Protestwelle: Gewaltausbruch schürt Sorge vor Bürgerkrieg im Irak

Protestwelle
Gewaltausbruch schürt Sorge vor Bürgerkrieg im Irak

Am Dienstag hat der Irak die blutigsten Zusammenstöße seit Beginn der sunnitischen Proteste vor vier Monaten erlebt. Das Militär ging mit Waffengewalt gegen Demonstranten vor. Zwei Minister traten aus Protest zurück.
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Bagdad/KirkukNach jüngsten Zusammenstößen mit mehr als 50 Toten wächst im Irak die Sorge vor einer Eskalation des Konflikts zwischen Sunniten und schiitisch dominierter Regierung. Nach der Erstürmung eines sunnitischen Protestlagers in der nordirakischen Stadt Hawidscha mit 23 Toten am Dienstag setzte Ministerpräsident Nuri al-Maliki eine spezielle Ministerkommission ein, die den Vorfall untersuchen soll. Parlamentspräsident Osama al Nudschaifi, ein Sunnit, rief zur Ruhe auf.

„Was heute passiert ist, ist eine völlige Katastrophe“, sagte er in einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. „Falls dieses Blutvergießen auf andere Provinzen übergreift - Gott bewahre - wird das ein großes Feuer, das wir nicht mehr löschen können.“ Beobachter warnen bereits vor der Gefahr eines Bürgerkriegs wie im benachbarten Syrien.

Nach den Zusammenstößen in Hawidscha versuchten Bewafffnete in den nahegelegenen Städten Raschad und Rijad, Militärposten zu stürmen - nach Angaben der Polizei, des Verteidigungsministeriums und Krankenhäusern gab es dabei 13 Tote. In Falludscha und Ramadi gingen Hunderte auf die Straße, in Falludscha riefen einige „Krieg, Krieg!“.

In Falludscha wurde amtlichen Angaben zufolge ein Polizist von einem Heckenschützen erschossen, in Ramadi bewarfen Demonstranten eine Militärkolonne mit Steinen und setzten Fahrzeuge in Brand. Bei zwei Bombenexplosionen in der Nähe einer Bagdader Moschee wurden sieben Gottesdienstbesucher getötet und 17 verletzt. Bei einem Anschlag bei einer Moschee in der Stadt Mukdadija 90 Kilometer nördlich Bagdads wurden acht Gläubige getötet und 20 verletzt. In dem schiitischen Hauptstadtviertel Sadr City wurde ein Wahlbeamter erschossen.

Doch im Fokus war am Dienstag der Zwischenfall in Hawidscha. Ein Sprecher der sunnitischen Protestbewegung in Mossul, Salim al Dschuburi, sagte, dieser Zwischenfall markiere einen Wendepunkt. „Wir haben den friedlichen Kampf aufgegeben. Unser nächster Schritt ist der bewaffnete Kampf und wir haben die Waffen dafür“, sagte er.

Zu den Zusammenstößen kam es, als die Sicherheitskräfte am frühen Morgen auf ein Gelände in Hawidscha westlich von Kirkuk vordrangen, auf dem Demonstranten seit Januar gegen die Regierung al-Malikis protestieren. Nach Angaben eines Offiziers richtete sich der Einsatz gegen eine radikale sunnitische Gruppierung namens Nakschbandija-Armee. Die Soldaten hätten erst das Feuer eröffnet, als auf sie geschossen wurde. Ein weiterer Offizier sagte, 34 Sturmgewehre und vier Maschinengewehre seien auf dem Gelände gefunden worden.

Vertreter der Demonstranten warfen der Armee dagegen vor, die Zusammenstöße provoziert zu haben. Sie hätten wahllos in die Menge geschossen und Zelte in Brand gesetzt, sagte einer der Organisatoren, Abdulmalik al-Dschuburi. Die Demonstranten seien zur ihrem Schutz lediglich mit vier Gewehren bewaffnet gewesen. Die Zusammenstöße waren die blutigsten seit Beginn der sunnitischen Protestwelle vor vier Monaten.

Der sunnitische Bildungsminister Mohammed Ali Tamim und Wissenschaftsminister Abdulkarim al-Samarrai, ebenfalls ein Sunnit, legten aus Protest gegen den Militäreinsatz ihre Ämter nieder. Damit traten seit Anfang März bereits vier sunnitische Minister aus al-Malikis Kabinett zurück. Die Opposition wirft al-Maliki autoritäre Tendenzen und die Benachteiligung der sunnitischen Minderheit vor.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Associated Press / Nachrichtenagentur

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  • 30 Jähriger Krieg, der 2.
    Und wenn man daran denkt, was damals in Europa los war und welche Kriegsmittel jetzt zur Verfügung stehen,... die Menschheit lernt es nie

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