Proteste
Iran: Opposition will Trauerfeier für Opfer

Begleitet von Solidaritätskundgebungen in aller Welt haben in Teheran erneut hunderte Anhänger der iranischen Opposition gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad protestiert. Doch darauf beschränkten sich die Vorwürfe nicht. Jetzt will Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi eine Trauerfeier für die Opfer der Anti-Regierungsprosteste veranstalten.

HB TEHERAN/BERLIN/LONDON. Wie die Nachrichtenagentur Ilna am Sonntag berichtete, beantragte der Oppositionsführer für den kommenden Donnerstag eine entsprechende Erlaubnis beim Innenministerium. Im Iran war es in den vergangenen Wochen mehrfach zu Massenprotesten gegen den umstrittenen Sieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad bei der Präsidentenwahl Mitte Juni gekommen, die zum Teil blutig niedergeschlagen wurden. Dabei wurden mindestens 20 Menschen getötet.

Mussawi und sein ebenfalls unterlegener reformorientierter Mitbewerber bei der Wahl, Mehdi Karrubi, beantragten eine schlichte 90 Minuten lange Gedächtnis-Veranstaltung an einem öffentlichen Ort im Norden Teherans. Sie sagten zu, dass es dabei keine politischen Äußerungen geben werde, sondern ausschließlich Koran-Verse verlesen werden sollten. Ohne Genehmigung sind solche Versammlungen illegal.

Auch am Samstag waren Polizei und Angehörige der regierungstreuen Basidschi-Miliz laut Augenzeugen gewaltsam gegen die Demonstranten vorgegangen. Weltweit demonstrierten Tausende für die Menschenrechte und gegen die Niederschlagung der Proteste im Iran. Allein in Berlin gingen mehrere hundert Menschen auf die Straße, in Frankfurt gab es mehrere Demonstrationszüge.

Oppositionsanhänger in den Teheraner Stadtbezirken Wanak und Mirdamad riefen "Tod dem Diktator" und "Wir wollen unsere Stimme zurück". Bei Einbruch der Nacht stiegen zahlreiche Teheraner auf ihre Dächer und riefen offenbar mit Blick auf die internationalen Proteste: "Mutige Nachbarn, danke für eure Unterstützung!"

Bei einer Kundgebung vor hunderten Menschen in Amsterdam rief die iranische Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi die internationale Gemeinschaft auf, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen. Sie forderte eine neue Abstimmung unter Aufsicht der Vereinten Nationen.

In London versammelten sich rund 600 Demonstranten vor der iranischen Botschaft. In Brüssel führten Protestierende Plakate mit Fotos von Inhaftierten oder Getöteten mit sich, darunter von Neda Agha Soltan, die nach ihrem Tod zu einem Symbol der Protestbewegung wurde.

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