Prozess in China
Vernichtung eines Stars

Abschlusstag des Prozesses gegen Politstar Bo Xilai: Offiziell geht es um Giftmord, viel Geld und um Loyalität. Doch der wahre Grund für den Schauprozess gegen den Spitzenpolitiker ist ein ganz anderer.
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PekingEine Gerichtsverhandlung ist in China eine kurze und knackige Angelegenheit, selbst wenn komplexe Wirtschaftsverbrechen zu verhandeln sind. Am zweiten Tag des Prozesses gegen den chinesischen Politstar gilt der Anklagepunkt der Bestechlichkeit daher bereits als abgehakt – trotz Protest des Angeklagten gegen erzwungene Geständnisse.

Am Freitagmorgen näherte sich die sensationellste Gerichtsverhandlung Chinas seit vier Jahrzehnten ihrem Höhepunkt. Die Staatsanwälte präsentierten neue Anklagepunkte gegen den gefallenen Spitzenpolitiker Bo. Er soll die Polizei der Provinz Chongqing illegal kontrolliert haben, als er dort regierte. Wie ein König in seinem Reich habe er sich aufgeführt.

Vor Gericht gab sich Bo kämpferisch: Seine Frau und ihre Anschuldigungen seinen „verrückt“, sagte er am Freitag nach einem dort veröffentlichten Protokoll. Ein Geschäftsmann, der ihn bestochen haben will, verbreite Lügen; die Anschuldigungen seines engen Vertrauten seien „Geschwätz“.

Noch am Freitag soll das Verfahren nun bereits enden. Die Bekanntgabe des Urteils erwarten Beobachter jedoch erst für September. So kann die allmächtige Kommunistische Partei noch die Details unter sich ausmachen

Offiziell geht es heute in Gerichtssaal Nummer 5 am Mittleren Volksgericht von Jinan um Korruption und Amtsmissbrauch. Das der wahre Grund für den Prozess gegen Bo liegt in dem Machtspielen der hohen Politik. Bo Xilai, der Medienliebling, hatte sich zu weit vorgewagt. Er war zu populär gewesen, zu erfolgreich. Er wäre ein zu mächtiger Rivale der neuen Führung in Peking unter Präsident Xi Jinping gewesen. Ein Skandal um einen Giftmord, den seine Frau begangen hat, kam als Grund für seine Absetzung gerade recht.

Es geht aber auch um die politische Richtung des Landes. Denn Bo Xilai stand für mehr Kommunismus und eine Rückkehr zu den Werten der Zeit Mao Zedongs, des legendären Machthabers von 1949 bis 1976.
Als Bo dort regierte, klangen durch die Straßen Chongqings wieder Revolutionslieder. Die Chinesen kramten ihre blauen Mao-Anzüge hervor, rotteten sich in großen Scharen zusammen und schmetterten gemeinsam schmissige Melodien wie „Der Osten ist rot“. Die Mao-Nostalgie ergriff die Linken, die ohnehin stark in der Gesellschaft und an den Universitäten vertreten sind. Und sie ergriff diejenigen, die der wirtschaftliche Aufschwung des Landes zurückgelassen hatte – sie sehnten sich nach den guten alten Zeiten.

Kommentare zu " Prozess in China: Vernichtung eines Stars"

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  • Wenn in China so viele Beamtenschmarotzer wären wie bei uns, ginge das Volk sofort auf die Strasse....

    Deshalb weg mit Schäuble, er ist einer der Hauptschuldigen an der Enteignung des Deutschen Volkes.

    Und....Abbau aller überflüssigen Beamten.

    Allen NEUEN und eigentlich überflüssigen Politschwätzern jeglicher Couleur möchte ich mal ins Parteibuch schreiben:

    Baut endlich das überflüssige Beamtentum in der BRD ab !!!

    Diese Schmarotzer kosten uns jährlich über 160 Milliarden EURO und weniger als 10% von denen führen die notwendigen hoheitlichen Aufgaben aus, für die der Beamtenstatus einst mal geschaffen wurde.

    Die Folge ist eine unverschämt hohe Staatsquote in der BRD, die mehr als 54% beträgt.

    Viele Leistungsträger aus der freien Wirtschaft wandern deshalb in Niedrig- Steuerländer aus: USA, Canada, Australien, Russland, Schweiz und Österreich....(Schumacher, Graf, Beckenbauer, Depardieu, Vettel.....).

    Diese Beamtenschmarotzer machen unseren Staat letztlich kaputt, statt diesem zu dienen.

    Deshalb gibt's nur eins: Abschaffung aller nicht hoheitlich tätigen ÖD- Beamten und Privatisierung dieser Jobs mit echtem Wettbewerb.

    Also weg mit diesen EDEL-HARTZ-4- Emfängern und ab in die freie Wirtschaft, dann sinkt endlich die Staatsverschuldung und die notwendigen Infrastrukturen können wieder aufgebaut werden: Autobahnen, Intelligent-Grids, Privat- Schulen und Privat- Medien.....weil wieder Gelder in der Wirtschaft frei werden.

  • In China werden korrupte Politiker verurteilt und ggf. hingerichtet, bei uns leider nicht!

    Das muß sich ändern!

  • Interessanter Artikel. Vielen Dank.

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