Putin – der Unberechenbare
Was juckt mich mein Geschwätz von gestern

Wenn Väterchen Putin von verirrten Soldaten erzählt: Will der Kremlchef Frieden – oder zündelt er heimlich? Seine neuesten Aussagen verunsichern den Westen: Er adelt die Separatisten als „Volkswehr von Neurussland“.
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DüsseldorfVerbal schaltet die Bundesregierung einen Gang höher. Erstmals spricht sie angesichts der Vorfälle in der Ostukraine von einer „militärischen Intervention“ Russlands. Hinweise auf die Präsenz von Russen und die Verwendung von russischen Waffen hätten sich verdichtet, heißt es in Berlin. Ein harter Vorwurf. Und nun? Was folgt auf diese Worte?

Erst einmal nichts. Diskutiert werden weitere Sanktionen gegen Russland. Ansonsten hat Russlands Präsident Wladimir Putin Narrenfreiheit. Und die nutzt er – nur nicht im Sinn der Westmächte. „Er verfolgt das klare Ziel, Einfluss auf die gesamte Ukraine zu wahren, und zwar idealerweise über Föderalisierung und Neutralität der Ukraine“, sagt Margarete Klein, Russland-Expertin von der Stiftung Politik und Wissenschaft.

„Im Moment spricht viel dafür, dass Russland ein Transnistrien-Szenario anstrebt, also einen 'frozen conflict': Eine De-facto-Abspaltung von Teilen der Ukraine, die aber nicht Russland angegliedert werden, würde dafür sorgen, dass Moskau weiterhin Einfluss auf die Ukraine ausüben kann“, sagt Klein. „Russland könnte seinen Kernforderungen – Neutralität und Föderalisierung der Ukraine – Nachdruck verleihen, indem es mit der permanenten Möglichkeit der Eskalation droht.“

Dazu passt die Unterstützung der prorussischen Separatisten, die sich seit Wochen Kämpfe mit der ukrainischen Armee liefern. Für dieses Szenario spricht auch, dass in letzter Zeit immer mehr hochrangige Personen aus Transnistrien Führungspositionen in der „Donezker Volksrepublik“ besetzt haben. Bislang hat Putin bei internationalen Treffen stets bestritten, direkten Einfluss auf die prorussischen Rebellen in der Ostukraine ausüben zu können.

Doch nun schlug er sich in einem flammenden Appell auf ihre Seite – und adelte die Rebellen als „Volkswehr von Neurussland“. „Dass er 'Neurussland' sagt, ist problematisch, denn dieser Begriff umfasst nicht nur die Volksrepubliken Donezk und Lugansk, sondern auch Gebiete wie Mariupol und Odessa“, sagt SWP-Expertin Klein.

In seiner Erklärung lobte Putin die Miliz für ihre „erheblichen Erfolge bei der Unterbindung der Gewaltoperation Kiews“, die eine tödliche Gefahr für die Bevölkerung von Donbass darstelle und bereits zahlreiche Opfer unter den Zivilisten gefordert habe. Und weiter: „Dank des Vorgehens der Volkswehr wurde eine große Zahl ukrainischer Militärs eingekesselt, die an der Militäroperation nicht freiwillig, sondern auf Befehl teilnehmen.“

Kommentare zu " Putin – der Unberechenbare: Was juckt mich mein Geschwätz von gestern"

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  • @MMnews

    Tatsächlich war es wohl vorwiegend die City of London, die die russischen Oligarchen kontrollierte, und über diese die Rohstoffe des Landes. Die von Putin vertriebenen Oligarchen (nur ein Teil aller Oligarchen übrigens) sind dann vorwiegend nach London und Israel geflohen, nicht in die USA.

    Wir erinnern uns, daß vor ein paar Jahren die diplomatischen Beziehungen zwischen UK und Rußland sehr angespannt waren und gewisse Personen in London auch an Vergiftungen starben.

    Kurioserweise scheinen sich jetzt die Londoner Geldbarone und Putin einigermaßen zusammengerauft zu haben (u.a. hat auch die aufstrebende Gasmacht Israel, ein City-Ableger, mit Gazprom über ein Gaskartell bzgl EUropa verhandelt).
    Jedenfalls hört man vom "kleinen Bruder" der USA, dh. aus London nur Lippenbekenntnisse, aber nicht Substanzielles mehr, während sich die Amis auf die Steuerung unserer Marionettenregierung als wichtigstem Verbündeten konzentrieren und London links liegen lassen.

    Der derzeitige Angriff auf Rußland geht wohl vorwiegend von den US-Geldbaronen aus, und hat wohl auch primär andere Interessen (Dollarrettung, Verhinderung "Eurasiens" und BRICS, Weltherrschaft). Die Rohstoffe sind dabei natürlich eine willkommene Beute, falls irgendwann einmal eine Destablisierung Rußlands klappt.

  • irgendwie ist das alles ein wenig verrückt.

    lt. unseren Medien wollte Putin zuerst mit dem Hilfskonvoi Waffen und Soldaten rein schmuggeln. Dann hat er aber angeblich statt dessen Kriegsmaterial raus geschafft. Nun hat er wieder Kriegsmaterial über die Grenze gebracht.

    Wenn ich das richtig verstehe hat er also die Parkstrasse gegen das E-Werk getauscht??

    Liebe Medien - das ist nicht Monopoli - das ist Realität! Der Westen hat versucht Russland in eine Schüssel zu packen und wollte selbige ins Eisfach stellen. Das er sich daraufhin gewehrt hat (Krim für Russland wie Cuba seinerzeit für USA) war nur logisch. Der Westen hatte dann nichts besseres zu tun als mit der Sanktionsspirale einen kalten Krieg zu beginnen. Nun testet Putin aus - zu was der Westen bereit ist...

    Er würde es auf einen realen Krieg ankommen lassen. Mit dem Wissen, das der Westen dazu gar nicht in der Lage ist. Wir haben nämlich weder genug Psychologen für unsere Soldaten noch genug mobile Kitas für deren Kinder.

    Davon ab können unsere Panzer keine 100 km rollen ohne kaput zu gehen.

    und - unsere Politiker wissen das.

    Die USA hätten gerne in Europa einen echten Krieg - dazu muss man nur Obamas erste Rede in Berlin aufmerksam studieren.

    Den werden sie aber nicht bekommen - Gründe siehe oben.

    Putin wird sich den Südosten der Ukraine nehmen. Wir werden einen kalten Winter erleben - und danach ist fast alles beim alten. Fast, denn wir werden dauerhaft die Ukraine finanzieren müssen. Aber das schaffen wir auch noch - teurer als Griechenland wird es wohl nicht werden ...

  • Der bekannte technische Analyst Saiger, der u.a. auch mit dem noch bekannteren verstorbenen Börsenliebling Kostolany zusammengearbeitet hat, versucht sich an der Geopolitik und .... ich bin beeindruckt:

    http://schnittpunkt2012.blogspot.de/2014/08/johann-saiger-uber-ukraine-deutschland.html

    Insbesondere warnt er davor, daß, falls es zum Konflikt kommen würde, Deutschland als wichtigster Vasall der USA in EUropa, im Fokus stehen würde, insbesondere im Fokus eines möglichen russischen Erstschlags (u.a. weil die welt-weiten Kriege der USA vorwiegend von Deutschland aus koordiniert werden, von hier lagernden Atomwaffen gar nicht zu reden). Er ruft daher besonders die Deutschen dazu auf, gegen die derzeitige Kriegshetze und gegen ihre hündisch-gehorsame US-Vasallenregierung (Merkel-Regime!!!) zu demonstrieren.

    Dieser Punkt kommt übrigens eher gegen Ende des Vidoes. Am Anfang steht eine historische Analyse, wer von den bisherigen Weltkriegen profitiert hat, gefolgt von einer Analyse, wer den künftigen gerade vorantreibt.

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