Proteste in Weißrussland
Verwirrung um Oppositionsführer

Der Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch sorgt für viel Wirbel in Weissrussland. Erst rief er während einer Kundgebung in Minsk eine Volksbewegung gegen die Herrschaft von Präsident Alexander Lukaschenko ins Leben, dann wurde seine Festnahme gemeldet. Dies sollte sich jedoch als Irrtum erweisen.

HB MINSK. Berichte über die Festnahme Milinkewitschs seien nicht korrekt, sagte ein Berater der Oppositionspartei. Die Agentur Interfax zog daraufhin eine erste Meldung zurück, in der von Milinkewitschs Festnahme berichtet worden war. Nicht der Oppositionsführer selbst, sondern einer seiner Pressesprecher sei in Polizeigewahrsam, hieß es. Nach offiziellen Angaben sollen am Samstag mehrere hundert Person festgenommen und mit Bussen der Sicherheitskräfte abtransportiert worden sein. Die Agentur Itar-Tass meldete zudem, der Oppositionspolitiker Alexander Kosulin sei inhaftiert worden.

Im Stadtzentrum kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Polizei setzte Rauchbomben und Schlagstöcke ein. Mindestens drei Menschen wurden verletzt. Die Polizei nahm auch den früheren Präsidentschaftskandidaten Alexander Kosulin fest, nachdem dieser zur Erstürmung eines Gefängnisses aufgerufen hatte. Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch dementierte erste Meldungen, wonach auch er in Polizeigewahrsam sei.

„Nicht ich, sondern mein Pressesprecher Pawel Maschejka ist unter einem erfundenen Vorwand festgenommen worden“, sagte Milinkewitsch der Agentur Interfax. Maschejka wurde am Abend wieder freigelassen. Ein Behördensprecher bestätigte, dass mehrere hundert Personen festgenommen und mit Bussen abtransportiert worden seien. Nach Augenzeugenberichten ging die Polizei mit großer Härte vor und prügelte mit Schlagstöcken auf Demonstranten ein. Ein Mann habe mit schweren Kopfverletzungen auf dem Asphalt gelegen, sagte ein Sprecher der Opposition.

Innenminister Wladimir Naumow sprach am Abend von einem „gerechtfertigten Polizei-Einsatz“. Anlass zum Eingreifen sei die Aufforderung Kosulins gewesen, körperliche Gewalt gegen das Staatsoberhaupt anzuwenden und einen Staatsstreich durchzuführen. Die Polizei habe alles getan, um unbeteiligte Zivilisten vor Schaden zu bewahren, betonte Naumow. Insgesamt neun Personen seien verletzt worden, darunter acht Angehörige der Sicherheitskräfte.

Im gesamten Stadtzentrum machte die Polizei über Stunden Jagd auf Oppositionsanhänger. In einem Kaufhaus an der Nemiga-Straße seien mehrere Lukaschenko-Gegner inmitten von Kunden zusammengeschlagen und mit einem Polizeiwagen abtransportiert worden, meldete die Agentur Belapan.

Milinkewitsch hatte am Nachmittag eine Volksbewegung gegen die Herrschaft von Präsident Alexander Lukaschenko ins Leben gerufen. „Ich erkläre hiermit die Schaffung der Volksbewegung für die Befreiung Weißrusslands“, hatte Oppositionschef Alexander Milinkewitsch zuvor vor tausenden Anhängern auf einer Kundgebung im Janka-Kupala-Park der Hauptstadt Minsk gesagt. Die Wahlen am 19. März seien gefälscht gewesen, sagte er, „doch wir haben gewonnen, weil immer mehr Menschen ihre Furcht ablegen“.

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