Putin beim G20-Gipfel
Der Merkel-Versteher

Beim G20-Gipfel trifft der Westen auf Wladimir Putin. Der russische Präsident kritisiert die Sanktionen als Verstoß gegen das Völkerrecht. Mit der Kanzlerin ist ein Gespräch geplant – persönlich verstehe man sich gut.
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Moskau/BrisbaneDer russische Präsident Wladimir Putin hat die Sanktionen des Westens gegen sein Land in der Ukraine-Krise als Verstoß gegen das Völkerrecht und schädlich für die Weltwirtschaft kritisiert. Zwar spüre Russland die Folgen der Strafmaßnahmen, sagte er am Freitag in einem Interview mit der amtlichen Nachrichtenagentur TASS vor Beginn des G20-Gipfels. Allerdings beeinträchtigten die Sanktionen auch die Weltwirtschaft.

Er werde das Thema beim G20-Gipfel in Australien aber nicht ansprechen, weil das nichts bringe, sagte Putin. Auf die Ukraine selbst wurde Putin in dem Interview nicht angesprochen.

Unterdessen drohte der britische Premierminister David Cameron Russland wegen der anhaltenden Spannungen in der Ukraine mit einer Verschärfung der Strafmaßnahmen. Das Verhalten Russlands im umkämpften Osten der Ukraine sei inakzeptabel, sagte Cameron am Freitag im australischen Canberra.

Putin kritisierte die Kontensperrungen, Einreisebeschränkungen und Zugangsbeschränkungen russischer Unternehmen zu westlichen Finanzmärkten. Nur die Vereinten Nationen hätten das Recht, so etwas zu veranlassen. Zudem verletzten die USA mit den Maßnahmen auch das von ihnen initiierte Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT).

Die Sanktionen und die fallenden Ölpreise hinterließen ihre Spuren in der russischen Wirtschaft. „Aber unsere Reserven sind groß genug und stellen sicher, dass wir unsere sozialen Verpflichtungen einhalten können“, sagte Putin. Er schloss nicht aus, dass der staatlich kontrollierte Energiekonzern Rosneft Geld aus dem staatlichen Wohlfahrtsfonds erhalten könnte, der zur Stabilisierung des Rentensystem eingerichtet wurde.

Rosneft ist von den Sanktionen betroffen und schreibt wegen des gesunkenen Ölpreises und des Rubel-Verfalls kaum noch Gewinn. Der Konzern hat die Regierung um Hilfen in Höhe von zwei Milliarden Rubel gebeten. Er schließe nicht aus, dass Rosneft nach einer genauen Analyse der Bedürfnisse des Unternehmens, „das wir sehr wertschätzen“, Unterstützung erhalte, sagte Putin.

Kommentare zu " Putin beim G20-Gipfel: Der Merkel-Versteher"

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  • @Frau Dr. Max Motte

    Der World Gold Council hat für den anhaltenden Kaufrausch der Notenbanken zwei vielsagende Gründe: Geopolitische Spannungen und – sehr brisant − der Versuch der Notenbanker, ihre Reserven vom US Dollar zu lösen.

    Sie sprechen hier ein gern verschiegenes und hochbrisantes Thema an. Vor einigen Wochen schon bot Putin der Welt an, Rohstoffe zu liefern ohne vorher in Dollars zu tauschen. Dies Angebot ist für die USA gefährlich und sie wird dementsprechend reagieren.
    Andere Länder haben gleiches auch schon versucht und sind verlustreich gescheitert. Siehe Iran, wo die amerikanische Justiz sogar gegen Versicherungen vorgehen wollte, die iranisches Öl auf dem Transport versichern.

    Putin muß an zu vielen Fronten kämpfen. Er sollte versuchen mit Europa Vereinbarungen zu schließen, die beiden die Gesichtwahrung ermöglicht. Z. B. Ostukraine als Sonderstatus in der Ukraine. Die Ukraine als Brückenstaat zwischen EU und Russland ohne Nato. Somit wäre allen geholfen. Je länger man wartet, desto schwieriger wird eine Einigung. Die USA würde er besser ganz aussen vor lassen. Das würde die EU aufwerten und die Ammis ärgern.

    Schönen Abend noch.

  • Der neue kalte Krieg in Europa wird uns insbesondere in Deutschland schwer schaden. Die US-hörigen zeigen hysterisch nach Russland, wie sehr es den Russen schadet und Putin angeblich deswegen an Reputation im eigenen Land verliert. So berechnend und offensichtlich ist die volksverdummende Propaganda immer, wenn die jeweiligen Eliten von dem eigenen Desaster ablenken wollen, - also nichts Neues!
    Nur Ignoranten behaupten es gäbe gar keinen kalten Krieg, es gibt ihn definitiv und wird von russischer Seite und von westlicher Seite nicht deeskaliert werden ohne das einer klein beigeben muss und das Gesicht verliert.
    Man ignoriert auch, dass die wirtschaftliche “Musik“ in wenigen Jahren im asiatischen und nicht im westlichen Raum gespielt wird und Russland, sich einem schweren und behäbigen Tanker gleich, diesem Weltmarkt, aufgrund des Zerwürfnisses mit dem Westen, mit einigen Anstrengungen zuwenden muss. Im Moment hat Russland dadurch Sonderaufwendungen und unbequeme Maßnahmen zu bewältigen. Wer in wenigen Jahren und zwar auf Dauer dadurch aber das meiste verliert ist für Experten jetzt schon ersichtlich, ganz egal was dumm-brabbelnde Systemanbeter im Westen in dieser Hinsicht von sich geben.

    Nur ein Beispiel von vielen was Deutschland verspielt:
    Saudi-Arabien baut gerade eine eigene gigantische chemische Industrie mithilfe eines im Land fast kostenlosen Rohstoffs Erdöl auf. Die deutsche chemische Industrie hat diesem Kostenvorteil auf Dauer, außer Innovationen, nichts entgegenzusetzen. Eine arbeitsteilige Verlagerung nach Russland könnte diese Industrie langfristig erhalten, so wird man aufgrund unterschiedlicher Kostenstrukturen in Zukunft die Marktführerschaft verlieren und noch viel mehr Arbeitsplätze verlieren. Im besten Falle kaufen Chinesen irgendwann das deutsche Know-how und installieren nahe an den billigen Rohstoffen in Russland chemische Produktionsstätten. Bei soviel deutscher Merkeldämlichkeit kann man nur noch begeistert in die Hände klatschen!!!

  • Bereitet sich Russland auf einen längeren Wirtschaftskrieg vor?

    Der neue Bericht des World Gold Council für das Quartal bis September enthält eine brisante Information: Russland kaufte in diesem Zeitraum 55 Tonnen Gold. Das war über die Hälfte dessen, was die Notenbanken rund um den Globus zu ihren Reserven hinzufügten.

    Damit hat Russland nicht nur einen Vorteil aus den niedrigeren Goldpreisen gezogen. Das Land hortet mit deutlich wachsendem Tempo Gold und scheint sich auf einen längeren Wirtschaftskrieg mit dem Westen einzustellen.

    Putin, so wissen Beobachter des Goldmarktes, hortet schon länger Goldreserven. Moskau hat allein im vergangenen Jahrzehnt seine Vorräte auf 1.150 Tonnen verdreifacht.

    Doch jetzt gibt Russland richtig Gas. Im laufenden Jahr wurden laut dem World Gold Council fast 115 Tonnen Gold zu den Reserven des Landes addiert.

    Russlands Notenbank ist laut offiziellen Statistiken auch ohne die jüngste Beschleunigung in den vergangenen zehn Jahren der aktivste staatliche Goldkäufer gewesen. Hilfreich wären die gebunkerten Vorräte vor allem, wenn die Sanktionen der USA und der Europäer nicht aufhören oder sich gar verschärfen.

    Insgesamt haben Zentralbanken von Juli bis September 93 Tonnen Gold gekauft. Es war das 15. Quartal in Folge, dass sie unter dem Strich Gold zu ihren Reserven addierten. Der World Gold Council hat für den anhaltenden Kaufrausch der Notenbanken zwei vielsagende Gründe: Geopolitische Spannungen und – sehr brisant − der Versuch der Notenbanker, ihre Reserven vom US Dollar zu lösen.

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/wirtschaft-und-finanzen/markus-gaertner/massive-goldkaeufe-bereitet-sich-russland-auf-einen-laengeren-wirtschaftskrieg-vor-.html;jsessionid=98FCD34172036A94D4D099850120F44E

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