Prozess gegen Ex-Präsidenten: Morddrohungen in der Sarkozy-Affäre

Prozess gegen Ex-Präsidenten
Morddrohungen in der Sarkozy-Affäre

Jean-Michel Gentil ist Untersuchungsrichter im Ermittlungsverfahren gegen Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy und muss nun um sein Leben bangen. Morddrohrungen erreichten auch seine Kollegen und Journalisten.
  • 0

BordeauxDer Untersuchungsrichter, der vor einer Woche ein Ermittlungsverfahren gegen Frankreichs Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy einleitete, wird mit dem Tode bedroht. In einem an Jean-Michel Gentil gerichteten Brief wurden eine Morddrohung sowie Patronen gefunden, wie die Richtervereinigung SM am Mittwochabend in Bordeaux erklärte. Auch weitere Richter und zwei französische Journalisten wurden bedroht.

In dem Brief werde Gentil „eindeutig mit dem Tode bedroht“, erklärte die Richtervereinigung SM. Bei den Patronen handele es sich um Platzpatronen, also Patronen ohne Projektil. Andere Quellen sprachen von „Munition für Kriegswaffen“.

Ein Vertrauter des in Bordeaux arbeitenden Untersuchungsrichters sagte, der Brief sei an „Gentil und andere Richter“ gerichtet gewesen und bei der Staatsanwaltschaft der südwestfranzösischen Stadt eingegangen. In dem Schreiben heißt es: „Sie sind körperlich gut geschützt, aber einer von Ihnen wird verschwinden.“

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen gingen Drohbriefe auch an die Untersuchungsrichterinnen Cécile Ramonatxo und Valérie Noël, die an Gentils Seite gegen Sarkozy ermitteln. Die Journalisten Jean-Pierre Elkabbach vom Sender Europe 1 und Michaël Darmon vom Sender i-Télé hatten bereits vergangene Woche - einen Tag vor Einleitung des Ermittlungsverfahrens gegen Sarkozy - ähnliche Drohbriefe erhalten, wie Elkabbach am Donnerstag bestätigte. Von Seiten der Polizei verlautete, alle Briefe könnten "von derselben Gruppe" stammen, die Ermittlungen wurden daher zusammengeführt.

Gentil hatte vor einer Woche ein Ermittlungsverfahren gegen Sarkozy eingeleitet und damit in Frankreich ein politisches Erdbeben ausgelöst. Der Untersuchungsrichter verdächtigt den konservativen Ex-Präsidenten, der heute 90-jährigen L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt für seinen Präsidentschaftswahlkampf 2007 illegale Spenden aus der Tasche gezogen haben. Der Vorwurf lautet auf "Ausnutzung der Schwäche" der seit Jahren an Demenz leidenden Bettencourt. Wegen des Verdachts der illegalen Wahlkampffinanzierung wird schon seit Jahren ermittelt.

Nach der Einleitung des Ermittlungsverfahrens gegen Sarkozy war Untersuchungsrichter Gentil von Frankreichs Konservativen offen angefeindet worden. Der Abgeordnete und Sarkozy-Vertraute Henri Guaino warf Gentil vor, "Schande über die Justiz" gebracht zu haben. Sarkozys Anwalt Thierry Herzog sagte, der Ex-Präsident halte das Vorgehen des Richters für "skandalös". Der Verteidiger zog zudem offen Gentils Unabhängigkeit in Zweifel.

Die Richtervereinigung SM stellte die Äußerungen am Donnerstag in einen Zusammenhang mit der Morddrohung gegen Gentil. Nach den "beleidigenden" Äußerungen einiger Politiker und der Infragestellung von Gentils Unabhängigkeit durch Anwalt Herzog habe der Untersuchungsrichter nun eine Morddrohung erhalten.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Prozess gegen Ex-Präsidenten: Morddrohungen in der Sarkozy-Affäre"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%