Proteste in Thailand
Ministerpräsidentin flieht, Opposition kämpft weiter

Die Lage in Thailand spitzt sich zu: Am Sonntag versuchten Demonstranten den Regierungssitz zu stürmen. Steine flogen, die Polizei setzte Tränengas ein. Vier Menschen wurden getötet. Weitere Stürmungen sind angekündigt.
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BangkokBeim Ansturm von tausenden Demonstranten auf die Machtzentrale der thailändischen Regierung hat die Polizei am Sonntag Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt. Tausende Polizisten waren im Einsatz, um den Regierungssitz und die Polizeizentrale zu verteidigen. Die Regierung mobilisierte Armeeeinheiten zur Verstärkung der Polizei. Die Regierungsgegner versuchten, das Büro von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra zu besetzen und eine Beton-Absperrung einzureißen. „Wir sind alle Brüder und Schwestern“, ermahnten die Sicherheitskräfte die Menschen zuvor zur Ruhe. Verletzte wurden zunächst nicht gemeldet.

Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra befand sich zwar nicht im Regierungssitz, wurde aber an anderer Stelle von aufgebrachten Regierungsgegnern in die Enge getrieben und schließlich in Sicherheit gebracht. Nach Auskunft eines Mitarbeiters der Regierungschefin stürmten Demonstranten in der Hauptstadt Bangkok das Gelände eines Sportclubs der Polizei, wo sich Yingluck aufhielt. Sie habe das Gebäude wohlbehalten verlassen und sei an einen anderen Ort gebracht worden.

Auch vor dem Hauptquartier der Polizei setzten sich die Sicherheitskräfte gegen eine Gruppe Demonstranten zur Wehr. Weitere Proteste gab es vor den Studios von drei Fernsehsendern, von denen die Opposition forderte, ihre Sicht der Dinge zu senden, nicht die der Regierung.

Die Opposition erklärte den Sonntag zum „Tag des Sieges“. Für diesen Sonntag plante sie die Stürmung staatlicher Einrichtungen: Der Anführer der Regierungsgegner, Suthep Thaugsuban, rief zu weiteren Protestmärschen auf, auch zum Sitz der Regierung und zur Polizeizentrale. Die Aktionen sollten „friedlich und gewaltfrei“ sein, sagte er. Zehntausende Regierungsgegner rückten am Morgen an verschiedenen Orten der Stadt gegen Regierungseinrichtungen vor. Die Opposition will die Regierung stürzen und sie durch ein nicht gewähltes sogenanntes Volkskomitee ersetzen.

In den vergangenen Tagen hatte die Polizei die Demonstranten bei der Stürmung von Behörden und Ministerien nicht gestoppt. Die Demonstranten belagern seit einigen Tagen mehrere Ministerien sowie das Hauptquartier der Streitkräfte. Das Finanzministerium machten sie zu ihrer Protest-Zentrale. Aus Sicht der Demonstranten ist Yingluck nur eine Marionette ihres Bruders, des vom Militär gestürzten Ex-Regierungschefs Thaksin Shinawatra, der sich im Exil befindet.

Die seit einer Woche eskalierenden Proteste verliefen zunächst friedlich, bislang verzichtete die Polizei unter Anweisung der Ministerpräsidentin auf Gewalt. Doch bereits am Samstagabend kam es zu einer ersten Eskalation bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern der Regierung. Zwei Menschen kamen ums Leben und mindestens 45 wurden verletzt. Die Toten und Verletzten wiesen Schuss- und Stichwunden auf. Es handelte sich um die ersten Toten seit Beginn der Proteste vor rund einem Monat. Wie es zu den Toten kam, war zunächst unklar. Regierungsgegner und -anhänger machten sich gegenseitig für die Gewalt verantwortlich.

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  • SAVEtheChildren hat doch offensichtlich ein mentales Problem, was nicht zuletzt durch die Wiederholung seines Postings offensichtlich wird.

  • Nun SAVEtheChildren, ich kann Ihren Grundstatement verstehen, ich finde auch, dass dort mehr Kontrolle geben muss. Kinder müssen beschützt werden, ganz klare Sache!

    Allerdings betonen Sie zu extrem die deutschen Bürger - nein, es sind nicht nur Deutsche, die dort Ihren Untrieb treiben. Was aber Prostitution angeht, nun, Sie haben durchaus recht mit Ihrer Kritik, jedoch bedenken Sie auch, dass der überwiegende Teil der weiblichen Bevölkerung nicht viel Zukunft haben, sie sind meist ungebildet, weil sie ihre Familien unterstützen müssen (wollen) und Arbeit gibt es leider nicht für jeden, was bleibt den Frauen also? Sie bieten ihren Körper an - im Grunde genommen ein einfaches Geschäft. Natürlich hoffen viele auch dadurch internationale Männer kennen zu lernen, die ggf. sich binden wollen und sie somit aus dem "höllischen" Kreislauf befreit. Ich kann diese Frauen verstehen und die Freier ebenso - einfache Frage von Angebot und Nachfrage. Ich bin vertrete die Meinung, dass Prostitution nichts schlimmes ist, wenn es im Interesse der Frauen passiert und Einverständnis, also keine Zwangsprostitution durch Mafia ähnliche Organisationen und wenn es besteuert wird, umso besser.
    Bevor Sie etwas negatives zu meiner Meinung sagen, vielleicht sogar behaupten, dass ich davon doch keine Ahnung hätte und ich mit Abstand das ganze "versöhnlich" darstelle - ich habe eine thailändische Abstammung. Ich habe noch viele Bekannten und Verwandte dort und nein, auch ich würde meine Familie nicht als Mittelständler bezeichnen. Versuchen Sie die dinge nicht nur aus der Moralflinte zu betrachten.

  • Gut, dass das hier noch einmal so sachlich und differenziert von Ihnen dargelegt wurde. :-) Sind Sie eine ledige Gleichstellungsbeauftrage mittleren Alters?

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