Pussy-Riot-Musikerinnen
„Gefängnis war Feldforschung für Menschenrechte“

Die amerikanische Uno-Botschafterin hat die Frauen von Pussy Riot als „mutige Störenfriede“ geadelt. Die Antwort ihres russischen Kollegen kam prompt: Er schlug Konzerte im Petersdom, in Mekka und an der Klagemauer vor.
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New YorkDie Uno-Botschafter von Russland und den USA haben sich wegen der russischen Protest-Punk-Band Pussy Riot einen verbalen Schlagabtausch geliefert. Anlass war ein Treffen von Samantha Powers mit zwei Mitgliedern der Gruppe, die kürzlich aus dem Gefängnis freigekommen waren.

Anschließend twitterte die amerikanische Uno-Botschafterin, sie habe „zwei mutige Störenfriede“ getroffen. Auf die Frage, ob sie Angst vor dem Gefängnis gehabt haben, hätten die Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa geantwortet: „Nein. Im Gefängnis konnten wir die schrecklichen Zustände sehen. Das war Feldforschung für Menschenrechte.“

Alechina und Tolokonnikowa wurden im Dezember nach beinahe zwei Jahren freigelassen. Sie waren verurteilt worden, weil sie ein Protestkonzert in einer russischen Kirche gegeben hatten.

Als der russische Uno-Botschafter Witali Tschurkin auf einer Pressekonferenz auf das Treffen Powers mit den beiden Musikerinnen angesprochen wurde, fragte er spöttelnd: „Sie hat sich jetzt aber nicht der Band angeschlossen?“ Und als die Journalisten in Gelächter ausbrachen, fuhr er fort: „Ich würde von ihr erwarten, dass sie sie zu einem Auftritt in die National Cathedral in Washington einlädt. Das ist meine Erwartung. Vielleicht können sie ja sogar eine Welttournee organisieren – Petersdom in Rom, vielleicht Mekka in Saudi-Arabien und die Klagemauer in Jerusalem.“ Er wäre enttäuscht, wenn Power dahinter zurückbleiben würde.

Das rief wiederum Power auf den Plan: „Botschafter Tschurkin. Es wäre mir eine Ehre, mit Pussy Riot auf Tournee zu gehen - eine Gruppe Mädchen, die für Menschenrechte die Stimme erheben und aufstehen. Wollen Sie sich uns nicht anschließen?“, twitterte die Diplomatin. Sie selbst könne zwar nicht singen, aber wenn Pussy Riot sie fragen würde, dann würde sie das erste Konzert für die politischen Gefangenen in Russland geben.

Die beiden Musikerinnen waren wenige Tage vor dem Start der Winterolympiade in Sotschi in New York eingetroffen, um an einem Konzert der Menschenrechtsorganisation Amnesty International teilzunehmen. Bei einer Pressekonferenz übten sie scharfe Kritik an den Zuständen in ihrer russischen Heimat.

Amerikanische Besucher in Sotschi sollten über die eigens für das Großereignis errichteten Gebäude hinwegsehen und stattdessen das Gastgeberland genau unter die Lupe nehmen, sagten Maria Aljochina und Nadeschda Tolokonnikowa bei ihrer Ankunft in den USA am Dienstag. Diese Gebäude seien Fremdkörper in Russland, das einzige, was diese Objekte mit dem Land verbinde, sei gestohlenes Steuergeld, das für den Bau der Olympia-Stätten verwendet worden sei, erklärte Aljochina weiter.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Pussy-Riot-Musikerinnen: „Gefängnis war Feldforschung für Menschenrechte“"

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  • Sie können Russland mit Deutschland gar nicht vergleichen. Es ist ein spezielles Land mit eine speziellen Geschichte. Natürlich hatte auch Deutschland eine nicht gerade einfache Geschichte. Ich meinte auch die Entwicklung Russlands in der Geschichte. Dort nämlich ging sie sehr langsam vonstatten.
    Bsp.: in Europa endete das Mittelalter etwa im Jahre 1492. In Russland ging das MA ca. im Jahre 1703 zu Ende.
    Deutschland konnte sich durch das MA hindurch eigentlich ganz gut entwickeln und Beziehungen zu anderen Ländern pflegen. Russland hingegen litt 200 Jahre lang unter dem mongolisch-tatarischen Joch und konnte keine Beziehungen zu Westeuropa pflegen.
    So könnte man weitermachen bis zur Oktoberrevolution, dem Zerfall der SU oder auch bis Pussy Riot. Russland und Deutschlan sind so wie sie jetzt sind ihrer Geschichte und Entwicklung zuzuschreiben. Man sollte nicht nur die Politik der Neuzeit be- und verurteilen
    Ich finde es schade, dass sie nur auf ihre eigene Meinung pochen, ohne andere zu akzeptieren oder wenigstens in einigen Punkten zuzustimmen, und nicht verstehen wollen, dass Deutschland und Russland zwei ganz verschiedene Welten mit eigener Entwicklung sind.
    Wenn sie gebildet sind und den Duden und alle mathematischen Gesetze in- und auswendig kennen, sollten sie das eigentlich auch wissen.
    Ich respektiere ihre Meinung und auch sie sollten andere Meinungen respektieren.

  • Fortsetzung
    Sie sind sehr sprunghaft unterwegs in Ihren Argumenten. Aber wir können auch gerne über das Putin-Medwedew Tandem, oder über Herrn Chodorkovskij und anderer verscheuchte Oligarchen reden. Wir können auch darüber reden, wie teuer die Olympischen Spiele sind, und wie hoch das Einkommen einer Rentnerin in einem Dorf bei Omsk ist. Wir können auch gerne darüber reden wie sinnvoll die Gesetze bezüglich der Homosexuellen sind.
    Natürlich sind die Quellen voreingenommen, wie jede Quelle im übrigen. Wenn man sich aber verschiedene Quellen, vor allem aus verschiedenen Ländern stammend anschaut, dann kann man sich durchaus ein gutes Bild machen.


    Hochachtungsvoll

  • Lieber J.D.,

    1. Ich bin nicht der Meinung, dass man etwas hochladen muss, nu in Ihrem speziellen Fall wäre es von Nöten, da Sie den praktischen Beweis leider nicht liefern können. Es ist sehr schön zu sehen, dass Ihr zweiter Kommentar sprachlich deutlich besser verfasst ist. Mit drängt sich der Verdacht auf, dass Sie einen Duden zu Rate gezogen haben. Aber gut jeder wie er kann. Im Übrigen ist es sehr amüsant und unterhaltsam zu sehen, wie gern Sie Fremdwörter, nicht immer passend, dennoch mit großer Innbrunst in Ihren Text einzupflegen versuchen.
    2. Ihren zweiten Punkt verstehe ich nicht. Der Kommentar ergibt gar keinen Sinn. Natürlich bin ich tendenziös. Ich tendiere zu meiner eigenen Meinung, welche sich aus meiner Lebenserfahrung, Weltanschauung und auch anderen Faktoren, ergibt. Für mich ist das logisch und auch klar, aber gut, dass Sie das beruhigt.
    3.Selbstverständlich können wir über Geschichte diskutieren, wenn Sie das Tempo halten können. Ich sehe bei Ihnen nicht nur Lücken in der Deutschen Sprache, aber auch in Geschichte. Sie spielen auf den Zeitraum der Deutschen Geschichte zwischen 19333-1945 an:“ Man habe Monarchen gestürzt? Der letzte Sturz dauerte aber lange - von 1933-1945“. Sie scheinen den Unterschied zwischen Monarchie und Diktatur nicht zu kennen. Habe eigentlich auf alle europäischen Länder angespielt.
    4. Adolf Hitler war kein König, er war ein diktatorischer Führer, wie Stalin und andere. Ich bezeichne das deutsche Volk nicht als schwach, bei diesem Kommentar Ihrerseits stellt sich mir die Frage, ob Sie überhaupt verstehen was ich schreibe. Ich wollte lediglich klar machen, dass auch Deutschland, welches eine durchaus nicht einfache Geschichte vorweisen kann, sich trotzdem noch gut entwickelt hat, und dass man die Geschichte nicht als Entschuldigung für die Gegenwart nehmen darf.
    5.Zum Epilog, warum auch immer dieses Fremdwort nötig war, wie kommen Sie jetzt zu der NSA Affäre? Von Thema Politik in Russland, oder meinen Sie den KGB?

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