Prozess vor dem Aus
Wird Strauss-Kahn doch Sarkozys Herausforderer?

Die Wende im Prozess gegen Dominique Strauss-Kahn stellt Frankreich auf den Kopf. Plötzlich gilt er wieder als heißer Favorit der Sozialisten im Kampf um die Präsidentschaft. Doch noch ist DSK nicht frei. VON H. ALICH.
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New York/ParisDer Prozess gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, droht nach einem Bericht der Zeitung „New York Times“ zu platzen. Es gebe erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der 32-Jährigen, die Strauss-Kahn versuchte Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vorwirft, berichtete das Blatt am Freitag unter Berufung auf zwei ranghohe Strafverfolger, ohne sie namentlich zu nennen. Auch andere Medien berichteten über Ungereimtheiten. Kommentare der Verteidiger von Strauss-Kahn und der Frau wurden zunächst nicht bekannt.

Laut der „New York Times“ gibt es Hinweise, dass die Frau in Drogenhandel und Geldwäsche verwickelt sei. Außerdem habe sie mehrfach bei Angaben zu ihrem Asylantrag gelogen. An ihren Vorwürfen hält die Frau fest.

Die Nachricht über die mögliche Wende im Straf-Prozess gegen Strauss-Kahn schlug in Frankreich wie eine Bombe ein. Seine Anhänger schöpfen nun neue Hoffnung, dass ihr Champion doch noch bei den Präsidentschaftswahlen antreten kann. Erste Forderungen werden laut, die Kandidatenkür bei den Sozialisten zu stoppen. Die Wende im Fall "DSK" könnte Frankreichs innenpolitische Lage völlig auf den Kopf stellen.

Michèle Sabban, Vize-Präsidentin der Pariser Region Ile de France, die DSK nahesteht, forderte bereits am morgen, den Auswahlprozess für den Präsidentschaftskandidaten der Sozialisten zu stoppen. "Angesichts der weltweiten Demütigung, die Dominique erleiden musste, glaub ich, lohnt es sich, jetzt zu warten", erklärte sie.

Die Sozialisten wollen per Urwahl im Oktober bestimmen, wer für sie bei den Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2012 antreten soll. Bis 18. Juli haben Kandidaten Zeit, für diese Vorwahl sich zu bewerben. Fünf Kandidaten sind bereits im Rennen. Diese Woche erst hatte sich Partei-Chefin Martine Aubry erklärt, sich um die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei zu bewerben.

Alle Augen ruhen nun auf Aubry. Zieht sie zurück? Ändert sie den Zeitplan für die Vorwahlen? Der politische Druck dafür dürfte riesig werden. Martine Aubry hält sich bisher zurück. Am morgen gab sie ein kurzes Statement dem Sender i-Tele. "Ich hoffe, dass sie amerikanische Justiz die ganze Wahrheit hervorbringen wird, und damit Dominique erlaubt, diesem Albtraum zu entkommen." Sie sagte indes nichts zu ihrer eigenen Präsidentschaftskandidatur und der partei-internen Auswahl-Prozedur.

Sollte jedoch sich bestätigen, dass die Anklage gegen DSK in sich zusammenfällt, gibt es keinen Zweifel daran, dass die Sozialisten ihrem gefallenen Champion die Präsidentschaftskandidatur auf einem Silbertablett antragen werden. Seine Haftbedingungen und seine öffentliche Zurschaustellung, die ihn medial bereits wie schuldig aussehen ließen, hatten über die Partei-Grenzen hinweg die Menschen geschockt und eine Welle der Sympathie für DSK ausgelöst.

"Ich schließe nicht aus, dass Strauss-Kahn Präsidentschaftskandidat wird", sagte zum Beispiel der sozialistische Abgeordnete Jean-Marie Le Guen auf France Info. Er spricht bereits von "Rehabilitation" von DSK, "alle, die mit seinem politischen Verschwinden gerechnet haben, müssen nun wieder mit ihm rechnen", so Le Guen.

Einige Stimmen warnen dabei vor zu voreiliger Freude. "Lassen wir die Justiz arbeiten und DSK seine Version der Dinge sagen", schrieb sein enger Freund, der PS-Abgeordnete Jean-Christophe Cambadelis. Ähnlich äußerte sich der Ex-Premierminister Lionel Jospin.

Doch selbst die politischen Gegner von DSK rechnen wieder mit ihm. "Wenn die Dinge sich entwickeln, wie man annimmt (die Anklage wird fallengelassen, d. Red), was sollte ihn daran hindern, zurückzukommen, wenn er Lust dazu hat", meinte zum Beispiel der Zentrist und Ex-Minister von Sarkozy, Jean-Louis Borloo, der selbst vermutlich 2012 Sarkozy herausfordern will.

Frankreichs Agrarminister Bruno Le Maire, versuchte die Sprachlosigkeit des Sarkozy-Lagers in Worte zu fassen. "Es gibt viel zu viele Leute, die jetzt schon wieder zu schnell und zu viel reden." Le Maire wolle erst einmal abwarten, wie die Justiz entscheidet, bevor er über politische Konsequenzen laut nachdenke.

Die Fans von DSK bei den Sozialisten verfallen bereits in Schadenfreude. "Wenn mich etwas freut bei der ganzen Geschichte (...) dann ist es das Gesicht, das Sarkozy und die Rechten heute wohl machen werden. Sie sahen doch die Sozialisten in der Frage der Moral bereits als geschlagen an," freute sich der PS-Politiker Claude Bartolone.

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  • Ganz einfach:
    Die Entschädigung für U-Haft ist festgelegt. Der Normalbürger erhält ja auch keinen Lohnausgleich für die Zeit, er erhält einen feststehenden Betrag X.
    Warum sollte jemand anders also mehr bekommen?
    Ausserdem: Die U-Haft in USA ist sicherlich kein Zuckerschlecken, aber sie ist immernoch menschenwürdig. Eine andere Unterbringung, die dennoch mehrarbeit und immer ein erhöhtes Risko darstellt. Ferner kann die Unterbringung auch in keinster Form zur Aufklärung der Sache beigetragen haben.
    Als Vergleich : Wenn ihnen jemand bei einem Unfall ihr Auto zerlegt, erhalten sie ein Auto schlechtere Qualität als Leihwagen während der Reparatur. Wünschen Sie ein besseres, so zahlen sie die Differenz selber.
    Nun das schlechtere Auto wäre hier die U-Haftzelle gewesen, die der Herr nicht wollte (was prinzipell auch nachvollziehbar ist, daher ist die Sonderbehandlung gegen Geld legitim)....
    -> Hat mit Neid nix zu tun.

  • Nicht Zwangskastration, somdern Geschlechtsumwandlung. Dann hätten wir auch kein Problem mehr mit einer Frauenquote.

  • "Schwanzgesteuert" zu sein liegt bei uns Maennern in der DNA und betrifft praktisch uns alle.

    Dies allein kann nicht ausreichen als Disqualifikations zum MP Posten.

    Oder sollten wir praeventiv die EU weite Zwangskastration fuer alle maenlichen Politik Aspiranten einfuehren ?

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