Prozess im Irak
Saddam zeigt keine Reue

Der irakische Ex-Machthaber Saddam Hussein ist fest entschlossen, seine Rolle als „Unbesiegbarer“ durchzuhalten. Am ersten Tag seines Prozesses schritt er erhobenen Hauptes zu seinem Platz auf der Anklagebank und verteidigte mit seiner trotzigen Pose seine Unschuld.

HB BAGDAD. Der 68-Jährige machte von Anbeginn an deutlich, dass er die Autorität des Gerichts nicht anerkennt und erklärte sich ebenso wie seine sieben Mitangeklagten für nicht schuldig. Auf die Frage nach seiner Identität weigerte sich Saddam seinen Namen zu nennen. Als der Richter nach einem längeren Wortwechsel schließlich seinen Namen vorlas und sagte, Saddam sei der frühere Präsident, unterbrach ihn der Angeklagte und erklärte: „Ich bin der Präsident des Irak.“

„Was auf Unrecht gegründet ist, bleibt Unrecht“, sagte er in Anspielung auf die US- Invasion im März 2003, die zu seinem Sturz und der Bildung einer neuen Regierung führte. Richter Risgar Mohammed Amin erklärte ihm lächelnd, dass er noch später Gelegenheit haben werde, sich zu äußern, und wies ihn an, sich zu setzen.

Dass der irakische Ex-Diktator auch zweieinhalb Jahre nach dem Sturz auf seine Landsleute immer noch einschüchternd wirkt, zeigte eine andere Szene. Während einer Prozess-Pause wollte Saddam den Raum verlassen. Wie die im Gerichtssaal anwesende CNN-Reporterin Christiane Amanpour berichtete, wurde er dazu von seinem Stuhl losgekettet. Als Saddam daraufhin aufgestanden und in Richtung Tür gegangen sei, hätten zwei Sicherheitsbeamte versucht, ihn am Arm zu fassen und hinaus zu geleiten, berichtete Amanpour. Doch Saddam habe die beiden einfach nur angestarrt, bis sie schließlich zur Seite traten und ihn unbegleitet zur Tür gehen ließen. Im Fernsehen, das den Prozess zeitversetzt ausstrahlte, war die Szene nicht zu sehen.

Fotostrecke: Saddam Hussein - Ein Diktatorleben

Tatsächlich benimmt sich Saddam auf der Anklagebank kaum anders als früher, als er am Tigris noch Herr über Leben und Tod war. Als er seinen Namen nennen soll, rezitiert er stattdessen eine Sure aus dem Koran und setzt mit den Worten „Oh, Ihr Brüder“ zu einer seiner ausschweifenden pathetischen Reden an, bevor ihn der Richter unterbricht.

Saddam sieht heute älter und mitgenommener aus als bei seiner ersten Befragung durch den Untersuchungsrichter. Doch anders als die Mitangeklagten, legt er immer noch Wert auf sein Äußeres. Er erscheint im dunklen Anzug und mit gefärbtem Haar. Ex-Vizepräsident Taha Jassin Ramadan demonstriert Treue bis zuletzt. Als ihn der Richter auffordert, seine Personalien zu Protokoll zu geben, antwortet Ramadan: „Ich lobe die Worte des Präsidenten (Saddam).“

Awad Hamad al-Bandar, der ebenfalls angeklagt ist und einst als Vorsitzender Richter des Revolutionsgerichts zahlreiche Menschen zum Tode verurteilt hatte, beschwerte sich im Gerichtssaal darüber, dass man den Angeklagten ihre arabischen Kopfbedeckungen weggenommen hatte. „Man hat uns unsere Identität weggenommen“, rief er in den Saal. Darauf wurden ihnen die Kopfbedeckungen gebracht.

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