"Psychologisch nicht verwunderlich"
Experte bestätigt Selbstmord Kellys

Ein Selbstmordexperte hat den Freitod des britischen Waffenexperten David Kelly bestätigt und als nicht verwunderlich beschrieben. „Wenn man alle Beweismittel zusammennimmt, dann ist es ziemlich sicher, dass er Selbstmord beging“, sagte Psychologieprofessor Keith Hawton vom Zentrum für Selbstmordforschung an der Universität Oxford am Dienstag vor dem Kelly- Untersuchungsausschuss in London.

HB/dpa LONDON. Als Privatperson müsse es Kelly als „extrem schmerzvoll“ empfunden haben, seinen Namen als Quelle für den BBC-Bericht vom Mai veröffentlicht zu sehen. Nach dem Bericht soll die Regierung ein Dossier zu dem Bedrohungen durch Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen absichtlich aufgebauscht haben. Außerdem habe sich Kelly durch die Befragung in einem parlamentarischen Ausschuss offenbar „herabgewürdigt“ gefühlt, sagte der Psychologe weiter. Die Befragung durch den außenpolitischen Ausschuss des Unterhauses war teils sehr harsch verlaufen, in Berichten war die Rede von „Inquisition“.

Die äußeren Gegebenheiten des Ortes, wo die Leiche Kellys am 18. Juli unweit seines Hauses gefunden wurden, deuteten auf einen Selbstmord hin, sagte Hawton weiter. Der frühere UN-Waffeninspekteur und Angestellte des Verteidigungsministeriums habe sich einen friedvollen und schönen Platz für seinen Freitod gewählt. Seine Verletzungen entsprächen denjenigen von Personen, die sich die Pulsadern aufschneiden. Außerdem habe er 30 Tabletten des starken Beruhigungsmittels Coproxomol genommen. Dies hätte ihm eine andere Person nur unter größeren Schwierigkeiten verabreichen können.

Erst am Vortag hatte die Witwe vor dem Untersuchungsausschuss schwere Vorwürfe gegen die Regierung erhoben. Ihr Mann habe sich vom Verteidigungsministerium „im Stich gelassen und betrogen gefühlt“, sagte Janice Kelly (58). Trotz gegenteiliger Zusicherungen seiner Vorgesetzten sei der Name Kellys als Quelle für den umstrittenen BBC- Bericht zu den Irak-Waffen an die Presse gegeben worden. Die Tage zwischen der Veröffentlichung und dem Selbstmord ihres Mannes am 18. Juli nannte die Witwe einen „Albtraum“.

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