Prozess um Attentat auf Hariri
„Es war ein bewusster und geplanter Terrorakt“

Das Uno-Sondertribunal verhandelt den Bombenanschlag auf Libanons Ex-Ministerpräsidenten Hariri. Der Chefankläger spricht von einem bewussten Terrorakt. Im Libanon gab es zu Prozessbeginn einen tödlichen Anschlag.
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Den HaagFast neun Jahre nach dem tödlichen Bombenanschlag auf den ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri hat am Donnerstag der Prozess gegen vier Kämpfer der radikalislamischen Hisbollah-Miliz begonnen. Die Angeklagten sind allerdings flüchtig. Das Verfahren vor einem Uno-Sondertribunal in den Niederlanden wurde vor einer leeren Anklagebank eröffnet. Chefankläger Norman Farrell betonte jedoch, das libanesische Volk habe ein „Recht auf diesen Prozess, die Beweise zu hören und die Wahrheit zu finden“. „Es war ein bewusster und geplanter Terrorakt.“

Den vier Verdächtigen wird vorgeworfen, den Selbstmordanschlag auf Hariris Fahrzeugkonvoi geplant zu haben. Dabei kamen am 14. Februar 2005 in der Nähe von Beirut Ex-Regierungschef Hariri und 22 weitere Menschen ums Leben. Farrell zeigte Fotos vom Tatort, an dem sich durch die Wucht der Explosion ein zwölf Meter großer Krater auftat. Der Staatsanwalt sagte, die Angreifer hätten eine „außerordentlich große Menge an hochexplosivem Sprengstoff“ auf einen Lastwagen geladen, um Hariri zu töten.

Hariri war einer der einflussreichsten sunnitischen Politiker des Libanon mit weitreichenden Kontakten zur arabischen Welt und der internationalen Gemeinschaft. Die schiitische Hisbollah, die vom Iran unterstützt wird, bestreitet jegliche Verwicklung in das Attentat.

Dass die Anklagebank in dem Prozess leer bleibt, ist ein bisher einmaliger Vorgang in der modernen internationalen Justizgeschichte. Richter David Re sagte, die Staatsanwaltschaft wolle Hunderte Augenzeugen laden. Der Prozess wird wahrscheinlich Monate dauern. Zum Auftakt war auch Hariris Sohn anwesend.


Kurz vor Beginn gab es im Libanon einen neuen Anschlag mit mindestens vier Toten und zahlreichen Verletzten. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur unter Berufung auf Gesundheitsminister Ali Hassan Chalil. Der Sprengsatz ging in der vor allem von Schiiten bewohnten nordöstlichen Stadt Hermel nahe der Grenze zu Syrien hoch, wie aus libanesischen Sicherheitskreisen verlautete. Der Bürgermeister von Hermel, Sobhi Sakr, sagte, die Tat habe sich in der Hauptverkehrszeit ereignet, als Schüler und Angestellte unterwegs gewesen seien. „Es war eine sehr große Explosion.“

In jüngster Zeit gab es mehrere Attacken im Libanon, weil der Bürgerkrieg in Syrien immer stärker übergreift. Von der Gewalt sind sowohl sunnitische als auch schiitische Gegenden betroffen. Beide Gruppen unterstützen in Syrien die jeweils andere Konfliktpartei.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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