Prozess wegen Insiderhandel
Richterin spricht Martha Stewart vom Verdacht des Wertpapierbetrugs frei

Im Prozess gegen das US-Hausfrauenidol hat das Gericht den schwerwiegendsten Vorwurf abgelehnt. Damit bleiben Stewart zehn Jahre Haft erspart.

HB BERLIN. Gut einen Monat nach Prozessbeginn ist Martha Stewart, US-Medienstar und Hausfrau der Nation, von dem Vorwurf des Wertpapierbetrugs aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Damit lehnte Richterin Miriam Goldman Cedarbaum am Freitag die schwerwiegendste der Anschuldigungen gegen Stewart ab, die ihr eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren hätte einbringen können.

Jetzt muss sie sich noch gegen die Anschuldigung der Justizbehinderung und der Falschaussage gegenüber den Ermittlern verteidigen. Stewart hatte im Dezember 2001 insgesamt 3928 Aktien von dem Pharmakonzern Imclone verkauft, unmittelbar bevor die US-Behörde FDA dem Imclone-Medikament Erbitux die Zulassung verweigerte. Daraufhin war der Aktienkurs eingebrochen.

Die Anklage verdächtigt die mit Haushaltstipps und Ratgeberbüchern reich gewordene 62-Jährige, auf Grundlage eines Insidertipps gehandelt zu haben und dann später gegenüber Untersuchungsbeamten gelogen zu haben. Sie soll gewusst haben, dass der damalige Imclone-Chef Waksal, ein Freund Stewarts, seine Aktien abstoßen wollte.

Über diese Hintergründe des Verkaufs soll die Managerin die Behörden getäuscht haben. Wegen der Sache steht auch Stewarts Börsenmakler Peter Bacanovic vor Gericht. Stewart behauptet, die Aktien seien aufgrund einer früheren Abmachung mit Bacanovic verkauft worden.

In der vergangenen Woche hatte sich das Gericht mit einem Schlüsseldokument beschäftigt, auf dem diese Abmachung steht. Das Papier listet 36 Werte auf, die Stewart in ihrem Portfolio hatte. Hinter dem Eintrag «Imclone» steht dabei «@60». Dies bedeutet, dass bei einem Kurs unter 60 Dollar die Aktien verkauft werden sollten, sagte Stewart. Einem Experten zufolge wurde der Vermerk aber mit anderer Tinte geschrieben als andere Notizen auf dem Papier.

Stewart hatte im vergangenen Jahr ihren Vorsitz bei Martha Stewart Living Omnimedia abgegeben. Nachdem die Entscheidung der Richterin bekannt geworden war, legten die Aktien des Unternehmens acht Prozent zu.

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