Prozess gegen führeren irakischen Präsidenten
Erneut Anwalt aus Saddams Verteidigerteam erschossen

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ist in Bagdad ein Verteidiger im Saddam-Prozess erschossen worden. Ein weiterer Anwalt wurde verletzt. Der Anschlag verstärkte die Zweifel daran, ob inmitten der Gewalt überhaupt ein fairer Prozess gegen den ehemaligen irakischen Präsidenten Saddam Hussein und seine Mitarbeiter möglich ist.

HB BAGDAD. Die Anwälte Saddams haben eine Verlegung des Verfahrens ins Ausland gefordert und drohen damit, die für 28. November angesetzte Fortsetzung zu boykottieren. Menschenrechtsgruppen verlangten von der irakischen Regierung und den im Land stationierten US-geführten Truppen, die Verteidiger zu schützen.

Bei dem Anschlag wurde Vertretern der Polizei und der Verteidiger zufolge Adil al-Subeidi getötet sowie dessen Kollege Thamer Hamud al-Chusaie verletzt. Sie seien im westlichen Stadtbezirk Haj al-Adil beschossen worden, als sie mit ihrem Fahrzeug unterwegs waren, hieß es. Die beiden Juristen vertraten in dem Prozess den Bruder Saddams, Barsan al-Tikriti, sowie den früheren Vize-Präsidenten des Iraks, Taha Jassin Ramadan.

Al-Subeidi hatte vor seiner Tötung geahnt, dass sein Leben in Gefahr ist. „Ich habe Angst“, vertraute er einem befreundeten Rechtsanwalt noch einem Tag vor seinem Tod an. Er werde aber dennoch alles tun, seine Mandanten zu verteidigen. „Ich werde sie nie im Stich lassen, egal was es kostet“, fügte al-Subeidi hinzu.

Bereits einen Tag nach Prozessbeginn im vergangenen Monat wurde in Bagdad der Anwalt Saadun al-Dschanabi erschossen, nachdem er zuvor entführt worden war. Nachbarn des Juristen sagten damals, die Angreifer hätten sich als Mitarbeiter des Innenministeriums bezeichnet. Die Regierung wies jede Verwicklung in den Anschlag zurück. Anhänger Saddams und sunnitische Rebellen haben den regierenden Schiiten jedoch wiederholt vorgeworfen, dass Regierungskräfte und regierungsnahe schiitische Milizen ihren Teil zu der anhaltenden Gewalt beitragen würden.

Das Verteidigerteam Saddams bekräftigte angesichts des Anschlags seine Einschätzung, dass unter solchen Bedingungen kein faires Verfahren möglich sei. „Solange Zeugen, Richter und Anwälte nicht in gleichem Maße geschützt werden, kann es kein faires Verfahren geben“, sagte ein Sprecher des Teams, das seinen Hauptsitz in Jordanien hat. Der Vorsitzende Richter in dem Verfahren hatte den Prozess am 19. Oktober nach wenigen Stunden vertagt und dies unter anderem damit begründet, dass viele Zeugen zu verängstigt seien, um vor Gericht zu erscheinen.

Auch eine Sprecherin der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in London machte einen ordentlichen Fortgang des Verfahrens von einem ausreichenden Schutz für die Verteidiger abhängig. „Und es liegt in der Verantwortung der irakischen Regierung und des US-Militärs, diese Sicherheit zu gewährleisten“, fügte sie hinzu.

Saddam ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Mit ihm sitzen sieben weitere hochrangige Vertreter seiner Herrschaft auf der Anklagebank. Im Zentrum des Verfahrens steht ein Massaker an Schiiten, die Saddam massiv unterdrückt hat. Bei einer Verurteilung droht im die Todesstrafe.

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