Prozess
Birmanischer Konsul demütigt Suu Kyi

Birmas Militärbehörden haben zu einem geschmacklosen Tiefschlag gegen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ausgeholt. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon will sich nun für die Freilassung der Oppositionsführerin einsetzen.

HB RANGUN. Der Amerikaner, der sie vor drei Wochen in ihrem Haus aufsuchte, sei vielleicht ihr Freund, sinnierte der birmanische Konsul in Hongkong am Freitag auf der Webseite des Konsulats. „Freunde, wir wissen ehrlich gesagt nicht, ob er ein Spion oder ihr Freund ist. Wir werden es herausfinden.“ Der Konsul hatte schon einmal Schlagzeilen gemacht, weil er die seit Generationen in Birma lebende und diskriminierte Minderheit der Rohingya als „hässliche Ungeheuer“ diffamiert hatte.

Weil der Amerikaner John Yettaw in ihr Haus eindrang, ist die 63jährige Suu Kyi wegen Verstoßes gegen die Auflagen ihres Hausarrests angeklagt. Sie wird seit 2003 in Isolation gehalten und darf keinen Besuch empfangen. Ihr drohen fünf Jahre Haft. Exilbirmanen fürchten, dass das Regime auch eine Anklage wegen versuchter Flucht gegen Suu Kyi vorbereiten könnte.

Die birmanische Regierung vermutet offiziell hinter dem ungebetenen Besuch des US-Amerikaners eine Verschwörung. Ziel der Aktion von regierungsfeindlichen Kräften im In- und Ausland sei es gewesen, die Regierung bloßzustellen und die Beziehungen zum Ausland zu verschlechtern, wurde Außenminister U Nyan Win am Freitag in birmanischen Medien zitiert.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon will sich bei einem Besuch in Birma persönlich für die Freilassung von Suu Kyi einsetzen. Er stehe mit der Regierung in „sehr ernsthaften Diskussionen“ über den möglichen Besuch, sagte er dem TV-Sender CNN.

In dem Prozess erklärte sich die Angeklagte Suu Kyi am Freitag für nicht schuldig. „Ich bin nicht schuldig, weil ich keinerlei Straftat begangen habe“, sagte sie in dem nicht-öffentlichen Prozess, der im berüchtigten Insein-Gefängnis in Rangun abgehalten wird. Die Anhörung lieferte unterdessen erste Erkenntnisse zu den Gründen des ungebetenen Besuchs aus den USA, mit dem die Justiz ihre Anklage begründet. Der ebenfalls angeklagte John Yettaw sagte aus, er habe eine „Vision“ gehabt, dass ein Attentat auf die Friedensnobelpreisträgerin geplant sei.

Suu Kyi bat den 53-Jährigen aus Missouri nach Angaben ihrer Anwälte, er möge wieder gehen. Weil er über einen See ihrem Haus geschwommen und deshalb geschwächt gewesen sei, habe Suu Kyi dem Besucher aber erlaubt, noch zwei Tage zu bleiben und sich auszuruhen, erklärten die Anwälte. Die Familie Yettaws beschrieb ihn als Bewunderer der Oppositionsführerin.

Der Prozess war am Donnerstag wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit fortgesetzt worden, wie ein Regierungsvertreter mitteilte. Das Informationsministerium hatte am Mittwoch nach internationalen Protesten entschieden, fünf ausländischen Korrespondenten und fünf Lokalreportern Zugang zum Gerichtssaal zu gewähren. Zudem wurden 29 Diplomaten zugelassen.

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