Proteste in Syrien
UN zögert, Gewalt geht weiter

Erneut sind in Syrien Streitkräfte gegen Regierungsgegner vorgegangen, vier Menschen wurden verletzt. Unterdessen scheiterte im UN-Sicherheitsrat eine Erklärung zur Verurteilung der Gewalt - Freitag wird weiter beraten.
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BeirutDie syrischen Streitkräfte sind am Donnerstag in mehreren Städten des Landes erneut mit Gewalt gegen Regierungsgegner vorgegangen. Mit sechs Panzern seien die Soldaten in der Nacht auf Donnerstag in die Hafenstadt Latakia eingerückt und hätten das Feuer auf Demonstranten eröffnet, berichtete ein Augenzeuge. Dabei seien vier Menschen verletzt worden.    

In der Stadt Daraa sei der Militäreinsatz gegen die Opposition am Donnerstag fortgesetzt worden, sagte Abdullah Abaseid, ein Bewohner der Stadt. Dabei hätten die Regierungseinheiten auch schwere Maschinengewehre eingesetzt. Unter den jüngsten Opfern sei ein sechsjähriges Mädchen gewesen, sagte Abaseid. Sie sei bereits am Mittwoch von einem Scharfschützen erschossen worden, als sie auf dem Dach des Hauses ihrer Eltern gespielt habe.    

Damit seien seit dem Einmarsch der Streitkräfte am Montag in der Hochburg der Proteste 43 Menschen ums Leben gekommen, sagte er. Die Gesamtzahl der Toten in Syrien sei nach Zählung seiner Organisation auf über 500 gestiegen, sagte der Chef der syrischen Menschenrechtsgruppe SOHR, Rami Abdul Rahman, am Donnerstag.    

In Daraa seien die Telefonverbindungen sowie die Wasser- und Stromversorgung noch immer unterbrochen und es fehle an Nahrungsmitteln, vor allem an Babynahrung, sagte Abaseid. Einige Eltern würden sich behelfen, indem sie ihren Kleinkindern in Wasser aufgelösten Zucker zu trinken gäben.    

Syrien hat so gut wie alle ausländischen Journalisten des Landes verwiesen und teilweise Zugangsbeschränkungen für die Unruhegebiete erlassen. Eine unabhängige Bestätigung der Entwicklungen ist damit kaum möglich.    

Zwei Bewohner der Stadt Daraa berichteten am Mittwoch, dass mindestens fünf Offiziere der Regierungstruppen sich auf die Seite der Demonstranten geschlagen hätten und dass einige der wehrpflichtigen Soldaten stillschweigend Befehle ignorierten und einigen Bewohnern erlaubt hätten, Kontrollpunkte zu passieren, um dringend benötigte Versorgungsgüter zu besorgen. Die syrische Regierung und die Streitkräfte dementierten diese Berichte. Es gebe keine Spaltung innerhalb der Streitkräfte, hieß es.    

Unterdessen traten aus Protest gegen die Gewalt gegen Demonstranten mehr als 200 Mitglieder aus der Baath-Partei von Präsident Baschar Assad aus, wie der Menschenrechtler Mustafa Osso am Donnerstag mitteilte.    

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