Protestmarsch in Paris: Hauptstadt des Widerstands

Protestmarsch in Paris
Hauptstadt des Widerstands

Rund 1,5 Millionen Menschen und 50 Staatschefs vereint gegen Terror und Hass: Der Pariser Marsch für die Opfer der Anschläge setzt ein beeindruckendes Zeichen. Nun gilt es, Antworten auf die Bedrohungen zu finden.
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ParisSie war als Trauer- und Protestmarsch geplant. Doch die Demonstration am Sonntag in Paris wurde zu einem Aufstand der Bürger für ihre Freiheitsrechte. Zwischen 1,5 und zwei Millionen Menschen schrieben Geschichte, indem sie unter dem Motto „Wir sind Charlie“ für Meinungsfreiheit demonstrierten. Die Manifestation ging vom Place de la République aus, doch schon lange vor dem offiziellen Start um 15 Uhr war der so überfüllt, dass viele ihn nicht mehr erreichen konnten.

Noch um 18 Uhr zogen Zehntausende Richtung Place de la Nation. Auch in anderen Großstädten wie Lyon, Bordeaux, Marseille wurde demonstriert: Im gesamten Land sollen - inklusive Paris - über vier Millionen Franzosen auf die Straße gegangen sein. Laut Angaben der Polizei sind in der französischen Geschichte noch nie so viele Menschen bei einer Demonstration aktiv gewesen. Ganz vorne liefen in Paris mehr als 50 Staats- und Regierungschefs sowie Minister mit, die aus der ganzen Welt kamen: 15 aus der Europäischen Union, zwei aus den USA und Kanada, andere aus Nahost und Afrika. „Paris ist heute die Hauptstadt der Welt“, sagte Staatspräsident Franҫois Hollande.

Die Demonstration in Paris ermöglichte eine historische Premiere: In der ersten Reihe marschierten Israels Staatspräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmut Abbas. Beide waren vorher im Elysée-Palast von Hollande empfangen worden – Abbas mit einer Umarmung, Netanjahu mit Handschlag. Wohl niemand hätte vor dem Sonntag damit gerechnet, dass man sie einmal gemeinsam auf einer Demonstration gegen Terrorismus und für Freiheitsrechte sehen würde.

Das Protokoll war teilweise überfordert: Als die Chefs mit Kleinbussen vom Elysée-Palast zur Demonstration gefahren wurden, fuhr Netanjahu der Bus vor der Nase weg, in den er einsteigen wollte. Minutenlang stand der israelische Regierungschefs, normalerweise der am besten behütete Politiker der Welt, am helllichten Tage mitten in Paris auf der Straße.

Am vergangenen Mittwoch hatten zwei maskierte Terroristen die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ überfallen und insgesamt zwölf Menschen erschossen. Sie wollten das Blatt bestrafen, weil es sich immer wieder mit Spott und Humor gegen Fundamentalisten aller Religionen gewandt und auch Karikaturen des Propheten Mohamed gedruckt hatte. Doch statt die Franzosen einzuschüchtern, haben die Terroristen sie auf die Straße getrieben und vereint.

Zu der Manifestation riefen auch alle repräsentativen muslimischen Organisationen des Landes auf. Die Angehörigen verschiedener Religionen sind nicht übereinander hergefallen, wie die Attentäter es wohl gehofft haben. Vielmehr sind die französischen Muslime aktiver geworden als früher und zeigen, dass auch sie Wert legen auf die Freiheitsrechte, die ihnen die Demokratie sichert. Den Attentätern ist es nicht einmal gelungen, Charlie Hebdo mundtot zu machen: Der Rest der Redaktion arbeitet bereits mit Unterstützung von Le Monde und Libération an der nächsten Ausgabe, die in der kommenden Woche mit einer Auflage von einer Million erscheint.

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  • 'Wer Häme und Gehässigkeit als künstlerische Freiheit versteht, ist weit davon entfernt das Recht auf seiner Seite zu haben.'

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