Puerto Rico droht die Staatspleite
Das Griechenland Lateinamerikas

Puerto Rico macht schlapp: Das US-Territorium verkündet den Zahlungsstopp – und will die Aufmerksamkeit der Amerikaner erregen. In Washington bleibt es aber ruhig. Droht der Karibikinsel ein Schuldendrama à la Athen?
  • 4

WashingtonPuerto Ricos finanzielle Nöte haben sich am Wochenende auf dramatische Weise verschärft. Die Regierung in San Juan hat am Samstag angekündigt, einen Zahlungstermin verstreichen zu lassen. Es bleibt jetzt eine letzte Gnadenfrist. Doch wenn die Märkte am Montag schließen, werden sie wahrscheinlich den Bankrott feststellen.

Puerto Rico – das ist eine eigentümliche Kombination aus Palmenstränden, Shoppingmalls, Rhythmen, Rum und Bauruinen. Die Wirtschaft steckt seit fast zehn Jahren in der Rezession. Wer kann, setzt sich aufs Festland ab. Das einzige, was auf Puerto Rico noch verlässlich wächst, ist der Schuldenberg.

Auf 72 Milliarden Dollar summiert sich die Last der Kredite. Die kleine Karibik-Insel, die an der Seite von Irland und Singapur in der Manege der Globalisierungstiger glänzen wollte, ist dabei, sich zu den weltgrößten Pleitestaaten zu gesellen, hinter Argentinien und Griechenland.

Wobei: Ein Staat ist Puerto Rico eigentlich nicht. Die Insel ist ein „Territorium“ der Vereinigten Staaten, teilautonom, aber weder souveräne Nation noch vollwertiger US-Bundesstaat, vielleicht am ehesten vergleichbar mit einem Indianerreservat. Halb Amerika, halb Armenhaus.

Und genau damit fangen die Probleme an. Puerto Rico fehlen die politischen Instrumentarien, um auf die Krise zu reagieren. Es hat keine Kontrolle über seine Währung, bezahlt wird mit dem Dollar. Und über wichtige wirtschaftspolitische Entscheidungen befindet Washington, das Puerto Rico wie einen verhaltensauffälligen Halbbruder behandelt, dessen Handynummer man blockiert hat.

Möglich, dass sich das nun ändern wird. Der Zahlungsstopp ist eine Verzweiflungstat, die, so die Hoffnung in San Juan, nicht mehr ignoriert werden kann. „Unsere Regierung legt es offenbar darauf an, die Märkte zu beunruhigen und Ansteckungseffekte heraufzubeschwören, um Washington Aufmerksamkeit zu erhalten“, sagt Sergio Marxuach.

Seite 1:

Das Griechenland Lateinamerikas

Seite 2:

Das Detroit-Szenario droht

Kommentare zu " Puerto Rico droht die Staatspleite: Das Griechenland Lateinamerikas"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Klugmanns können da nichts machen, das Gebiet wird insolvent und aus Washington kommt nichts. So einfach geht das. Dann verhandelt man mit den Gläubigern und kommt zu einem Schuldenschnitt. Thats it.

  • Unklar ist, ob dem witzelnden Finanzminister klar ist, worauf er sich da einlassen würde. Der Flucht der Karibik ist mindestens so unheimlich wie das Schuldendrama an der Ägäis.

    Ich vermute, dass es sich bei "Der Flucht der Karibik" um den "Fluch der Karibik" handeln soll.

  • Zitat: "Unklar ist, ob dem witzelnden Finanzminister klar ist, worauf er sich da einlassen würde. Der Flucht der Karibik ist mindestens so unheimlich wie das Schuldendrama an der Ägäis."

    na, 72 Milliarden wären ja doch um einiges leichter stemmbar als Griechenlands 300 - 500 Milliarden...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%