Protestvideos: „Frau Merkel, stürzen Sie uns nicht ins Elend“

Protestvideos
„Frau Merkel, stürzen Sie uns nicht ins Elend“

Schuldenkrise und Kritik aus Deutschland nagen am Stolz der Iberer. Der Ärger über den harten Sparkurs und selbstgerechte Ratschläge bricht sich in wütenden Protesten Bahn – und in Videobotschaften an die Kanzlerin.
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MadridEigentlich neigen die Iberer zu höflicher Zurückhaltung, doch wie in Griechenland wird der Frust allmählich übermächtig. Und sie haben eine Adressatin für ihren Ärger gefunden. „Frau Merkel, der Kern des Problems in dieser Krise liegt in unserem und Eurem Finanzsystem, das sich durch krankhafte Gier auszeichnet“, erklärt Quim Arrufat in etwas gestelztem, aber sehr gut verständlichen Deutsch in einer Videobotschaft.

Arrufat gehört der katalanischen Linkspartei CUP an und wirft den deutschen Banken vor, den spanischen Instituten das Geld geliehen zu haben, mit dessen Hilfe die spanische Küste mit Immobilien vollgekleistert wurde. Wie Arrufat prodizieren spanische und portugiesische Autoren Videos und laden sie bei Youtube hoch, die sich direkt an das deutsche Publikum richten.

Aber auch in Fernsehtalkshows und Leitartikeln wird Merkel immer wieder für die sture, die Rezession anheizende Sparpolitik verantwortlich gemacht. Zuletzt wurde anklagend darauf hingewiesen, dass die Deutschen selbst höher noch verschuldet sind als Spanien, und sich trotzdem die Aufhebung der Praxisgebühr und ein Betreuungsgeld leisten. Dass sie bei der Finanzierung ihrer Staatsanleihen von Nullzinsen profitieren, obwohl sie doch mindestens eine Mitschuld haben an der Schuldenkrise in Südeuropa.

Eigentlich kämpfen Arrufat und seine Genossen für die Unabhängigkeit Kataloniens. Seine CUP ging aus einer Jugendbewegung hervor und tritt bei den katalanischen Regionalwahlen Ende November zum ersten Mal an.  Deshalb spricht der junge Mann kurioserweise auch meist nicht von Spanien, sondern von Katalonien: „Frau Merkel, Sie planen dieselben Maßnahmen für die Katalanen anzuwenden die Sie für die Griechen angewandt haben, mit dem Ergebnis eines totalen Misserfolgs. Sie wollen, dass die katalanischen Arbeiter die Verschuldung der Banken zahlen“, erklärt Quim mit unbewegter Miene in die Kamara - und appelliert an die Kanzlerin, die Katalanen nicht wie zuvor die Griechen durch einen harten Sparkurs ins Elend zu schicken.

Ähnlich, noch etwas differenzierter ist die Message in dem Video, das der konservative portugiesische Politiker und Journalist Marcelo Rebelo de Sousa zusammen mit dem Blogger Rodrigo Moita de Deus produziert hat. In dem Stückchen mit dem Titel „Ich bin ein Berliner“ beschreibt der Sprecher die Fortschritte Portugals seit der Nelkenrevolution und der Rückkehr zur Demokratie 1974: Wie der Analphabetismus ebenso spektakulär sank wie die Säuglingssterblichkeit, wie die Armutsviertel verschwanden und die Lebenserwartung stieg – „in weniger als einer Generation und ganz ohne Marshallplan“ – eine erste Spitze gegen Deutschland.

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Laut Außenminister müssen auch die Gläubiger Lasten tragen

Kommentare zu "„Frau Merkel, stürzen Sie uns nicht ins Elend“"

Alle Kommentare
  • Lieber Herr Quim Arrufat, ich verstehe Ihren Ärger. Das internationale Finanz- und Bankensystem fördert die Gier und die Korruption und verhindert so eine gesunde, nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Dort sitzen Ihre Adressaten. Und es sind auch I h r e Landsleute, die in unseren Großstädten durch den gleichen Mechanismus, der Sie in die Katastrophe geführt hat, via Kapitalflucht die Mieten und Immobilien-Preise in die Höhe treiben und so auch in Deutschland für sozialen Sprengstoff sorgen. Insofern müssen Sie erst mal vor der eigenen Haustüre kehren, bevor Sie sich über die Deutschen beklagen, die am Ende auch für Ihre Schulden haften.

  • Grüsse zurück !

  • Niedlich: Sie meinen wohl, Merkel regiert alleene - und umse rum nix als Phantome (???)

  • @ kommpuls:

    Sehe ich genauso!

  • @ Sarina
    Zitat Sarina:
    "Und uns jetzt die Schuld an ihrem Augiasstall zu geben dürfte nur noch als anmaßend und unverschämt bezeichnet werden. Aber es ist gut, dass sie jetzt ihre Hosen herunterlassen und ihr wahres - neidzerfressendes und hasserfülltes - Gesicht zeigen. So wissen wir jedenfalls, was wir von diesen "Europäern" zu halten haben!"
    (Mehr oder weniger) geehrte Sarina,
    was aus Ihrem Beitrag hervorgeht, ist hauptsächlich, daß SIE selbst offensichtlich hasserfüllt sind: aber nicht gegenüber irgendwelchen gierigen Investoren oder Banken, die leichtfertig viel zu hohe Kredite gegeben haben (uns gegenüber geben die ja maximal 80%, wenn sie dort mehr gegeben haben, ist das ihre ureigene Schuld - und man sollte sie schlichtweg hopps gehen lassen!)
    Sie glauben doch selbst nicht, daß irgendwelche Spanier oder Portugiesen aus der Mittelschicht Hotels und Ferienanlagen hochgezogen haben?? Warum also sollen sie jetzt mit ihrem Ersparten,durch Lohnkürzungen
    und höhere Steuern zur Kasse gebeten werden, wo sie doch den ganzen Schlamassel überhaupt nicht verursacht haben?? Und daß durch Lohnkürzungen und höhere Steuern der Mittelstand die Hypotheken fürs eigene Häusle nicht mehr aufbringen kann, ist ja wohl logisch.
    Da wären Sie, Sarina, in dieser Situation auch verzweifelt.
    Und daß durch diese Situation des Mittelstands natürlich auch Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Niedergang produziert wird, liegt doch wohl auf der Hand.
    Also Sarina, immer zuerst denken, dann schreiben, gelle!

  • Wir sind ein Volk. Und ist einfach...wir wollen unser Gegenwart und Zukunft entscheiden. Niemand kann unsere Situation verstehen, ob man nicht hier bleiben. Es ist normal...darum wir wollen nicht das unsere Politik so weit sind.

    Wir wollen mit Europa mitarbeiten, aber in eine verschiedene Europa. Eine soziale Europa, wo die Menschen das Geld dominiert und nicht das andere.

    Es leben freie Katalunien !!

  • Ja, ja - das Land der Dichter und Denker. Bei solch unreflektierten und stumpfsinnig vereinfachenden Gasthofbeiträgen kann man an einem solchen mit Fug und Recht wohl zweifeln. Da hat man wohl zu viele "vernichtet" und/oder aus dem Land getrieben.
    Ein Cranachide wie Goethe einer war.

  • @Nomeklatura
    Ich wär mir da nicht so sicher. Die Provinzen Katalonien, wie Valencia verlangen Unterstützung von Madrid, andererseits
    verlangen die Basken und die Galizier und Asturianer nach Selbständigkeit.Auch bei uns gibt es zwischen den Ländern
    finanziellen Ausgleich (Bayern,B-W, und Hessen und Hbg. zahlen, die andern kassieren ). In Spanien ist Katalonien eine industrialisierte reiche Provinz, die sogar die Marmorschilder mit Straßennamen von Spanisch auf Catalan
    auswechselte. Es ist ein politisches Problem, was auch in Schottland und in Südtirol u.anderen besteht aber m.E. mit der Euro-Krise nichts zu tun hat. Madrid ist wie Berlin nur mit einem funktionierenden Flugplatz und sehr zuschussbedürftig.


  • Liebe Südländer: schaut euch (analysierend) die Defizite der letzten 20 Jahre in eurer Gesellschaft an. Abbau von Arbeitsplätzen, Korruption, Bereicherung, rollende Verschuldung, geringe Eigenlasten, Arroganz, Ignoranz etc.

    Unsere Auguren gilt es durch uns zu definieren.
    Merkel träegt an dieser Tragikkomödie Südeuropa/Verschuldung weltweit keine Schuld.

    Schaut bitte in den eigenen Spiegel. Erscheckt rechtzeitig. Ansonsten holt euch bald die Wirklichkeit ein.

  • @euros Weil unsere CDU/CSU- FDP Regierung Klientenpolitik betreibt und Umverteilung von unten nach oben. Seit 11 Jahren gab es in D kaum Lohn-und Gehaltserhöhungen, während in GR F I etc 30 - 70% mehr bezahlt wurden.Daher bekommen wir mehr Exportaufträge,
    die z,T. aber über eine Kredit-Ausfallvers. abgedeckt sind,die aus Steuergeldern bezahlt,wenn der Käufer nicht zahlt. Die Schweiz hat höhere Löhne und braucht auch höhere Preise. --Jetzt wird die Industrie weiter begünstigt, aber auch Golfplätze, Kaufhäuser und insgesamt 3000 Firmen, die von den Zusatzstromkosten verschont bleiben und der Handwerker und die Haushalte
    bekommen die Rechnung. Dazu auch die Kosten für die schon gebauten Windflügel, die im Meer stehen und für die es noch keine Leitungen gibt. 20% des Verlusts zahlen die Windrad Hersteller 80% die dummen Bürger.
    Wer hat das verschlafen?
    Und wenn die Regierung die 10 Euro Arztquartalsgebühr aufhebt, ärgert sich Herr Hundt im Namen der deutschen Industrie. So sieht das aus bei uns, aber glauben Sie bitte nicht, dass es bei Rot-Grün anders wäre. Nein, schlimmer !

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