht fahren, wenn die Soldaten meine Verletzung gesehen hätten, dann hätten sie mich sofort erschossen“, sagte er.

Angesichts des gewaltsamen Vorgehens gegen die Regimegegner dringt Frankreich auf eine Verurteilung Syriens durch den UN-Sicherheitsrat. „Es ist unverständlich für uns, wie die Vereinten Nationen eine solche Situation schweigend hinnehmen können“, sagte der französischen Außenminister Alain Juppé am Dienstag bei einem Besuch in New York. Er forderte das höchste UN-Gremium auf, über den Resolutionsentwurf abzustimmen, den die vier europäischen Ratsmitglieder, darunter auch Deutschland, ihm vorgelegt hatten.

Von den fünf Vetomächten im Sicherheitsrat, den USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien, dürften außer den beiden Europäern auch die USA der Ermahnung in Richtung Damaskus zustimmen. Fraglich ist jedoch, ob Russland den Vorstoß wegen seiner guten Beziehungen zur Regierung von Baschar al-Assad nicht mit einem Veto abwürgen würde. Das Papier verlangt von Damaskus unter anderem, umgehend das brutale Vorgehen gegen Demonstranten einzustellen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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